Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) hat mit Nachdruck vor einem drohenden massiven Rückzug der öffentlichen Infrastruktur im Bereich der Schwimmbäder gewarnt. Laut einer aktuellen Einschätzung des Vorstands Christian Kuhn könnten deutschlandweit bis zu 1.000 Bäder – insbesondere Freibäder, aber auch Hallen- und Kombibäder – in den kommenden Monaten zeitweise oder dauerhaft schließen, sofern nicht rasch zusätzliche finanzielle Unterstützung bereitgestellt wird. Die Warnung richtet sich sowohl an den Bund als auch an die Länder, die nach Ansicht der DGfdB in der Verantwortung stehen, die Kommunen bei dieser zentralen Aufgabe der Daseinsvorsorge nicht länger allein zu lassen.
Finanzielle Notlage in den Kommunen
Viele Städte und Gemeinden ächzen unter massiv steigenden Betriebskosten, explodierenden Energiepreisen und einem chronischen Investitionsstau, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Sanierungen wurden verschoben, Technik ist veraltet, und Personalmangel erschwert zusätzlich den regulären Betrieb. In zahlreichen Kommunen fehlt schlichtweg das Geld, um notwendige Reparaturen durchzuführen oder überhaupt den laufenden Betrieb während der gesamten Saison aufrechtzuerhalten.
Die Folge: Immer mehr Kommunen sehen sich gezwungen, Öffnungszeiten zu verkürzen, Schwimmkurse zu streichen oder gleich ganze Bäder zu schließen – zumindest temporär. Doch die DGfdB warnt davor, dass temporäre Schließungen oftmals in eine dauerhafte Stilllegung münden, weil die Kosten für die Wiedereröffnung in der Zwischenzeit weiter steigen.
Kritik an der Verlagerung auf Fördervereine
Besonders kritisch äußerte sich Christian Kuhn zur wachsenden Tendenz, die Verantwortung für Schwimmbäder auf ehrenamtlich organisierte Fördervereine zu verlagern. Zwar lobte er das Engagement der zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die sich mit Herzblut für den Erhalt „ihres“ Bads einsetzen. Doch dies könne und dürfe kein Ersatz für eine nachhaltige, öffentliche Finanzierung sein.
„Wenn die Politik die Verantwortung abgibt und sich darauf verlässt, dass ein Förderverein den Betrieb übernimmt, entsteht ein gefährlicher Teufelskreis“, so Kuhn. „Scheitert der Verein an der Finanzierung oder an personellen Engpässen, wird nicht die Politik, sondern der Verein verantwortlich gemacht – und das Schwimmbad schließt trotzdem.“ Diese Entwicklung sei weder fair noch zielführend und führe letztlich zu einer schleichenden Privatisierung und Erosion der öffentlichen Infrastruktur.
Bäder als unverzichtbare Orte für Bildung, Integration und Gesundheit
Die DGfdB macht deutlich: Schwimmbäder sind mehr als nur Freizeiteinrichtungen. Sie sind Orte des Schwimmunterrichts, der Gesundheitsvorsorge, der sozialen Teilhabe und der Integration. Gerade für Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Menschen mit geringem Einkommen sind kommunale Schwimmbäder oft der einzige bezahlbare Zugang zu Sport und Bewegung.
Zudem sind Schwimmbäder in vielen Gemeinden zentraler Bestandteil des sozialen Lebens – Treffpunkt für Familien, Ort für Vereinsarbeit und kulturelle Veranstaltungen. Ein Verlust dieser Infrastruktur würde weitreichende gesellschaftliche Folgen haben, etwa eine Zunahme von Nichtschwimmern, gesundheitlichen Problemen oder sozialer Isolation.
Appell für ein nationales Bäderrettungsprogramm
Angesichts der dramatischen Lage fordert die DGfdB ein umfassendes, nationales Bäderrettungsprogramm, das über Einzelhilfen oder punktuelle Investitionen hinausgeht. Regelmäßige, planbare Zuschüsse, kombiniert mit einem Sanierungsfonds, sollen Kommunen in die Lage versetzen, ihre Bäder langfristig zu erhalten und zu modernisieren. Nur so könne verhindert werden, dass Deutschland in wenigen Jahren vor einer noch größeren Versorgungslücke steht.
„Wir brauchen keinen kurzfristigen Aktionismus, sondern eine nachhaltige Lösung. Wenn wir heute nicht investieren, wird es morgen viel teurer – nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich“, so Kuhn abschließend.