Die Generalstaatsanwaltschaft von Arizona hat Anklage gegen 20 Personen und zwei Organisationen erhoben, darunter ein Pastor und eine Kirche, wegen eines umfangreichen Betrugsskandals im Gesundheitswesen. Die Verdächtigen sollen das staatliche Medicaid-Programm (AHCCCS) um über 60 Millionen US-Dollar betrogen haben – in weniger als einem Jahr.
Laut Anklageschrift wurde ein Netzwerk von sogenannten Sober Living Homes (trockene Wohngruppen für Suchterkrankte) genutzt, um tausende falsche Abrechnungen für nie erbrachte Leistungen einzureichen. In einigen Fällen wurden sogar Verstorbene oder inhaftierte Personen als angebliche Patienten angegeben.
Zentrale Akteure: Klinikgründer und Kirche
Im Zentrum der Ermittlungen steht das Unternehmen Happy House Behavioral Health, gegründet von Desire Rusingizwa und Fabrice Mvuyekure. Sie sollen allein zwischen August 2022 und Juli 2023 über 60 Millionen Dollar betrügerisch abgerechnet haben.
Auch die Hope of Life International Church und ihr Pastor Theodore Mucuranyana wurden angeklagt – unter anderem wegen Geldwäsche. Happy House hatte seine Räume auf einem Grundstück der Kirche, von dort aus flossen laut Anklage mehrere Millionen Dollar in dubiose Immobilienkäufe und Überweisungen nach Ruanda.
Skandal mit System
Das betroffene Programm, das unter anderem Ureinwohner in ländlichen Regionen Arizonas versorgt, war bewusst mit wenig Bürokratie gestaltet, um schnelle Hilfe zu ermöglichen – ein Umstand, den die Täter laut Behörden gezielt ausnutzten.
Der mutmaßliche Betrug ist Teil einer größeren Serie von Verfahren, die Generalstaatsanwältin Kris Mayes bereits 2023 als „erschütterndes Staatsversagen“ bezeichnete. Inzwischen wurden mehr als 100 Personen und Firmen in 14 Fällen angeklagt. Der Schaden für die Steuerzahler könnte laut Behörden bei bis zu 2,5 Milliarden Dollar liegen.
Luxus statt Hilfe
Ermittler beschlagnahmten bei Hausdurchsuchungen hochwertigen Schmuck, Uhren und Designer-Handtaschen. Ein 2,8-Millionen-Dollar-Scheck, Immobilienkäufe über Hunderttausende Dollar und eine Millionenüberweisung nach Ruanda werden ebenfalls als Teil der mutmaßlichen Geldwäsche gewertet.
Die meisten Angeklagten wurden am 20. Mai dem Gericht vorgeführt, weitere Termine folgen.
Fazit:
Der Fall zeigt, wie leicht staatliche Hilfsprogramme für die Schwächsten zur profitablen Betrugsmasche werden können – mit internationalen Verbindungen, kirchlichen Deckmänteln und Millionenbeträgen im Spiel.