Der Ärger ist groß, die Schäden teils existenzbedrohend: Mehrere Fußballvereine aus ganz Deutschland werfen dem Reiseanbieter Matchday, Betreiber der Website fussball-trainingslager.de, systematischen Betrug vor. Im Zentrum stehen stornierte Trainingslager in der Türkei, für die teils hohe Summen angezahlt wurden – ohne dass es zu einer Rückerstattung kam. Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) zeichnen ein zunehmend dubioses Bild.
DJK Pasing: 7.000 Euro weg – kein Trainingslager, keine Rückzahlung
Einer der Betroffenen ist der Münchner Jugendverein DJK Pasing. Dessen B-Jugend hatte über Matchday eine Trainingsreise in die Türkei gebucht, 7.000 Euro angezahlt – und wurde kurz vor Abreise durch eine Stornierung überrascht. Jugendleiter Roberto Kuri spricht von einer bewussten Hinhaltetaktik: Telefonische Anweisungen, keine zweite Rate zu überweisen, und dann die plötzliche Absage mit dem Hinweis, es sei zu spät gezahlt worden. Die Rückzahlung? Fehlanzeige.
Matchday weist Betrugsvorwürfe zurück, spricht von nicht eingehaltenen Zahlungsfristen – bleibt jedoch Antworten zu kritischen Fragen, etwa zu internen Abläufen und versprochenen Reisesicherungsscheinen, schuldig.
Weitere Vereine berichten von ähnlichen Erfahrungen
Auch SV Dettingen, TuS Osdorf und die SpVgg Kaufbeuren berichten von kurzfristig abgesagten Trainingslagern – trotz geleisteter Anzahlungen. In Kaufbeuren ging es um 25.000 Euro, ein Viertel des Gesamtjahresbudgets. Vereinsvorstand Tobias Siebert, selbst Anwalt, wollte Matchday 2023 verklagen – die Zustellung der Klage scheiterte jedoch daran, dass die Firma unter ihrer angegebenen Geschäftsadresse nicht auffindbar war.
Die R+V-Versicherung, mit der Matchday zuvor kooperierte, sprang in mehreren Fällen ein und zahlte Beträge über den gesetzlich vorgeschriebenen Reisesicherungsschein zurück – kündigte aber im Juni 2023 die Zusammenarbeit wegen „Insolvenz“ des Veranstalters.
Kein Sicherungsschein mehr, aber neue Buchungen
Brisant: Obwohl der Versicherungspartner abgesprungen ist, vermittelt Matchday weiter Reisen – offenbar ohne gültigen Reisesicherungsschein, wie der Fall DJK Pasing zeigt. Dieser Umstand ist nicht nur gesetzeswidrig, sondern setzt Kunden dem vollen Verlustrisiko aus. Denn wer ohne Sicherungsschein bucht, hat keinen Anspruch auf Erstattung im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Anbieters.
Kein Büro, keine Transparenz – aber weiterhin aktiv
Die im Impressum angegebene Adresse in Illertissen entpuppt sich bei BR-Recherchen als gewöhnliches Wohnhaus ohne erkennbare Geschäftstätigkeit. Trotz dieser Umstände agiert Matchday weiter – buchbar, erreichbar, aber nicht greifbar.
Vereine fordern systematische Aufklärung
Tobias Siebert spricht von einer möglichen „hohen Dunkelziffer“ geschädigter Vereine. Er will den Bayerischen Fußballverband zu einer Umfrage bewegen, um das tatsächliche Ausmaß des Schadens zu erfassen. Denn: Wenn die Masche Schule macht, drohen weiteren Amateurvereinen massive Verluste – auf Kosten des Ehrenamts, der Jugendarbeit und des Vertrauens in seriöse Anbieter.
Fazit: Der Fall Matchday steht exemplarisch für ein alarmierendes Zusammenspiel aus fehlender Regulierung, mangelnder Kontrolle und undurchsichtiger Geschäftspraktiken im Bereich Sportreisen. Besonders tragisch: Betroffen sind vor allem ehrenamtlich organisierte Vereine, die ohnehin mit knappen Budgets arbeiten. Die Politik, Verbraucherschützer und Sportverbände sind nun gefordert, Transparenz herzustellen, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen und künftige Schäden zu verhindern.