Der zweite Mordprozess gegen Karen Read hat am Mittwoch nach einer plötzlichen Unterbrechung wieder begonnen. Im Mittelpunkt steht Reads SUV, mit dem sie ihren Lebensgefährten, den Polizisten John O’Keefe, angefahren haben soll. Die Geschworenen erhielten erstmals einen genauen Einblick in den Zustand des Fahrzeugs nach O’Keefes Tod.
Beschädigungen und Spuren am Fahrzeug
Fotos, die im Gericht präsentiert wurden, zeigen das Fahrzeug von Karen Read, einen schwarzen Lexus, mit deutlichen Beschädigungen:
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Zersplittertes Rücklicht auf der Beifahrerseite
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Scherben am hinteren Stoßfänger
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Kratzer, abgeplatzter Lack und Dellen
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Mögliche menschliche Haare am Fahrzeug
Die forensische Wissenschaftlerin Maureen Hartnett von der Kriminaltechnik der Massachusetts State Police erklärte den Geschworenen, dass sie das Fahrzeug am 1. Februar 2022 untersucht habe, wenige Tage nach O’Keefes Tod. Während der Präsentation schnitt Hartnett einen Beweisbehälter auf und zeigte den beschädigten Rücklichtteil im Gerichtssaal.
Kein Blut unter dem Fahrzeug
Bei der Befragung durch die Verteidigung gab Hartnett an, dass sie keine Blutspuren oder andere biologische Materialien unter dem Fahrzeug gefunden habe. Verteidiger Robert Alessi stellte zudem die Verlässlichkeit der Beweise in Frage, da die Glassplitter lose auf dem Stoßfänger lagen und sich während der etwa 45-minütigen Fahrt von Canton nach Dighton hätten lösen können.
Blutige Schneespuren und Fragwürdige Beweissicherung
Alessi konzentrierte sich auch auf die blutverschmierten Schneereste, die die Polizei in roten Plastikbechern gesammelt hatte. Hartnett bestätigte, dass die von ihr entnommenen Proben nicht auf DNA untersucht wurden. Zudem warf die Verteidigung Fragen zur Sicherung des Fahrzeugs auf, da das Auto mehrere Tage auf dem Polizeigelände stand, bevor es inspiziert wurde.
Streitpunkt: Spurensicherung am Fahrzeug
Ein weiterer Zeuge, Sgt. Zachary Clark von der Massachusetts State Police, bestätigte, dass er bei seiner Untersuchung der Vorderreifen von Reads Auto keine verwertbaren Abdruckspuren fand. Auch ein zweiter Ermittler, Sgt. Evan Brent, berichtete, dass er fünf Tage nach dem Tod von O’Keefe das Fahrzeug vor O’Keefes Haus fotografierte und keine sichtbaren Schäden feststellen konnte.
Beziehungskonflikte und Motivfrage
Ein weiterer Punkt der Verhandlung war die Beziehung zwischen Read und O’Keefe. Die Staatsanwaltschaft spielte Interviews aus dem Jahr 2024 vor, in denen Read sagte, dass sie und O’Keefe wohl nicht getrennt gewesen wären, wenn er noch leben würde. In einer anderen Aufnahme erwähnte sie jedoch eine SMS-Konversation mit Brian Higgins, einem Beamten der US-Behörde für Alkohol, Tabak, Feuerwaffen und Sprengstoffe (ATF), die möglicherweise O’Keefes Eifersucht geweckt hätte.
Persönliche Hintergründe: O’Keefes Nichte sagt aus
Die Nichte von John O’Keefe wurde ebenfalls in den Zeugenstand gerufen. O’Keefe hatte nach dem Tod seiner Schwester die Vormundschaft für sie und ihren Bruder übernommen. Da die Nichte minderjährig ist, wurden keine Video- oder Audioaufnahmen ihrer Aussage zugelassen.
Unterbrechung und vorheriger Prozess
Der Prozess musste kurzfristig unterbrochen werden, als Richterin Beverly Cannone erklärte, dass „unvorhergesehene Umstände“ die Fortführung verhinderten. Dies ist bereits Reads zweiter Prozess im Fall O’Keefe, nachdem der erste Prozess 2024 mit einer gescheiterten Jury endete.
Der Fall hat landesweit Aufsehen erregt und wurde in Podcasts, Dokumentationen und True-Crime-Shows aufgearbeitet. Viele Zuschauer verfolgen das Verfahren live über CourtTV, wo die Verhandlungen aus Dedham, Massachusetts, täglich ab 9 Uhr ET übertragen werden.
Hintergrund: Was geschah in der Tatnacht?
Im Januar 2022 wurde John O’Keefe tot vor dem Haus eines Kollegen in Canton, Massachusetts, gefunden. Laut Anklage soll Read ihren Freund in betrunkenem Zustand mit dem SUV angefahren und ihn zurückgelassen haben. Die Verteidigung argumentiert jedoch, dass Read für den Tod von Dritten verantwortlich gemacht werden soll und die Beweise manipuliert seien.
Fazit: Ein Fall voller Widersprüche
Der Prozess gegen Karen Read wirft zahlreiche Fragen zur Beweissicherung und zur Beziehung zwischen Read und O’Keefe auf. Während die Staatsanwaltschaft von einem Verbrechen in einem emotional aufgeladenen Moment ausgeht, stellt die Verteidigung die Glaubwürdigkeit der Ermittlungen und die Echtheit der Beweise in Frage. Der Ausgang des Prozesses bleibt weiter ungewiss.