In den USA sind historische Holzkarussells auf dem Rückzug. Von einst rund 3.500 kunstvoll geschnitzten Karussells, die zwischen 1880 und 1930 gebaut wurden, sind heute nur noch etwa 150 erhalten – und nur wenige davon funktionieren noch. Nun kämpfen Enthusiasten, Handwerker und Gemeinden darum, diese einzigartigen Zeitzeugen lebendig zu halten.
Historische Schätze, die man noch erleben kann
Ein Beispiel ist das Karussell am Washington National Cathedral, das jedes Jahr nur an zwei Tagen in Betrieb ist. Für Besucher wie die neunjährige Esme Ohlsen ist es ein magisches Erlebnis – auch wenn sie nicht weiß, wie selten solche Fahrgeschäfte heute sind. Patrick Wentzel von der National Carousel Association sagt: „Das sind die einzigen Antiquitäten, auf denen man reiten darf.“
Vom Massenphänomen zur Rarität
Karussells erlebten ihre Blütezeit in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. In kleinen Werkstätten schnitzten Handwerker Pferde und Fantasietiere, meist aus Holz. Mit dem Einbruch der Wirtschaft durch den Krieg und die spätere Weltwirtschaftskrise ging die Nachfrage stark zurück. Ab den 1970er-Jahren begann ein trauriger Ausverkauf: Einzelne Tiere erzielten auf Auktionen bis zu 40.000 Dollar – viele Karussells wurden deshalb für den Profit zerschlagen.
Rettung durch Idealismus
Heute setzen sich gemeinnützige Organisationen, Städte und Liebhaber für den Erhalt der verbliebenen Karussells ein – obwohl die Pflege teuer ist. Allein die Restaurierung eines einzelnen Tiers kann bis zu 8.000 Dollar kosten. In New Philadelphia, Ohio, wurde ein 1928 gebautes Karussell liebevoll renoviert. Für viele Bewohner hat es symbolischen Wert: Es ist Teil ihrer Familiengeschichte.
Handwerkskunst mit Zukunft
Firmen wie Carousels and Carvings in Ohio widmen sich professionell der Restaurierung historischer Karussells. Gründer Todd Goings, auch bekannt als „der Karussell-Doktor“, hat sich dem Erhalt dieser Kunst verschrieben – und bildet inzwischen die nächste Generation von Holzschnitzern aus. Dank neuer Lehrlinge und wachsender Nachfrage blickt er heute wieder optimistisch in die Zukunft.
Ein Ort der Erinnerung und der Freude
Karussells sind mehr als nostalgische Spielgeräte. Für Menschen wie Katherine Wardlaw, deren Enkelin mit Behinderung die Fahrten liebte, sind sie Erinnerungsorte. „Es war eines der wenigen Dinge, das ihr Freude brachte“, sagt sie. Auch für viele Erwachsene bleiben sie ein Stück Kindheit.
Das Fazit
Obwohl der Erhalt historischer Karussells finanziell kaum rentabel ist, sind sie für viele ein Stück lebendige Geschichte. Sie verbinden Generationen, erzählen Geschichten – und bringen Menschen zum Lächeln. Oder wie ein Restaurator sagt: „Es wirkt sinnlos – Tiere im Kreis. Aber wenn das Licht angeht und die Musik spielt, entsteht etwas Magisches.“