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Stonewall-Veteranen kritisieren Trumps Versuch, trans Geschichte auszulöschen

geralt (CC0), Pixabay

Über fünf Jahrzehnte nach den legendären Unruhen vor dem Stonewall Inn schlagen Überlebende und Aktivist*innen Alarm: Die Trump-Regierung hat im Februar Hinweise auf trans Personen aus der offiziellen Darstellung des Stonewall National Monuments entfernt. Damit, so sagen sie, wird ein essenzielles Kapitel der LGBTQ+-Bewegung systematisch unsichtbar gemacht – ein Akt gezielter Geschichtsverdrängung.

Trans Menschen am Ursprung der Bewegung

Am frühen Morgen des 28. Juni 1969 setzten sich Gäste der New Yorker Bar Stonewall – darunter viele trans Frauen, Dragqueens, Lesben und schwule Männer – erstmals organisiert gegen eine brutale Polizeirazzia zur Wehr. In den folgenden sechs Tagen kam es zu massiven Protesten, die heute als Startpunkt der modernen LGBTQ+-Bewegung gelten.

Viele, die damals dabei waren, erinnern sich mit emotionaler Klarheit. So berichtet Martin Boyce, ein Zeitzeuge, wie eine mit Strass besetzte High Heel gegen einen Polizisten flog, was eine Kette gewaltsamer Auseinandersetzungen auslöste. Für viele war es ein Befreiungsschlag nach Jahren staatlicher Gewalt, Schikane und Kriminalisierung.

Die damaligen Proteste mündeten später in die ersten Pride-Paraden und in die Gründung zahlreicher LGBTQ+-Organisationen. Präsident Barack Obama ehrte die Bedeutung dieses Ortes 2016, indem er das Stonewall-Gebäude und die angrenzenden Straßen zum National Monument erklärte – als Zeichen gegen das Vergessen.

„Wir wurden einfach ausgelöscht“

Doch nun wurde ausgerechnet die Rolle trans Menschen, die eine zentrale Rolle bei den Unruhen spielten, von der Website des National Park Service gestrichen – eine Entscheidung, die direkt auf Trumps neue Politik zur Beschränkung von Geschlechtervielfalt zurückgeht. Diese sieht vor, dass staatliche Einrichtungen künftig nur noch zwei Geschlechter (männlich/weiblich) anerkennen dürfen.

„Das ist einfach falsch“, sagt Miss Major Griffin-Gracy, eine trans Frau, die 1969 bei Stonewall dabei war. „Wir waren da, wir haben gekämpft, wir haben gelitten – und jetzt will man uns ausradieren.“

Auch der LGBTQ+-Aktivist Mark Segal, der sich ebenfalls unter den Widerstandskämpfer*innen befand, ist empört: „Ich bin ein Zeuge der Geschichte. Ich werde nicht zulassen, dass man sie zensiert. Wenn eine Regierung beginnt, Menschen aus der Geschichte zu löschen, wird es gefährlich.“

Symbolische Orte, reale Angriffe

Die Kritik an der Tilgung trans Geschichte kommt zu einem Zeitpunkt wachsender Anfeindungen gegen die Community. Laut der Human Rights Campaign wurden 2023 in den USA über 2.800 Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Menschen dokumentiert – fast 550 davon gegen trans Personen. 2024 wurden über 500 anti-LGBTQ+-Gesetze in US-Bundesstaaten eingebracht, über 40 wurden bereits verabschiedet, viele davon gezielt gegen trans Jugendliche.

Stacy Lentz, Mitinhaberin des Stonewall Inn, betont, dass gerade trans Menschen nach den Unruhen oft die lautesten Stimmen der Bewegung waren, während andere sich aus Angst zurückzogen. „Sie hatten nichts zu verlieren – also haben sie alles gegeben.“

Die Bedeutung von Erinnerung

Stonewall ist heute der einzige US-Nationalpark, der explizit LGBTQ+-Geschichte würdigt. Für viele ist er ein heiliger Ort der Befreiung, des Muts und der Sichtbarkeit. Fredd „Tree“ Sequoia, heute 86 Jahre alt und einer der Veteranen, sagt: „Das ist das Zuhause aller, die queer sind. Auch in Ländern, wo Homosexualität verboten ist, kennt man Stonewall.“

„Wir werden wieder kämpfen“

Für Aktivist*innen wie Segal ist klar: Die Geschichte von Stonewall muss vollständig erzählt werden – mit allen Beteiligten. „Wir haben damals zurückgeschlagen – und wir werden es auch heute wieder tun.“

Die Entscheidung der Trump-Regierung zeigt, wie schnell Errungenschaften der Gleichstellung untergraben werden können. Doch genau deshalb erinnern die Überlebenden daran, dass jede Bewegung mit Mut beginnt – und dass Geschichte nur lebt, wenn wir sie erzählen.

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