Wer länger lebt, muss besser vorsorgen – doch viele Menschen kalkulieren ihre Lebenserwartung falsch. Und das geschlechtsspezifisch höchst unterschiedlich, wie eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt. Während Männer im Alter von 40 bis 49 Jahren ihre Lebensdauer im Schnitt um 1,2 Jahre zu hoch einschätzen, gehen gleichaltrige Frauen von durchschnittlich 3,3 Jahren weniger aus, als sie statistisch voraussichtlich leben werden.
Altersvorsorge in der Wahrnehmungsfalle
Diese Fehleinschätzung bleibt nicht folgenlos: Wer glaubt, früher zu sterben, investiert häufig zu wenig in seine Altersvorsorge, warnt Studienautorin Anna Reuter. Besonders betroffen: Frauen – die laut Statistik ohnehin länger leben, aber häufiger in Teilzeit arbeiten und geringere Rentenansprüche haben. Wird dann auch noch die eigene Lebenszeit unterschätzt, droht Altersarmut in der späten Lebensphase.
Selbstbild und Realität klaffen auseinander
Woran liegt die verzerrte Wahrnehmung? Männer neigen laut Forschenden tendenziell zu Überoptimismus, während Frauen eher zurückhaltend und realitätsnah – oder gar zu pessimistisch – einschätzen, wie lange sie leben werden. Ein paradoxes Ergebnis, denn ausgerechnet Frauen leben im Schnitt rund fünf Jahre länger als Männer.
Finanzielle Bildung und Beratung gefragt
Die Studienautorinnen und -autoren sehen dringenden Handlungsbedarf: Altersvorsorge müsse frühzeitig, realistisch und geschlechtersensibel geplant werden. Finanzbildung und Beratung sollten gezielt ansetzen – vor allem bei Frauen mittleren Alters, die statistisch zwar gesund in die Zukunft blicken können, sich selbst aber häufig zu wenig zutrauen.
Fazit:
Ein falscher Blick auf die eigene Lebenserwartung kann im Alter teuer werden. Die neue Studie zeigt: Realistische Einschätzungen sind kein Luxus, sondern finanzielle Notwendigkeit. Frauen unterschätzen sich – und damit leider oft auch ihre Zukunft. Wer länger lebt, sollte das nicht nur hoffen, sondern auch planen.