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Österreich: Still und schwer – Ukrainische Waisenkinder aus dem Burgenland in ihre Heimat zurückgebracht

inspire-studio (CC0), Pixabay

Neudauberg (Bezirk Güssing) – In aller Stille und begleitet von großer emotionaler Betroffenheit hat sich in der Nacht auf Sonntag ein Kapitel humanitärer Fürsorge im Südburgenland geschlossen: 52 ukrainische Waisen- und Pflegekinder, die seit drei Jahren in einem ehemaligen Hotel in Neudauberg untergebracht waren, sind in ihre Heimat in der Ukraine zurückgebracht worden. Die Rückführung wurde von ukrainischen Behörden initiiert und trotz massiver Kritik durchgeführt.

Obwohl die Abfahrt ursprünglich für 3 Uhr morgens vorgesehen war, verließen die ersten Busse bereits gegen 2 Uhr das Gelände – offenbar, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit so gering wie möglich zu halten. Die Kinder, im Alter von drei bis neun Jahren, stammen aus einem Waisenhaus in Kropywnyzkyj und waren kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs nach Österreich evakuiert worden.

Emotionaler Abschied – gesicherte Zukunft ungewiss

Die Entscheidung zur Rückführung stieß im Burgenland und weit darüber hinaus auf Unverständnis und Kritik. Johannes Wallner, Leiter der Herberge in Neudauberg, zeigte sich tief betroffen: „Die Kinder kommen jetzt von einer gesicherten Umgebung in eine vollkommen unsichere Heimat und in eine unsichere Zukunft.“ Auch Bürgermeister Wolfgang Eder (ÖVP) nannte den Zeitpunkt „sehr fragwürdig“ und kritisierte, dass es keinerlei rechtliche Möglichkeit gebe, die Rückkehr zu verhindern.

Trotz aller Bedenken wurde der Rücktransport durchgesetzt – vorangetrieben vom ukrainischen Heimleiter Petru Petuch, der betonte, dass zehn der Kinder bereits Pflege- oder Adoptivfamilien in der Ukraine gefunden hätten. Nur in diesem jungen Alter hätten die Kinder realistische Chancen auf familiäre Strukturen. Danach drohe vielen lediglich die Unterbringung in Internaten. Die geflüchtete Juristin Veronika Gordieichyk, die drei Jahre lang in Neudauberg geholfen hatte, unterstützte diese Sichtweise mit den Worten: „Kinder brauchen eine Familie – sie können nicht für immer ohne Eltern bleiben.“ Dennoch erklärte sie auch, selbst nicht in die Ukraine zurückzukehren, da es für sie als Mutter dort zu gefährlich sei.

Appelle an die ukrainische Botschaft blieben unbeantwortet

Auch das Land Burgenland versuchte bis zuletzt, die Entscheidung rückgängig zu machen. Noch am Freitag wurde ein dringender Brief an die ukrainische Botschaft, das Außenministerium und das Bundeskanzleramt geschickt, mit der Bitte, die Rückführung angesichts der prekären Sicherheitslage zu überdenken. Die Bitte blieb jedoch ohne Erfolg. Auch Honorarkonsul Friedrich Unger zeigte sich machtlos: „Wir können hier nichts tun – das ist unser Problem.“

Trauriger Abschied aus einer neuen Heimat

Drei Jahre lang lebten die Kinder in Neudauberg, gingen dort zur Schule und in den Kindergarten, bauten Vertrauen auf, gewannen neue Bezugspersonen und Sicherheit in einem fremden Land. Der nächtliche Abschied war daher mehr als nur ein logistisch-organisierter Transport – er war für viele Beteiligte ein Bruch, ein Zurücklassen, das Fragen offenlässt: Nach Sicherheit, nach Kindeswohl, nach Verantwortung.

Was bleibt, ist die Sorge – um das Schicksal dieser Kinder in einem vom Krieg erschütterten Land. Und ein Gefühl der Ohnmacht bei all jenen, die sich drei Jahre lang bemüht haben, ihnen eine neue Heimat zu geben.

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