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Grazer vor Gericht: Prozess nach versuchtem Mord mit Pfeil und Bogen

TheDigitalWay (CC0), Pixabay

Am Dienstag beginnt am Landesgericht Graz ein außergewöhnlicher Prozess: Ein 38-jähriger Mann muss sich wegen des versuchten Mordes an seiner damaligen Freundin verantworten – mit einem Pfeil und Bogen. Der Vorfall ereignete sich im September 2023 in einer Wohnung in Graz. Die Tat sorgte österreichweit für Aufsehen, nicht zuletzt wegen ihrer Brutalität und der verwendeten Waffe.

Angriff im Schlaf – Motiv Eifersucht

Laut Anklage soll der Mann seine 42-jährige Freundin, die er erst rund eineinhalb Wochen zuvor kennengelernt hatte, in der Nacht auf den 15. September in seiner Wohnung mit einem Sportbogen angegriffen haben. Die beiden sollen gemeinsam mit einem Freund des Beschuldigten Drogen konsumiert haben, bevor sie schließlich schlafen gingen. Etwa ein bis zwei Stunden später habe der Angeklagte laut Anklageschrift Suchtmittel injiziert, danach seinen Bogen gereinigt – und schließlich auf die schlafende Frau geschossen.

Der erste Pfeil traf die Frau im Bereich der Nieren und durchdrang ihren Oberkörper. Als sie schwer verletzt aufwachte, folgte offenbar ein zweiter Schuss: Dieser traf sie an der Schulter, drang durch die linke Wange in den Kopf ein und verursachte lebensgefährliche Verletzungen. Wie durch ein Wunder überlebte die Frau den Angriff.

Flucht und Großfahndung

Nach der Tat verließ der mutmaßliche Täter gemeinsam mit seinem Bekannten die Wohnung – ohne Hilfe für das Opfer zu rufen. Die schwer verletzte Frau konnte sich jedoch mit letzter Kraft ihr Mobiltelefon greifen und den Notruf wählen – mit einem Pfeil im Gesicht. Die Rettungskräfte konnten sie nach kurzer Suche finden und versorgen. Sie wurde umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Der Beschuldigte fuhr unterdessen in Richtung Südsteiermark, ließ seinen Bekannten unterwegs in Seiersberg aussteigen. Wenig später verursachte er einen Verkehrsunfall und bat einen Landwirt sowie den ÖAMTC um Hilfe. Diese informierten daraufhin die Polizei.

Eskalation bei Festnahme

Ein Polizeihubschrauber entdeckte schließlich das Fahrzeug des Verdächtigen. Als die Einsatzkräfte ihn zur Aufgabe bewegen wollten, eskalierte die Situation. Der Mann schoss mit einer Schreckschusspistole in die Luft und hantierte mit einer Schrotwaffe. Als er diese auf die Beamten richtete, eröffneten diese das Feuer und trafen ihn schwer. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen, verweigerte zunächst die medizinische Hilfe und äußerte den Wunsch zu sterben. Dennoch wurde er gerettet.

Geständnis – aber keine Tötungsabsicht?

Der Angeklagte räumte gegenüber den Ermittlern ein, auf seine Partnerin geschossen zu haben, bestritt jedoch die Tötungsabsicht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm dennoch versuchten Mord vor. Das Motiv wird als Eifersucht vermutet. Beide Beteiligten sollen laut Ermittlungen dem Drogenmilieu angehören.

Prozessauftakt mit Fortsetzung

Der Prozess beginnt am Dienstag am Landesgericht Graz und soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Es wird erwartet, dass neben der schwer verletzten Frau auch der damalige Bekannte des Angeklagten als Zeuge aussagt. Dieser hatte erklärt, von den Schüssen nichts mitbekommen zu haben.

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