Ein Leben am Rande der Wissenschaft – und oft am Rand des Todes: Tim Friede, ein US-amerikanischer Hobbyforscher, hat sich über fast zwei Jahrzehnte hinweg absichtlich von Giftschlangen beißen lassen. Über 200 Bisse, dazu hunderte Injektionen mit hochgefährlichem Schlangengift – was für viele wie Wahnsinn klingt, könnte nun ein medizinischer Durchbruch sein.
Wie die angesehene Fachzeitschrift Cell berichtet, spielen Antikörper aus Friedes Blut eine zentrale Rolle bei der Entwicklung eines universellen Gegengifts. Die Studie zeigt, dass seine Immunantwort nach Jahren extremer Selbstversuche erstaunlich breit wirksam ist: Seine Antikörper schützen in Laborexperimenten gegen verschiedene Schlangengifte, die weltweit zu tausenden Todesfällen jährlich führen.
Von 2000 bis 2018 injizierte sich Friede mehr als 650 Mal selbst mit unterschiedlichen Schlangengiften, darunter von Mambas, Kobras und Klapperschlangen. Diese selbstinduzierten Immunisierungen bauten schrittweise eine natürliche Resistenz auf, vergleichbar mit einem biologischen Schutzschild. Wissenschaftler sehen darin einen seltenen, aber wertvollen Sonderfall der Immunanpassung.
Nun fließt sein Blut – im wörtlichen Sinne – in die Entwicklung eines Antikörperserums, das eines Tages Leben retten könnte. Bisherige Gegengifte sind meist artspezifisch und in vielen Regionen kaum verfügbar. Ein universelles Gegengift wäre daher eine medizinische Revolution – vor allem in ländlichen Gebieten Afrikas, Asiens und Südamerikas, wo viele Menschen an unbehandelten Schlangenbissen sterben.
Tim Friede selbst hat sein Ziel nie aus den Augen verloren. „Ich wollte Leben retten“, sagte er einst in einem Interview. Nun scheint sich sein lebensgefährliches Engagement tatsächlich auszuzahlen. Was als Selbstexperiment eines Außenseiters begann, wird zur Hoffnung der Medizin.