Im Fall des zu Unrecht abgeschobenen Salvadorianers Kilmar Abrego Garcia rückt nun ein neues Element in den Vordergrund: Tonaufnahmen aus einer Gerichtsanhörung im Jahr 2020 belasten den 29-Jährigen mit häuslicher Gewalt gegen seine Ehefrau Jennifer Vasquez Sura. In dem Mitschnitt, der der Redaktion vorliegt, schildert sie unter Tränen, wie Garcia sie „an den Haaren gepackt und geschlagen“ habe. Weitere Vorwürfe beziehen sich auf Übergriffe in den Jahren 2019 bis 2021, unter anderem mit Schlägen, Kratzern und gewaltsamem Entkleiden.
Die Vorwürfe wurden bislang nicht strafrechtlich verfolgt. Garcia selbst bestreitet jegliche Gewalt und weist ebenfalls zurück, Mitglied der kriminellen Gang MS-13 zu sein – ein Vorwurf, den die Trump-Regierung trotz mangelnder Beweise und eines gegenteiligen Gerichtsurteils aufrechterhält.
Garcia wurde im März trotz richterlicher Anordnung nicht abgeschoben zu werden, nach El Salvador ausgeflogen und in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht. Die US-Regierung gab später zu, dass dies ein Verstoß gegen geltendes Recht war. Der Oberste Gerichtshof der USA verpflichtete die Regierung lediglich, Garcias Rückkehr zu „ermöglichen“, nicht aber direkt anzuordnen.
Sein Fall wurde zum Symbol für Kritik an Trumps Migrationspolitik. Zahlreiche demokratische Politiker, darunter Senator Chris Van Hollen, reisten nach El Salvador, um seine Rückführung zu fordern. Gemeinsam mit Kollegen plant er nun eine Resolution zur Überprüfung der Menschenrechtslage in El Salvador.
Während das Heimatschutzministerium (DHS) Garcia nun als „gewalttätigen illegalen Ausländer“ bezeichnet, wehrt sich Ehefrau Vasquez Sura in einem aktuellen Statement gegen die politische Instrumentalisierung ihrer Vergangenheit: „Ich hätte nie gedacht, dass der tiefste Moment in unserer Beziehung genutzt wird, um seinen Charakter zu zerstören und seine Rechte zu verletzen.“
Sie bezeichnet Garcia als „liebevollen Vater und Partner“ und kündigt an, weiterhin für seine Rückkehr zur Familie zu kämpfen.
Der Fall zeigt, wie persönliche Tragödien und politische Interessen zunehmend miteinander verwoben werden – auf Kosten rechtsstaatlicher Prinzipien und familiärer Integrität.