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Geograf Strasser kritisiert „Klimawandel-Ausrede“ – Ruf nach klügerer Raumplanung und Wassermanagement

Peggychoucair (CC0), Pixabay

Der Innsbrucker Geograf und Wasserexperte Ulrich Strasser hat scharfe Kritik an der gängigen Praxis geübt, Naturkatastrophen einseitig dem Klimawandel zuzuschreiben. Im Gespräch mit dem ORF warnt er davor, den Klimawandel als bequeme Ausrede zu verwenden, um mangelhafte Raumplanung oder fehlende Vorsorge zu rechtfertigen. „Es ist nicht immer nur die Schuld des Klimawandels, dass da etwas passiert“, betont Strasser. Vielmehr trügen menschliche Eingriffe in natürliche Systeme entscheidend zur Entstehung sogenannter Naturkatastrophen bei.

„Eine Naturkatastrophe ist etwas, das wir Menschen so nennen. Die Natur kennt keine Katastrophen – das Wasser rinnt einfach den Berg hinunter“, so der Wissenschaftler der Universität Innsbruck.

Demut vor der Natur statt kurzfristiger Planung
Strasser plädiert für mehr Demut im Umgang mit Naturgewalten – insbesondere bei der Flächenwidmung und Raumplanung. In einer Zeit, in der intensivere Niederschläge und veränderte Abflussmuster zur Realität werden, müsse man Flüssen wieder mehr Raum geben. „Wenn der Fluss keinen Platz hat, wird er ihn sich nehmen“, warnt er. Viele Schäden seien vermeidbar, wenn man Naturprozesse nicht ignoriere, sondern aktiv in die Planung einbeziehe.

Gletscherverlust nicht gleich Wassermangel
Auch im aktuellen UNO-Weltwasserbericht, der die Rolle der Gebirge im globalen Wasserhaushalt hervorhebt, sieht Strasser einen differenzierten Diskussionspunkt. Zwar sei das Schicksal der Tiroler Gletscher aufgrund des Klimawandels besiegelt, doch deren Bedeutung für die Wasserversorgung werde oft überschätzt. In tiefer gelegenen Regionen seien Niederschläge und Schneeschmelze entscheidender als das Gletscherschmelzwasser.

Aktuelle Klimamodelle gehen sogar davon aus, dass die Niederschläge in den Alpen zunehmen, insbesondere im Winter. Gleichzeitig wird sich das Abflussverhalten der Flüsse verändern: Die bisher typische Abflussspitze im Spätsommer durch Gletscherschmelze wird künftig in den Frühsommer (Mai/Juni) verlagert – verstärkt durch die Schneeschmelze und häufigeren Frühjahrsregen.

Speicherbecken in Gletschervorfeldern? Keine Lösung für Tirol
Vorschläge, in eisfrei gewordenen Gletschervorfeldern neue Speicherbecken zu bauen, hält Strasser für wenig sinnvoll – zumindest in Tirol. Bestehende Speicher, etwa im Kaunertal oder Zillertal, seien effizienter gelegen und hätten größere Einzugsgebiete. Ressourcenmanagement müsse immer im Gesamtzusammenhang gedacht werden.

Wasser als politisches Thema
Letztlich, so Strasser, sei Wasserpolitik auch Gesellschaftspolitik. Längere Trockenphasen und punktuell heftige Regenfälle forderten ein vorausschauendes Management der Ressource Wasser, das über rein technische Lösungen hinausgeht. „Das ist ein politischer Prozess – und ein Prozess der öffentlichen Debatte“, sagt Strasser. Wasser müsse als Schatz behandelt werden, nicht nur als selbstverständlich vorhandene Selbstverständlichkeit.

Der Appell des Geografen ist klar: Weniger Ausreden, mehr Weitblick – für eine klimaresiliente Zukunft.

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