Dark Mode Light Mode
Messerangriff am Yppenplatz: 24-Jähriger verletzt – Täter weiter auf der Flucht
Sozial ungleich gesund: Studie zeigt, dass ärmere Menschen häufiger falsche Medikamente erhalten – selbst im dänischen Gesundheitssystem
Letzte Liebeserklärung: Posthumes Soloalbum von AnNa R. erscheint im September

Sozial ungleich gesund: Studie zeigt, dass ärmere Menschen häufiger falsche Medikamente erhalten – selbst im dänischen Gesundheitssystem

Pexels (CC0), Pixabay

Eine neue dänische Studie legt offen, was viele längst vermutet haben: Armut macht krank – und sie macht die Behandlung riskanter. Selbst in einem Land wie Dänemark, das für sein kostenloses, universelles Gesundheitssystem bekannt ist, erhalten ärmere Menschen deutlich häufiger falsche oder unangemessene Medikamente als wohlhabendere Bürgerinnen und Bürger. Das zeigt eine umfassende Untersuchung der Universität Aarhus.

Im Zentrum der Studie stand das Konzept der sogenannten „potenziell unangemessenen Medikation“ (PIM) – etwa zu viele Medikamente auf einmal, unpassende Wirkstoffe mit übermäßigen Nebenwirkungen oder die fehlende Anpassung der Dosierung an Alter, Gesundheitszustand oder andere eingenommene Arzneien.

15 Prozent betroffen – vor allem die Ärmsten

Die Forscherinnen und Forscher werteten die Gesundheitsdaten von rund 180.000 erwachsenen Dänen aus und verknüpften sie mit sozioökonomischen Daten. Das Ergebnis: 14,7 Prozent der Patientinnen und Patienten erhielten im Krankheitsfall eine oder mehrere unangemessene Medikationen. Besonders alarmierend: Menschen mit niedrigem Einkommen hatten ein 85 Prozent höheres Risiko dafür als Reiche – trotz formell gleichen Zugangs zur Gesundheitsversorgung.

Die meisten Fehler lagen in einer Unterversorgung: Rund 12,5 Prozent der Betroffenen erhielten nicht ausreichend Medikamente oder eine zu geringe Dosierung. In 3,1 Prozent der Fälle wurden Patientinnen und Patienten überversorgt – etwa durch überhöhte Dosen oder unnötige Kombinationspräparate.

Bildungsniveau und soziale Isolation als Risikofaktoren

Auch geringes Bildungsniveau, ein kleineres soziales Netzwerk und Migrationshintergrund trugen laut der Studie signifikant zum Risiko bei, falsch behandelt zu werden. Selbst wenn der gesundheitliche Zustand gleich war, blieb diese Ungleichheit bestehen. Studienleiterin Amanda Paust betont: „Das zeigt, dass ein universelles System nicht automatisch Gleichheit in der Gesundheitsversorgung schafft.“

Hausärzt:innen als Schlüssel zu mehr Gerechtigkeit

Eine zentrale Rolle spielen nach Ansicht der Forscher die Hausärztinnen und Hausärzte: Sie verschreiben die meisten Medikamente – und können durch bessere Kommunikation, kontinuierliche Betreuung und ausreichend Zeit im Gespräch maßgeblich zur gerechteren Versorgung beitragen.

Die Studie ist ein Weckruf – nicht nur für Dänemark. Auch Länder mit gut ausgebauten Gesundheitssystemen müssen sich fragen, ob Chancengleichheit auf dem Papier wirklich gerechte Versorgung in der Praxis bedeutet. Denn wie die Studie zeigt: Gleichbehandlung beginnt nicht mit gleichen Rezepten, sondern mit einem offenen Ohr.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Messerangriff am Yppenplatz: 24-Jähriger verletzt – Täter weiter auf der Flucht

Next Post

Letzte Liebeserklärung: Posthumes Soloalbum von AnNa R. erscheint im September