Bei einem Angriff auf eine pro-israelische Demonstration im US-amerikanischen Boulder sind am Sonntag zwölf Menschen durch Feuer verletzt worden. Die Polizei geht von einem geplanten Anschlag aus. Der mutmaßliche Täter, ein 45-jähriger Mann namens Mohamed Sabry Soliman, wurde am Tatort festgenommen. Ihm werden unter anderem versuchter Mord, Einsatz von Brandwaffen und ein Bundes-Hassverbrechen zur Last gelegt.
Nach Angaben der Behörden hatte Soliman die Tat offenbar seit über einem Jahr vorbereitet. Er soll mit einem modifizierten Sprühgerät sowie Molotowcocktails bewaffnet auf die wöchentliche Demonstration „Run for Their Lives“ zugegangen sein, die sich für die Freilassung israelischer Geiseln durch die Hamas einsetzt. Während des Angriffs rief er laut Zeugenaussagen „Free Palestine“.
Die Verletzten sind zwischen 52 und 88 Jahre alt. Zwei von ihnen befinden sich weiterhin in einem Krankenhaus in Aurora. Eine der Verletzten ist laut örtlichen Rabbinern eine Holocaust-Überlebende.
Angreifer soll aus Hass gehandelt haben
Wie aus der eidesstattlichen Erklärung einer FBI-Ermittlerin hervorgeht, sagte Soliman nach seiner Festnahme, er habe die Demonstranten angegriffen, weil er „alle Zionisten hasse“ und sie davon abhalten wolle, „unser Land – Palästina – zu übernehmen“. Der gebürtige Ägypter war 2022 mit einem B-2-Touristenvisum in die USA eingereist, das 2023 ablief. Laut Behörden lag ein Asylantrag vor. Der Täter war bislang polizeilich nicht auffällig.
Ermittler fanden in der Nähe des Tatorts 16 unbenutzte Brandflaschen sowie einen mit Benzin gefüllten Sprühtank. Eine Schusswaffe wollte Soliman nach eigenen Angaben ebenfalls beschaffen, erhielt jedoch keine Erlaubnis.
Hassverbrechen-Anklage auf Bundesebene
Die US-Justiz leitete zügig Ermittlungen auf Bundesebene ein. „Solche Gewalt ist besonders gefährlich, wenn sie sich gezielt gegen Menschen wegen ihrer Herkunft oder Religion richtet“, sagte der kommissarische Bundesstaatsanwalt von Colorado, J. Bishop Grewell. Das FBI stuft die Tat als Terroranschlag ein, obwohl derzeit noch keine Terroranklage erhoben wurde.
Die Kaution wurde auf zehn Millionen Dollar festgesetzt. Weitere Anklagepunkte sind in Vorbereitung, da sich nach dem Angriff vier weitere Opfer bei der Polizei meldeten.
Sorge und Solidarität in der jüdischen Gemeinde
Der Anschlag fiel mit dem jüdischen Feiertag Schawuot zusammen und erschütterte die jüdische Gemeinde von Boulder tief. Viele bereiten sich derzeit auf das jährliche jüdische Kulturfestival vor, das am kommenden Wochenende auf dem Pearl Street Mall stattfinden soll.
„Dieser Angriff trifft uns hart – besonders nach dem antisemitischen Anschlag in Washington D.C. vor zwei Wochen“, sagte Linda Foster, Vorsitzende der Organisation Jewish Family Services. „Es ist erschütternd zu erleben, wie viel Hass existiert.“
Der Gouverneur von Colorado, Jared Polis, selbst jüdischer Herkunft, sprach von einer „erschütternden Wiederholung antisemitischer Gewalt“ und betonte: „Hass hat in unserem Colorado keinen Platz – für niemanden.“
Politische Reaktionen und Sicherheitsmaßnahmen
Der Angriff sorgte auch auf Bundesebene für politische Debatten. Ex-Präsident Donald Trump machte die Einwanderungspolitik der Biden-Regierung mitverantwortlich. Soliman sei nur deshalb im Land, weil er trotz abgelaufenem Visum eine Arbeitserlaubnis erhalten habe, sagte Trumps ehemaliger Berater Stephen Miller.
Die Sicherheitsmaßnahmen in Boulder wurden verschärft. Auch private Organisationen wie die Community Security Service (CSS) haben ihre Unterstützung angeboten. CSS bietet jüdischen Gemeinden in den USA kostenfreie Sicherheitstrainings und hat bereits Tausende Menschen in Selbstschutz geschult.
Zunahme antisemitischer Vorfälle in den USA
Laut einem Bericht der Anti-Defamation League stieg die Zahl antisemitischer Vorfälle in den Vereinigten Staaten 2024 im zweiten Jahr in Folge deutlich an. Der Angriff in Boulder reiht sich in eine Serie antisemitischer Gewalttaten ein, die in den vergangenen Monaten das Land erschüttert haben.
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu verurteilte den Angriff scharf. Die Opfer seien „allein deshalb angegriffen worden, weil sie Juden sind“, sagte er. „Solche Taten sind das Ergebnis gezielter Hetze gegen den jüdischen Staat.“
Die Ermittlungen in Boulder dauern an. Das FBI bittet Personen, die Videos oder Bilder vom Vorfall haben, diese auf seiner Webseite hochzuladen.