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„Ich bitte nicht um Milde“ – Ex-Arzt gesteht 299 Missbrauchsfälle in Frankreich

BGH | © WilliamCho / Pixabay

Ein Prozess, der Frankreich erschüttert: Vor dem Strafgericht im westfranzösischen Vannes steht Joel Le Scouarnec, ein früherer Chirurg, der des sexuellen Missbrauchs an 299 Patientinnen und Patienten beschuldigt wird – zumeist Minderjährige. Zum Ende des Prozesses, der seit Februar andauert, gestand der 74-Jährige die Taten pauschal und richtete sich mit verstörender Klarheit an das Gericht: „Ich bitte nicht um Milde, aber gewähren Sie mir das Recht, mich zu bessern.“

Die Staatsanwaltschaft fordert für Le Scouarnec die Höchststrafe: 20 Jahre Haft, ergänzt durch eine anschließende Sicherungsverwahrung – mit kaum einer Aussicht auf Hafterleichterung. Die Anklage deutete zudem an, dass weitere Verfahren folgen könnten. Noch immer sind nicht alle Opfer des Mannes identifiziert.

Die Taten, die zwischen 1989 und 2014 begangen wurden, reichen an das Dunkelste, was das französische Justizsystem je verhandeln musste: 111 Vergewaltigungen, 189 sexuelle Übergriffe. Die meisten Opfer waren Kinder – im Durchschnitt gerade einmal elf Jahre alt. Le Scouarnec führte viele dieser Übergriffe unter dem Deckmantel medizinischer Untersuchungen durch, teils während die Kinder narkotisiert waren. Entlarvend: In akribisch geführten Tagebüchern hielt er seine Taten fest.

Trotz eines früheren Urteils im Jahr 2004 wegen des Besitzes von Kinderpornografie – das mit einer Bewährungsstrafe endete – setzte der Täter seine Karriere unbehelligt fort. Er arbeitete über Jahrzehnte hinweg in mehreren Krankenhäusern Westfrankreichs, oft in verantwortungsvollen Positionen. Die Systemversagen, die seine Taten ermöglichten, werfen nicht nur Fragen an die Justiz, sondern auch an das französische Gesundheitswesen auf.

Das Urteil gegen Le Scouarnec soll am kommenden Mittwoch verkündet werden. Für viele Betroffene wird es ein erster Schritt auf einem langen Weg der Aufarbeitung sein.

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