Online-Dating ist längst zur gängigen Form der Partnersuche geworden – bequem, jederzeit verfügbar und scheinbar grenzenlos in seinen Möglichkeiten. Doch was auf den ersten Blick nach Freiheit und Vielfalt aussieht, entpuppt sich für viele als emotionale Achterbahnfahrt. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse bringt die digitale Suche nach der Liebe oft nicht nur Aufregung und Neugier, sondern auch Stress und Enttäuschung mit sich.
So gaben ganze 59 Prozent der Befragten an, dass die Nutzung von Online-Dating-Plattformen bei ihnen zu emotionaler Erschöpfung und Frustration geführt habe. Fast jede*r Dritte (30 Prozent) berichtete von einem Gefühl der Überforderung – ausgelöst durch die schiere Menge an potenziellen Partner*innen. Die paradoxe Kehrseite der Auswahlfreiheit: Wer sich zwischen zahllosen Profilen entscheiden muss, findet oft gar keinen klaren Weg mehr und verliert sich in endlosen Vergleichen.
Erschreckend ist zudem, dass 37 Prozent der Teilnehmenden unter Traurigkeit oder depressiven Verstimmungen litten – ausgelöst durch enttäuschte Erwartungen, ausbleibende Rückmeldungen oder das Gefühl, auf der Suche nicht gesehen oder ernst genommen zu werden.
Diese Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der modernen Partnersuche: Sie eröffnet zwar neue Möglichkeiten, fordert aber auch psychisch heraus. Gerade die ständige Bewertung durch andere – und das Gefühl, selbst ständig performen zu müssen – kann an die Substanz gehen.
Die Umfrage wirft damit nicht nur ein Schlaglicht auf die Schattenseiten des Online-Datings, sondern auch auf einen wachsenden gesellschaftlichen Druck: In einer Welt, in der Nähe und Beziehung immer mehr ins Digitale verlagert werden, bleibt die emotionale Gesundheit oft auf der Strecke.
Vielleicht ist es an der Zeit, beim Daten nicht nur nach dem perfekten Match zu suchen, sondern auch auf sich selbst zu achten – mit Achtsamkeit, realistischen Erwartungen und der Erkenntnis, dass auch ein Date mal Pause machen darf.