Die Tschechische Republik verzeichnet das höchste Bienensterben seit über einem Jahrzehnt: Laut der Palacký-Universität in Olomouc hat fast ein Viertel aller Bienenvölker den Winter 2023/2024 nicht überlebt. Verantwortlich dafür ist vor allem die Varroatose, eine von der Milbe Varroa destructor übertragene Krankheit, die durch die anhaltend milden Winter und frühen Frühjahre begünstigt wird. Die aktuellen Zahlen deuten auf ein ökologisches und wirtschaftliches Alarmsignal – und stellen die Imkerei vor tiefgreifende Herausforderungen.
160.000 Bienenvölker tot – Ursache: Varroa-Milbe und „Zementhonig“
„In absoluten Zahlen bedeutet das: Mehr als 160.000 Bienenvölker haben diesen Winter nicht überlebt“, sagt Jiří Danihlík, Biochemiker an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Palacký-Universität. Im Vergleich zum Vorjahr – in dem die Verluste bei 12,2 Prozent lagen – ist das ein dramatischer Anstieg.
Der Hauptverursacher: Die Varroa-Milbe, die sich im Jahr 2024 aufgrund des außergewöhnlich warmen Frühjahrs bereits drei Wochen früher als üblich verbreitete. Zusätzlich erschwerte ein weiteres Phänomen die Situation: der sogenannte melezitische Honigtau – unter Imkern auch als „Zementhonig“ bekannt. Dieser extrem feste Honig verstopft die Waben, lässt sich nur schwer verarbeiten und erschwert die Behandlung gegen die Milbe massiv.
Besonders betroffen: Prag, Liberec, Ústí nad Labem und Česká Lípa
Die höchsten Verlustraten traten in den Regionen Prag, Liberec und Ústí nad Labem auf. In Česká Lípa starben sogar rund 50 Prozent aller Bienenvölker. Insgesamt nahmen über 9.000 Imker am internationalen Forschungsprojekt COLOSS teil, was einer repräsentativen Stichprobe von etwa 12 Prozent der Imker in Tschechien entspricht.
Klimawandel und Imkerei: Neue Strategien dringend nötig
Laut den Forschern ist das Massensterben ein direkter Effekt des Klimawandels. Die milden Winter und die immer früher einsetzenden Frühlingsperioden führen dazu, dass Parasiten und Viren sich deutlich schneller ausbreiten können. Das macht bisherige Strategien im Umgang mit Bienengesundheit zunehmend unzureichend.
Jan Brus von der Abteilung für Geoinformatik an der Palacký-Universität betont: „Einige Imker haben trotz der schwierigen Bedingungen keine oder nur geringe Verluste. Wir wollen ihre Strategien analysieren und neue, klimafitte Imkereipraktiken entwickeln – im Schulterschluss mit der gesamten Imkergemeinschaft.“
Ausblick: Ein globales Problem
Auch wenn vergleichbare internationale Daten derzeit noch ausstehen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass auch Nachbarländer wie Deutschland, Polen und Österreich mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben werden. Die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen könnten gravierend sein – denn Bienen sind für die Bestäubung vieler landwirtschaftlicher Kulturen unverzichtbar.
Fazit: Das aktuelle Bienensterben in Tschechien ist ein Warnsignal, das weit über nationale Grenzen hinausreicht. Der Klimawandel verändert das natürliche Gleichgewicht – mit dramatischen Folgen für die Imkerei. Nur durch Forschung, internationale Zusammenarbeit und neue Präventionsstrategien lässt sich der Trend möglicherweise aufhalten.