Frühling in Schleswig-Holstein – das bedeutet nicht nur blühende Wiesen und milde Temperaturen, sondern auch die stille Ankunft einer besonders schutzbedürftigen Generation: Fuchswelpen, die ohne ihre Eltern aufgefunden werden. Viele von ihnen finden Zuflucht im Wildtier- und Artenschutzzentrum Klein Offenseth-Sparrieshoop im Kreis Pinneberg – unter der Obhut von Christian Erdmann und seinem engagierten Team.
Im kleinen Gehege des Zentrums wuselt es derzeit: Elf junge Füchse tappen neugierig durch das frische Gras, ihre Bewegungen noch tapsig, ihre Augen groß vor Entdeckungslust – und Unsicherheit. Denn ihre Geschichten teilen ein trauriges Muster: Ihre Eltern wurden erschossen oder bei der Nahrungssuche überfahren. Ohne menschliche Hilfe hätten sie kaum eine Überlebenschance gehabt.
„Das ist im Frühjahr leider völlig normal“, sagt Erdmann. In dieser Zeit häufen sich die Notrufe von Spaziergängern, die verwaiste Jungfüchse entdecken – oft sitzend an der Seite ihrer toten Mutter. Doch so niedlich die kleinen Räuber wirken mögen, ihr Weg zurück in die Freiheit ist ein Balanceakt zwischen Pflege und Distanz.
Zunächst dürfen die Tiere noch menschliche Nähe erleben – sie brauchen Wärme, Nahrung und Sicherheit. Doch spätestens nach zwei Wochen beginnt die Vorbereitung auf die Auswilderung: Die Jungfüchse ziehen dann in ein größeres Gehege um, menschlicher Kontakt wird auf ein Minimum reduziert. Trommeln und andere Geräusche sollen sie lehren, dem Menschen aus dem Weg zu gehen. Denn wer zu zahm ist, hat in der Wildnis kaum Überlebenschancen.
Ein besonderer Begleiter unterstützt die Kleinen auf ihrem Weg: Ein ausgewachsener Fuchs, selbst einst Opfer falscher Tierliebe. Von Privatpersonen großgezogen, ist er heute zu sehr an den Menschen gewöhnt, um jemals ausgewildert zu werden. Nun soll er den Waisen als eine Art Ersatzvater dienen – bis auch sie im Spätsommer wieder in Freiheit entlassen werden.
Der Speiseplan ist artgerecht und deftig: Tauben, Küken und Rinderknochen stehen auf dem Menü – eine Einstimmung auf das Leben als selbstständiger Räuber in der Natur.
Christian Erdmann appelliert gleichzeitig an die Politik: Ein generelles Abschussverbot für Füchse sei längst überfällig. „Wir nehmen den Tieren die Eltern – und wundern uns, wenn die Jungen allein und hilflos in der Landschaft zurückbleiben.“
Bis dahin bleibt das Zentrum eine rettende Kinderstube – und ein Ort, an dem Tierliebe mit Fachwissen und Respekt vor der Wildnis Hand in Hand geht.