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Interview mit Rechtsanwalt Reime zur geplanten Dividendennachbesserung bei der NOWEDA Arzneimittel AG

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

Frage: Herr Reime, die NOWEDA Arzneimittel AG hat ihre Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen, um den bereits im Februar gefassten Gewinnverwendungsbeschluss rückwirkend zu ändern. Was steckt hinter diesem Vorgang?

Reime: Die Einladung zeigt, dass der Vorstand gemeinsam mit dem Aufsichtsrat eine nachträgliche Erhöhung der Dividende für das Geschäftsjahr 2023/2024 vorschlägt. Statt wie ursprünglich beschlossen 302.023,66 Euro sollen nun insgesamt rund 4 Millionen Euro an Bardividende ausgeschüttet werden. Das ist eine deutliche Nachbesserung zugunsten der Aktionäre. Der Anlass ist nicht näher beschrieben, aber solche Schritte beruhen in der Regel auf internen Bewertungen, etwa einer verbesserten Liquidität oder einer Neubewertung der künftigen Investitionsbedarfe.

Frage: Was bedeutet das konkret für die Anleger?

Reime: Für die Aktionäre ist das grundsätzlich eine positive Nachricht – sie bekommen eine deutlich höhere Ausschüttung. Allerdings wird der Gewinnvortrag entsprechend reduziert. Wer langfristig denkt, könnte hinterfragen, ob diese Mittel nicht besser im Unternehmen verbleiben sollten. Kurzfristig verbessert sich aber die Rendite der Aktie.

Frage: Ist eine solche nachträgliche Änderung überhaupt zulässig?

Reime: Ja, das ist rechtlich zulässig. Der ursprüngliche Gewinnverwendungsbeschluss kann durch eine neue Hauptversammlung geändert oder ersetzt werden, solange die Dividende noch nicht vollständig ausgezahlt wurde und die gesetzlichen Vorschriften – insbesondere zur Kapitalerhaltung – eingehalten werden. Die Gesellschaft muss lediglich erneut ordnungsgemäß zur Hauptversammlung einladen und die neuen Beschlussvorschläge zur Abstimmung stellen, was hier offenbar erfolgt ist.

Frage: Warum könnte eine solche Änderung mitten im Jahr notwendig oder strategisch sinnvoll sein?

Reime: Mögliche Gründe sind ein verbesserter Liquiditätsstatus, ein Wunsch nach höherer Ausschüttung seitens größerer Anteilseigner – wie z. B. der Apothekergenossenschaft – oder auch eine politische Entscheidung innerhalb des Unternehmens, Mittel stärker an die Eigentümer zurückzuführen. In Genossenschafts-nahen Strukturen wie bei NOWEDA kann auch der genossenschaftliche Gedanke der Kapitalrückführung eine Rolle spielen.

Frage: Gibt es Risiken oder Punkte, bei denen Aktionäre besonders aufmerksam sein sollten?

Reime: Ja, Aktionäre sollten sich bewusst machen, dass ein höherer Ausschüttungsbetrag auch bedeutet, dass weniger Mittel im Unternehmen für Investitionen, Rücklagen oder Krisenvorsorge verbleiben. Außerdem kann eine solche Änderung ein Zeichen dafür sein, dass es interne Meinungsverschiedenheiten gab oder wirtschaftliche Ziele neu bewertet wurden. Wer langfristig investiert ist, sollte prüfen, ob die Substanz des Unternehmens durch diese Ausschüttung gefährdet wird – was ich hier aktuell aber nicht sehe.

Frage: Gibt es Fristen oder Formalien, die Anleger beachten müssen?

Reime: Ja, die Aktien müssen spätestens drei Tage vor der Hauptversammlung zur Teilnahme angemeldet werden, und nur eingetragene Aktionäre oder ihre schriftlich Bevollmächtigten sind stimmberechtigt. Wer von seinem Stimmrecht Gebrauch machen oder eine Dividendennachbesserung kritisch begleiten will, sollte unbedingt fristgerecht handeln.

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