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Schweizer Solarfirma Meyer Burger stellt Produktion in den USA ein – Kündigungen für alle Beschäftigten in Arizona

jhenning (CC0), Pixabay

Der Schweizer Solartechnikkonzern Meyer Burger Technology AG hat seine Produktionsstätte im US-amerikanischen Goodyear, Arizona, überraschend geschlossen. Die Entscheidung bedeutet nicht nur das vorläufige Ende der US-Fertigung, sondern auch einen tiefen Einschnitt in die strategische Ausrichtung des angeschlagenen Unternehmens. Alle 282 Mitarbeitenden am Standort in Arizona wurden entlassen.

Keine Mittel mehr für Weiterbetrieb – Rückzug aus dem US-Markt

In einer offiziellen Mitteilung begründet Meyer Burger den Schritt mit einem akuten Mangel an finanziellen Ressourcen. Es fehle schlichtweg das Geld, um die Produktion in Goodyear aufrechtzuerhalten. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen hätten sich durch eine Kombination aus nicht eingetretenen Förderzusagen, schleppenden Marktbedingungen und Liquiditätsengpässen derart verschärft, dass ein Weiterbetrieb nicht mehr tragbar sei.

Der Produktionsstandort in Arizona wurde erst im Jahr 2021 eröffnet – als Teil eines ambitionierten Plans, die Präsenz in Nordamerika deutlich auszubauen. Der Standort war auf die Fertigung hocheffizienter Solarmodule auf Basis der proprietären Heterojunction-Technologie (HJT) ausgelegt und sollte eine zentrale Rolle in der Versorgung des wachsenden US-Solarmarkts spielen. Nach weniger als vier Jahren folgt nun die vollständige Stilllegung.

Entlassungen und wirtschaftlicher Rückschlag

Für die Beschäftigten in Goodyear kommt der Schritt einem Schock gleich. Laut Unternehmensangaben seien sämtliche Arbeitsverhältnisse gekündigt worden. Ob es Auffanglösungen oder staatliche Hilfen für die Betroffenen gibt, ist derzeit nicht bekannt.

Das Aus der US-Produktion bedeutet einen erheblichen strategischen und finanziellen Rückschlag für Meyer Burger. Der Konzern hatte auf Förderzusagen im Rahmen des US-amerikanischen Inflation Reduction Act (IRA) gehofft, doch viele Mittel flossen entweder langsamer als geplant oder wurden nicht bewilligt. Die Konkurrenz aus China – mit günstigeren Produktionskosten und massiven staatlichen Subventionen – verstärkte zusätzlich den Druck.

Auch deutsche Produktion in der Krise: Kurzarbeit in Thalheim

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland ist Meyer Burger von der Krise betroffen. Am Produktionsstandort Thalheim im sachsen-anhaltischen Bitterfeld-Wolfen gilt seit Mai 2025 für etwa 300 Mitarbeitende Kurzarbeit. Die Maßnahme sei notwendig geworden, um auf die stagnierende Nachfrage und die finanzielle Unsicherheit zu reagieren, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Der Standort Thalheim ist einer der wichtigsten Fertigungskomplexe von Meyer Burger in Europa und gilt als Schlüsselpunkt für die angestrebte europäische Solarproduktion. Die aktuelle Entwicklung stellt jedoch auch dieses Vorhaben zunehmend infrage.

Ein symptomatisches Beispiel für die Krise der Solarbranche

Der Fall Meyer Burger ist kein Einzelfall. Die globale Solarbranche steckt in einer tiefgreifenden Umbruchphase. Während die Nachfrage nach Photovoltaik langfristig als sicher gilt, leiden viele Produzenten derzeit unter extremen Preisverfall bei Solarmodulen, Überkapazitäten auf dem Weltmarkt und unzureichender politischer Unterstützung in ihren Heimatländern.

Gerade europäische Unternehmen geraten zunehmend ins Hintertreffen, weil sie nicht mit den staatlich subventionierten Preisen asiatischer Wettbewerber mithalten können. Das betrifft sowohl Zell- und Modulhersteller als auch Maschinen- und Technologielieferanten.

Zukunft von Meyer Burger ungewiss

Meyer Burger hatte zuletzt verschiedene Optionen ausgelotet, um seine finanzielle Lage zu stabilisieren – darunter Kostensenkungsprogramme, Verhandlungen mit Investoren, sowie staatliche Unterstützung. Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, das Unternehmen über die aktuelle Krise hinweg zu retten, ist offen.

Der Rückzug aus dem US-Markt bedeutet jedenfalls einen klaren Rückschritt für die Wachstumsstrategie. Analysten sehen das Unternehmen nun in einer entscheidenden Phase: Entweder gelingt eine Neupositionierung auf dem europäischen Markt, eventuell mit staatlicher Unterstützung – oder es droht ein langsamer Rückzug vom Wettbewerb.

Fazit

Die Schließung des US-Werks und die Kurzarbeit in Deutschland zeigen, wie fragil die wirtschaftliche Lage von Solarherstellern trotz globaler Energiewende bleibt. Der Fall Meyer Burger steht stellvertretend für die zentrale Herausforderung der Branche: Wie kann eine wettbewerbsfähige, eigenständige Solarindustrie in Europa entstehen, wenn gleichzeitig internationale Wettbewerber durch massive Subventionen gestützt werden? Ohne politische Flankierung könnten weitere Unternehmen folgen – mit weitreichenden Folgen für Arbeitsplätze, Technologiekompetenz und Klimaziele.

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