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„Gold verkauft man nicht mal eben zwischen Brötchen und Bausparvertrag“

Stevebidmead (CC0), Pixabay

Ein Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime über Risiken, Rechte und Renditechancen beim Goldverkauf


Redaktion: Herr Reime, immer mehr Menschen sitzen auf Goldreserven – in Barren, Münzen oder Omas altem Armreif. Der aktuelle Goldpreis ist hoch. Lohnt sich der Verkauf?

Jens Reime (lacht): Wenn jemand Gold geerbt hat und der Preis gut ist – warum nicht? Aber man sollte nicht blind verkaufen, nur weil gerade eine Werbung im Radio „Höchstpreise“ brüllt. Goldverkauf braucht Verstand, nicht nur Waage und Wunschdenken.

Redaktion: Was sind aus rechtlicher Sicht die wichtigsten Punkte beim Goldverkauf?

Jens Reime: Ganz wichtig: Belege! Wer Gold verkauft, sollte alles dokumentieren – Gewicht, Goldanteil, tagesaktuellen Kurs, und natürlich den Ankaufspreis. Fehlt der Nachweis, steht man im Zweifel ohne Rechtsgrundlage da – und kann sich nicht wehren, wenn der Preis nicht fair war. Und falls der Händler sagt: „Das läuft hier ohne Papier, so machen wir das immer“, dann: raus da, und zwar zügig.

Redaktion: Viele Leute wissen gar nicht, wie viel ihr Schmuck wirklich wert ist. Wie kommt man zu einer realistischen Einschätzung?

Jens Reime: Da hilft nur Rechnen und Vergleichen – oder, wie ich es nenne: die Gold-Diät für Träumer. Erstmal den Goldgehalt prüfen – 333 heißt 33,3 %, 585 ist besser, 750 noch besser. Dann den aktuellen Goldpreis in US-Dollar pro Unze aufrufen, durch 31,1 teilen, in Euro umrechnen – und dann mit dem reinen Goldgewicht multiplizieren.

Und ganz wichtig: Vergleichsangebote einholen. Wer nur ein Angebot hat, weiß nicht, ob er übers Ohr gehauen wurde – oder nur milde.

Redaktion: Wie steht’s mit Online-Goldankäufern? Ist das seriös?

Jens Reime: Es gibt gute Anbieter – aber auch schwarze Schafe. Wer online verkaufen will, sollte auf Folgendes achten: Impressum prüfen, AGB lesen, Ansprechpartner sichtbar? Und das Paket, in dem das Gold verschickt wird, sollte wertversichert sein. Sonst wird aus Gold im Zweifel nur Glanz in der Erinnerung.

Redaktion: Und was ist mit Haustürgeschäften?

Jens Reime: Ganz klar: Finger weg. Wenn jemand klingelt und „Goldankauf“ murmelt, sollte man besser den Rollladen runterlassen. Solche Leute suchen oft nur nach Wertgegenständen – im schlimmsten Fall kommen sie abends wieder, wenn niemand zu Hause ist. Und nein: Auch wenn der Verkäufer einen „Edelmetallpass“ dabeihat – das ist keine DIN-zertifizierte Vertrauensgarantie.

Redaktion: Gibt’s einen rechtlichen Schutz für Goldverkäufer?

Jens Reime: Nicht wirklich. Der Goldmarkt ist nicht reguliert wie ein Bankprodukt. Wer verkauft, handelt in der Regel auf eigenes Risiko – deshalb ist es so wichtig, nur mit zertifizierten Händlern zu arbeiten. Der Berufsverband des deutschen Münzfachhandels hat zum Beispiel eine Liste mit geprüften Anbietern. Die ist Gold wert – im wahrsten Sinne.

Redaktion: Letzte Frage: Was ist Ihr persönlicher Tipp für alle Hobby-Goldverkäufer?

Jens Reime: Kaufen Sie sich eine Feinwaage, rechnen Sie in Ruhe – und wenn der Händler nervös wird, weil Sie zu viel nachfragen, dann fragen Sie noch eine Runde weiter. Gold ist kein Ramschprodukt. Wer sich informiert, bekommt mehr dafür. Wer sich hetzen lässt, verliert oft nicht nur glänzendes Metall – sondern auch bares Geld.

Redaktion: Vielen Dank für das glänzend klare Interview, Herr Reime!

Jens Reime (schmunzelt): Jederzeit – und denken Sie dran: Auch bei Gold gilt die alte Regel aus dem Recht – „Vertrauen ist gut, Wiegen ist besser!“

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