In Chicago herrscht Begeisterung: Mit Papst Leo XIV stellt die Stadt zum ersten Mal in der Geschichte einen amerikanischen Papst. Der Nachfolger von Papst Franziskus wuchs in der South Side von Chicago auf und lernte seinen Glauben in einer kleinen Pfarrei, nur wenige Kilometer südlich des berühmten Loop-Viertels.
Stolz und Erstaunen auf der South Side
Die Nachricht von Leos Wahl hat die Einwohner der Millionenstadt überwältigt. Viele können kaum glauben, dass ein Sohn Chicagos auf dem Petersplatz als neuer Papst verkündet wurde.
„Es ist fantastisch“, schwärmt David Williams, ein Gemeindemitglied, das am Sonntag die überfüllte Messe in der Holy Name Cathedral besuchte. „Jetzt sind wir bekannt für Michael Jordan, Al Capone und den Papst – die heilige Dreifaltigkeit von Chicago.“
Für viele Gläubige bedeutet die Wahl von Leo XIV einen wichtigen Schritt in Richtung Vielfalt. Frieda Williams, ebenfalls aus der South Side, ist überzeugt, dass Leo als Papst alle Menschen erreichen kann: „Chicago ist multikulturell – und jetzt haben wir einen Papst, der genau das repräsentiert.“
Von der South Side nach Rom
Die Wahl von Papst Leo XIV kam überraschend, doch für einige Weggefährten war sie durchaus vorstellbar. Bischof Daniel Turley, ein alter Freund und ehemaliger Mitbruder des neuen Papstes, erinnert sich: „Als ich den weißen Rauch sah, dachte ich sofort: Es könnte Robert Prevost sein.“
Leo XIV – bürgerlich Robert Francis Prevost – wuchs in einer Augustiner-Gemeinschaft auf und diente viele Jahre als Missionar in Peru. Gemeinsam mit Turley, ebenfalls Augustiner und gebürtiger Chicagoer, prägte ihn die Arbeit in Südamerika nachhaltig. Beide teilten nicht nur ihren Glauben, sondern auch die Leidenschaft für die White Sox, Tennis und die Cumbia-Musik aus Nordperu.
Kirche als Gemeinschaft: Erinnerungen und Stolz
An vielen Kirchen in Chicago hängen nun die gelb-weißen Vatikanflaggen, und die Gläubigen begrüßen sich mit einem herzlichen „Viva Papa Leo XIV“. Besonders die Gemeinde der St. Mary of the Assumption, in der Leo seine ersten Glaubenserfahrungen machte, feiert die Wahl.
Auch die Augustiner-Gemeinde von St. Rita of Cascia ist stolz: „Wir sind begeistert, es fühlt sich an, als würden wir auf heiligem Boden gehen“, erzählt Alondra Aliviar, die mit ihrem Mann und den zwei kleinen Söhnen zur Messe kam. „Er ist von hier, das ist unsere Pfarrei.“
Ein Papst, der die Menschen bewegt
Chicagoer aller Altersgruppen feiern die Wahl ihres Landsmannes. Ted und Katie Kolbus, langjährige Katholiken aus dem Mittleren Westen, können ihr Glück kaum fassen: „Es ist einfach unglaublich, dass wir einen Papst aus den USA haben – und dann auch noch aus dem Mittleren Westen!“
Ihr Sohn Nathan, ein Cubs-Fan, schmunzelt, als er gefragt wird, ob der Papst ihn zum White Sox-Fan bekehren könnte: „Wahrscheinlich nicht, die sind ziemlich schlecht. Aber vielleicht kann er ja helfen, die Lage zu verbessern.“
Ein Papst für alle Kulturen
Die Wahl von Leo XIV wird in Chicago nicht nur als Triumph für die Stadt, sondern als Symbol der Inklusion und Hoffnung gefeiert. Sein Hintergrund als Sohn der South Side, mit peruanischen Wurzeln und multikulturellem Verständnis, macht ihn für viele Menschen greifbar und authentisch.
Mit seiner ersten Sonntagsansprache in Rom, in der er vor einem „stückweisen Dritten Weltkrieg“ warnte und zu Frieden aufrief, setzte Papst Leo XIV bereits erste Akzente. Die Chicagoer hoffen, dass er seine bodenständige und weltoffene Art beibehält und die Kirche in eine neue Ära führt.