Kurz vor dem Start des Ostdeutschen Wirtschaftsforums in Bad Saarow ist die Stimmung in vielen Unternehmen der Region alles andere als entspannt. In einer aktuellen Umfrage unter 1.500 Firmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich: Der größte Engpass ist nicht etwa der globale Wettbewerb oder die Digitalisierung – sondern schlicht und einfach das fehlende Personal.
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, massive Schwierigkeiten zu haben, Arbeitskräfte zu finden und zu halten. Der Fachkräftemangel ist damit zur chronischen Herausforderung geworden – und wird zunehmend zum Standortnachteil. Gut ausgebildete Menschen sind Mangelware, junge Talente wandern ab, und so mancher Betrieb kommt trotz voller Auftragsbücher kaum noch hinterher.
Doch damit nicht genug: Rund 40 Prozent der Unternehmen sehen in der zunehmenden politischen Radikalisierung in Ostdeutschland ein konkretes Risiko für den Standort. Die Sorge: Ein vergiftetes gesellschaftliches Klima könnte nicht nur die Region unattraktiv für Fachkräfte machen, sondern auch Investoren abschrecken.
Hinzu kommt ein weiterer altbekannter Belastungsfaktor: die hohen Energiepreise. Besonders energieintensive Betriebe berichten von wachsendem wirtschaftlichem Druck – gerade in Regionen, in denen die industrielle Basis stark von Metall-, Chemie- oder Maschinenbau geprägt ist.
Vor diesem Hintergrund steht das Ostdeutsche Wirtschaftsforum ab Sonntag vor schwierigen Diskussionen – zwischen Fachkräftesicherung, Standortattraktivität und gesellschaftlicher Verantwortung. Eines ist klar: Wer Ostdeutschlands Wirtschaft stärken will, muss mehr tun, als nur neue Förderprogramme aufzulegen. Es geht um langfristige Strategien, mehr Zuwanderung, bessere Bildung – und eine klare Haltung gegen Extremismus. Denn Fachkräfte kommen nicht nur wegen der Jobs. Sie bleiben auch wegen des Klimas – im Betrieb wie in der Gesellschaft.