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Pflege in der Krise: Fast die Hälfte der US-Bundesstaaten steht kurz vor dem Kollaps

bingngu93 (CC0), Pixabay

In den USA droht eine stille Katastrophe: Immer mehr Menschen übernehmen die Pflege von Angehörigen – und stoßen dabei an ihre Belastungsgrenze. Eine aktuelle Studie der Columbia University warnt, dass fast die Hälfte aller US-Bundesstaaten kurz vor einem Pflegenotstand steht. Besonders betroffen ist der Süden der Vereinigten Staaten.

💡 Was ist das Problem?

Pflegende Angehörige – wie z. B. Kinder, Partner oder Geschwister – übernehmen häufig unbezahlt die Betreuung ihrer Familienmitglieder. Diese Aufgabe ist zeitintensiv, emotional belastend und bringt viele an ihre sozialen und finanziellen Grenzen. Staatliche Unterstützung fehlt oft oder ist nur schwer zugänglich.

Ein Beispiel ist Aisha Adkins aus Georgia. Sie pflegte erst ihre an Demenz erkrankte Mutter über Jahre hinweg – und heute kümmert sie sich um ihren Vater, der an vaskulärer Demenz leidet. Dabei verlor sie ihre eigene Krankenversicherung, verzichtete auf einen Beruf und isolierte sich sozial.

„Pflege ist eine Vollzeitverantwortung – viele Menschen verstehen nicht, was das wirklich bedeutet“, sagt Adkins.

📊 Die Studie im Überblick

Die Studie analysierte unter anderem:

  • Zahl der verfügbaren Pflegeheimplätze

  • Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung

  • Zahl bezahlter Pflegekräfte

  • Anteil der Haushalte, die mehr als 30 % ihres Einkommens für Wohnen ausgeben

  • AARP-Rankings zur Langzeitpflege

  • Zahl der Menschen mit Demenz

Kritisch eingestufte Bundesstaaten (mit akutem Handlungsbedarf):

  • Alabama

  • Arkansas

  • Florida

  • Georgia

  • Louisiana

  • Nevada

  • South Carolina

  • Tennessee

🛑 Mangelnde Pflegeinfrastruktur

Viele dieser Bundesstaaten haben es zudem versäumt, Medicaid – das US-Programm für Bedürftige – auszuweiten, obwohl es eine zentrale Rolle in der häuslichen Pflege spielt. Medicaid finanziert:

  • Pflegehilfen zu Hause

  • Entlastungsangebote für Angehörige

  • Teilweise auch Bezahlung von Familienmitgliedern als Pflegepersonen

Der Mangel an Pflegepersonal verschärft die Situation zusätzlich. In Georgia gibt es laut Studie eine der größten Lücken bei häuslichen Pflegekräften im ganzen Land.


🧠 Fokus: Demenzpflege

Die Zahl der Demenz-Erkrankungen steigt, und mit ihr auch der Druck auf Familien. Einige Bundesstaaten wie South Carolina oder Alabama haben inzwischen spezielle Demenzpflege-Programme und Pflegestützpunkte eingerichtet – doch die Kapazitäten reichen oft nicht aus. Viele Angehörige fühlen sich allein gelassen.


💬 Stimmen aus der Praxis

„Wir verlangen immer mehr von Familien, ohne ihnen ausreichend Unterstützung oder Entlastung zu bieten“, warnt Gesundheitsforscher John McHugh.
„Ohne Medicaid-Reform und Investitionen in Pflegeangebote steuern wir auf eine umfassende Pflegekrise zu.“

📱 Hoffnung aus der Community

Aisha Adkins gründete auf Instagram die Plattform Caregivers of Color Collective, um Betroffene zu vernetzen, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen und Zugang zu Informationen zu verbessern. Doch private Netzwerke können die Aufgaben eines funktionierenden Sozialsystems nicht ersetzen.

🔮 Wie sieht die Zukunft der Pflege aus?

Adkins sorgt sich um ihren Vater – und darum, wie Pflege künftig überhaupt noch leistbar sein soll:

„Ich weiß nicht, ob ich ihn in ein Pflegeheim geben kann. Ich frage mich, ob er dort sicher wäre. Ich hadere jeden Tag mit dieser Entscheidung.“

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