Angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa treibt die Bundeswehr ihre Modernisierung massiv voran. Bis 2028 soll die Truppe voll verteidigungsbereit sein – so das Ziel, das Beschaffungsamts-Präsidentin Annette Lehnigk-Emden jetzt formulierte. Hintergrund ist eine Analyse der Bundeswehr, wonach Russland ab 2029 militärisch in der Lage sein könnte, einen großangelegten Angriff auf Nato-Territorium zu führen.
„2028 muss alles Notwendige beschafft sein“, betonte Lehnigk-Emden mit Blick auf die Ausstattung, Infrastruktur und Einsatzfähigkeit der Truppe. Bereits zuvor hatte Generalinspekteur Carsten Breuer gewarnt, man müsse sich auf „den Ernstfall“ vorbereiten – und zwar nicht irgendwann, sondern „in wenigen Jahren“.
Dienstpflicht für alle? Personallücke rückt in den Fokus
Parallel zur materiellen Aufrüstung nimmt auch die Debatte um den Personalmangel bei der Bundeswehr an Schärfe zu. Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag, fordert angesichts der dünnen Personaldecke die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für Männer und Frauen.
Röwekamp verwies auf die Statistik: Von rund 700.000 Schulabgängern jährlich entscheiden sich weniger als zehn Prozent für einen freiwilligen Dienst, nur etwa 10.000 treten tatsächlich in die Bundeswehr ein. „Wer sein Leben in Freiheit und Wohlstand führen will, kann sich nicht nur auf das Engagement anderer verlassen“, so sein Appell.
Strukturwandel in der Sicherheitsarchitektur
Die Entwicklungen markieren eine Zeitenwende in der deutschen Verteidigungspolitik: Mehr Geld, mehr Material – und womöglich auch mehr gesellschaftliches Engagement. Eine allgemeine Dienstpflicht, wie sie diskutiert wird, könnte nicht nur die Truppe personell stärken, sondern auch soziale und zivile Dienste unterstützen.
Gleichzeitig bleiben rechtliche und gesellschaftliche Fragen offen: Wie lässt sich eine Dienstpflicht mit dem Grundgesetz vereinbaren? Welche Modelle sind umsetzbar? Und wie überzeugt man eine Generation, die mit Wehrpflicht oder Verteidigungsbereitschaft bisher wenig Berührung hatte?
Fazit
2028 ist nicht mehr fern – und für die Bundeswehr ein symbolisches wie operatives Schlüsseljahr. Die sicherheitspolitische Lage erfordert mehr als Technik: Verantwortung, Bereitschaft und gesellschaftlichen Rückhalt. Der Ruf nach einer neuen Kultur der Wehrhaftigkeit hallt laut durch Berlin – ob ihm politische Taten folgen, wird sich bald zeigen müssen.