Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich offen gezeigt für die Einführung eines verpflichtenden Wehrdienstes in Deutschland. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte der Minister, dass die Bundesregierung derzeit auf Freiwilligkeit setze – schloss jedoch eine spätere Verpflichtung ausdrücklich nicht aus.
„Und wenn der Zeitpunkt kommen sollte, an dem wir mehr Kapazitäten zur Verfügung haben als freiwillige Meldungen, dann wird gegebenenfalls entschieden werden, dass wir verpflichtend einziehen“, sagte Pistorius. Ziel sei es, die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten bis 2031 auf über 200.000 zu erhöhen – plus einer leistungsfähigen Reserve.
Der Vorstoß des Ministers fällt in eine Zeit wachsender sicherheitspolitischer Spannungen in Europa. Angesichts der veränderten geopolitischen Lage, insbesondere durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, erlebt die Diskussion um eine stärkere Verteidigungsbereitschaft in Deutschland neuen Auftrieb.
Die Reaktivierung oder Reform der Wehrpflicht war zuletzt in politischen und gesellschaftlichen Debatten häufiger thematisiert worden – auch im Zusammenhang mit der Frage, wie die Bundeswehr personell gestärkt werden kann. Pistorius betonte, dass ein verpflichtender Dienst kein kurzfristiges Ziel, aber auch kein Tabu sei.
Ob ein solcher Schritt politisch und gesellschaftlich durchsetzbar ist, bleibt abzuwarten – ebenso wie mögliche Modelle einer allgemeinen Dienstpflicht, die neben dem Militär auch soziale Dienste umfassen könnten. Klar ist: Die Diskussion über die Wehrbereitschaft Deutschlands dürfte damit neuen Schwung bekommen.