Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) wartet seit über einem Jahr auf die versprochene Unterstützung von 95 Millionen Euro durch die Bundesregierung zur Sanierung und Erhaltung von Berghütten und Wanderwegen. Die Lage sei laut ÖAV „dringend“ – und wird bei der bevorstehenden Jahreshauptversammlung im Oktober erneut zum Thema.
Klimawandel trifft auf touristischen Ansturm
„Unsere Infrastruktur bröckelt“, warnt ÖAV-Generalsekretär Clemens Matt bei einem Lokalbesuch in Graz. Der Verein betreibt österreichweit 225 Berghütten, fünf davon in der Sektion Graz. Durch den Klimawandel verschärfen sich die Bedingungen in den Alpen, während Bergtourismus boomt und die Nachfrage nach alpinen Angeboten steigt.
Die Sanierungskosten einzelner Hütten liegen teils bei mehreren hunderttausend Euro, jährlich müssen im Schnitt zwei Hütten aufgegeben werden. Ersatzbauten an strategisch wichtigen Punkten sind kostspielig – aber laut Matt notwendig: „Wir wollen keinen Luxus bieten, sondern Orte bewahren, die Menschen mit den einfachen Werten verbinden.“
Ehrenamt am Limit
Die alpine Infrastruktur wird maßgeblich von rund 15.000 Ehrenamtlichen getragen – allein 250 in Graz. Doch auch dieses Engagement hat Grenzen. Christine Goliasch, Leiterin der ÖAV-Geschäftsstelle in Graz, äußert sich besorgt: „Mit künstlichen Einbauten oder unnatürlichen Lösungen weiterzumachen, macht keinen Sinn. Wenn es nur am Geld scheitert, wäre das extrem bitter.“
Petition mit breiter Unterstützung – Politik bleibt vage
Eine Petition zur Rettung der Hütten und Wege wurde bereits im Vorjahr gestartet und hat mittlerweile mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt. Trotzdem fehlt es laut Matt an konkreten politischen Zusagen: „Es wurde wahrgenommen, aber bislang ist nichts passiert. Wir brauchen jetzt endlich Perspektiven und Finanzierung.“
Kritik an der Bundesregierung
Grünen-Tourismussprecherin Barbara Neßler kritisiert, dass die Bundesregierung bei der Förderung alpiner Infrastruktur seit 2013 keine Fortschritte gemacht habe. In einer Aussendung sprach sie von „Realitätsverweigerung“ und mahnte: „Unsere Hütten und Wege sind das Rückgrat des alpinen Tourismus.“ Ohne Unterstützung drohe ein nachhaltiger Schaden für Umwelt, Wirtschaft und Generationengerechtigkeit.
Fazit
Der ÖAV steht vor einer Zukunftsfrage für den alpinen Raum: Ohne eine gesicherte Finanzierung geraten nicht nur Hütten, Wege und Schutzinfrastruktur unter Druck – auch das kulturelle Erbe, der Naturschutz und der verantwortungsvolle Tourismus stehen auf dem Spiel. Der Verein setzt nun auf öffentlichen und politischen Druck, um die versprochenen 95 Millionen Euro endlich zu erhalten.