Dark Mode Light Mode

„Latey“: Äthiopiens riskante Dating-Show spaltet das Land

sucker4pain (CC0), Pixabay

Zehn Frauen, ein Mann – und ein kultureller Tabubruch: Die YouTube-Reality-Show „Latey: Looking for Love“ hat in Äthiopien für viel Wirbel gesorgt. Die Sendung, angelehnt an Formate wie The Bachelor, zeigt, wie zehn Frauen um das Herz von Messiah Hailemeskel, einem 38-jährigen Äthiopisch-Amerikaner, werben. Die Siegerin: Bethel Getahun, 25, Content Creatorin aus Addis Abeba.

In einer konservativen Gesellschaft, in der Dating meist im Verborgenen stattfindet, ist das Format revolutionär – und umstritten. Kritiker werfen der Show vor, Frauen zu objektifizieren und westliche Werte zu propagieren. „Dating war in Äthiopien immer Privatsache“, sagt Vlogger Semere Kassaye. YouTube-Kommentare beklagen „kulturellen Verrat“.

Doch Bethel hält dagegen: „Die Show zeigt Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen, Kämpfen und Träumen – das ist bisher kaum in den äthiopischen Medien zu sehen.“ Und tatsächlich: Teilnehmerinnen berichten offen von Flucht, Armut, familiären Herausforderungen und Verlusten – Themen, die im äthiopischen Fernsehen selten Platz finden.

Für Produzentin Metasebia Yoseph ist „Latey“ mehr als nur ein Liebesspiel: „Es geht um Repräsentation und Dialog. Kultur ist keine starre Größe.“ Auch betont sie, dass die Show bewusst nicht sexualisiert sei – vielmehr gehe es um das Kennenlernen, nicht um Skandale.

Der Erfolg spricht für sich: Die Finalfolge wurde über 620.000 Mal angesehen, eine zweite Staffel ist geplant – diesmal mit einer Frau in der Hauptrolle, die zwischen zehn Männern wählen darf.

Obwohl die Romanze zwischen Bethel und Messiah aufgrund der Distanz (er lebt mit seinem Sohn in den USA) derzeit auf Eis liegt, bleibt Bethel positiv: „Die Show hat das romantische Gesicht Äthiopiens gezeigt – und hoffentlich neue Maßstäbe für die Darstellung von Frauen gesetzt.“

„Latey“ hat etwas gewagt – und damit ein Gespräch angestoßen, das längst überfällig war.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Frohe Ostern wünscht… der Zornige aus dem Weißen Haus

Next Post

Marissa Mayer: „Weniger tippen, mehr leben“ – wie KI uns den Alltag erleichtern kann