Seit Kurzem können Bürgerinnen und Bürger ihre neuen Ausweisdokumente gegen eine Zusatzgebühr von 15 Euro direkt nach Hause schicken lassen. Was als bürgerfreundlicher Service gedacht war, stößt bei den kommunalen Spitzenverbänden auf deutliche Kritik – sowohl inhaltlich als auch finanziell.
Zweifel an Entlastung und Nutzen
Die Idee: Wer seinen neuen Personalausweis oder Reisepass nicht persönlich im Amt abholen möchte, kann ihn sich – gegen Gebühr – an seine Meldeadresse liefern lassen. Doch genau hier sehen viele Kommunen das Problem. Helmut Dedy, Geschäftsführer des Städtetages Nordrhein-Westfalen, erklärt: „Wegen der hohen Versandkosten und der Verpflichtung zur persönlichen Entgegennahme an der Meldeadresse rechnen wir damit, dass nur wenige Bürgerinnen und Bürger den neuen Service tatsächlich nutzen werden.“
Außerdem, so Dedy weiter, sei keine nennenswerte Entlastung der Verwaltungsmitarbeitenden zu erwarten. Die organisatorischen und logistischen Prozesse im Hintergrund blieben bestehen – zusätzliche Aufwände für Versand und Koordination kämen sogar hinzu.
Kostenfaktor als Hemmschwelle
Besonders die Höhe der Gebühr steht in der Kritik. 15 Euro zusätzlich für ein ohnehin gebührenpflichtiges Dokument sei für viele Bürger unattraktiv – zumal die persönliche Übergabe durch den Zusteller Voraussetzung ist. Eine flexible Abholung in der Nachbarschaft oder bei Paketshops sei damit ausgeschlossen.
Fazit: Gut gemeint, schlecht kalkuliert
Der neue Service könnte in der Theorie Wartezeiten in Bürgerämtern reduzieren – in der Praxis droht er jedoch, an den Bedürfnissen der Menschen vorbeizugehen. Die Kommunen fordern deshalb eine realistischere Gebührenstruktur und praktikablere Abläufe, um das Angebot tatsächlich attraktiv zu machen.