Die renommierte Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat ihren jährlichen Weltindex der Pressefreiheit für das Jahr 2025 veröffentlicht – mit einem besorgniserregenden Ergebnis für Deutschland: Die Bundesrepublik ist in der globalen Rangliste von Platz 10 auf Platz 11 abgerutscht und gehört damit nicht mehr zu den zehn pressefreundlichsten Ländern der Welt. Dieser symbolische Abstieg spiegelt nach Einschätzung von RSF eine reale Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten in Deutschland wider – sowohl auf der Straße als auch im digitalen Raum.
Die Organisation begründet die Rückstufung mit einem „zunehmend feindlichen Arbeitsumfeld“, das sich besonders in einer wachsenden Zahl von Bedrohungen, tätlichen Angriffen und gezielten Einschüchterungen gegen Medienschaffende zeige. Insbesondere bei politischen Kundgebungen, Protesten oder Veranstaltungen in polarisierten Milieus – etwa im Umfeld von Rechtsextremisten, Reichsbürgern oder radikalen Corona-Leugnern – geraten Reporterinnen und Reporter zunehmend ins Visier. RSF nennt insbesondere Übergriffe, die aus dem rechtsextremen Lager heraus erfolgen, als wiederkehrendes Muster. Die verbale wie physische Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten sei oft bewusst inszeniert, um deren Arbeit zu behindern oder sie dauerhaft einzuschüchtern.
Zudem beobachtet RSF eine besorgniserregende Entwicklung im digitalen Raum. Journalistinnen und Journalisten sehen sich dort zunehmend gezielten Online-Kampagnen, Hasskommentaren, Morddrohungen und digitalen Angriffen ausgesetzt. Besonders betroffen sind Frauen, Personen mit Migrationshintergrund sowie Investigativjournalisten, die über sensible Themen wie Rechtsextremismus, Korruption oder Umweltvergehen berichten. Die digitale Gewalt gegen Pressevertreter führt laut RSF dazu, dass einige sich selbst zensieren oder den Rückzug aus der Öffentlichkeit antreten – eine Entwicklung, die die demokratische Debattenkultur direkt gefährdet.
Obwohl Deutschland nach wie vor über stabile rechtsstaatliche Strukturen, ein vergleichsweise gut funktionierendes Mediensystem und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen verfügt, erkennt RSF strukturelle Defizite beim Schutz der Pressefreiheit im Alltag. Zu oft blieben Angriffe auf Medienschaffende unaufgeklärt oder ohne strafrechtliche Konsequenzen, was ein Klima der Straflosigkeit fördere. RSF fordert daher von Politik, Sicherheitsbehörden und Justiz ein konsequenteres Vorgehen gegen Übergriffe und eine bessere Absicherung journalistischer Arbeit, auch im Rahmen von Demonstrationen und konfliktträchtigen Rechercheeinsätzen.
Darüber hinaus sei in Teilen der Bevölkerung ein schwindendes Vertrauen in die Medien zu beobachten, das durch gezielte Desinformationskampagnen und populistische Narrative zusätzlich verstärkt werde. Begriffe wie „Lügenpresse“ oder „Systemmedien“ würden gezielt eingesetzt, um Journalistinnen und Journalisten zu delegitimieren. Diese Entwicklungen seien nicht nur Ausdruck politischer Polarisierung, sondern auch direkte Angriffe auf die Grundlagen der Demokratie, so RSF.
Auch auf globaler Ebene zeichnet der Bericht ein düsteres Bild: Die Organisation spricht von einem „historischen Tiefstand“ der weltweiten Pressefreiheit im Jahr 2025. In mehr als 130 Ländern ist laut RSF die Lage für Journalistinnen und Journalisten „problematisch“, „schwierig“ oder gar „sehr ernst“. In vielen autoritär regierten Staaten werde unabhängiger Journalismus systematisch unterdrückt – durch Zensur, Verhaftungen, Gewalt oder die vollständige Kontrolle der Medien durch den Staat. Aber auch in Demokratien sei ein besorgniserregender Rückgang journalistischer Freiräume zu beobachten.
Angeführt wird die diesjährige Rangliste von Norwegen, das zum siebten Mal in Folge Platz 1 belegt. Dahinter folgen Estland und die Niederlande – Länder, in denen laut RSF Pressefreiheit nicht nur gesetzlich verankert, sondern auch kulturell tief verankert und politisch geschützt ist. Deutschland hingegen fällt aus dieser Spitzengruppe heraus, auch wenn es weiterhin zu den Ländern mit einem insgesamt hohen Maß an Pressefreiheit zählt.
Reporter ohne Grenzen sieht den diesjährigen Bericht als Warnsignal – nicht nur für Medienpolitik und Sicherheitsbehörden, sondern für die gesamte demokratische Gesellschaft. Die Pressefreiheit sei kein statisches Gut, sondern ein verletzliches Prinzip, das kontinuierlich verteidigt, gefördert und geschützt werden müsse. Dazu gehöre auch ein klares gesellschaftliches Klima der Wertschätzung für unabhängigen Journalismus, medienpädagogische Aufklärung in Schulen sowie politische Rückendeckung für jene, die kritisch, faktenbasiert und öffentlich relevant berichten.