Marissa Mayer, die ehemalige Top-Managerin von Google und Yahoo, will mit ihrer neuen KI-Firma Sunshine nicht noch mehr Bildschirmzeit schaffen – sondern uns genau davon befreien. Ihre Vision: künstliche Intelligenz soll nicht ablenken, sondern unsere zwischenmenschlichen Beziehungen stärken und uns Zeit zurückgeben.
„Ich wollte immer Technologien entwickeln, die Menschen näher zusammenbringen“, sagt Mayer im Interview mit der BBC. Ihr Startup begann mit smartem Kontaktmanagement und Erinnerungen an Geburtstage – inzwischen setzt es auf Shine, eine KI-gesteuerte Foto-App, die erkennt, wer auf Bildern zu sehen ist, und automatisch passende Gruppen bildet, um Erinnerungen effizient zu teilen.
Mayer ist überzeugt: „Die Zukunft gehört KI, aber wir müssen sie klug einsetzen.“ Ihre App soll den Alltag entlasten – ganz ohne übermäßige Datenweitergabe. Zwar nutzt Shine Gesichtserkennung und Standortdaten, betont jedoch, Datenschutz und Einverständnis stünden an erster Stelle.
Eine neue Tech-Etikette
Die Silicon-Valley-Pionierin, die einst als erste Ingenieurin bei Google einstieg, sieht in der heutigen Technologiebranche auch kulturelle Fortschritte. Bei Sunshine etwa sei mehr als die Hälfte des Entwicklerteams weiblich – eine Ausnahme in einer oft noch von „Tech-Bros“ dominierten Szene.
Gleichzeitig beobachtet Mayer mit Sorge, wie sich geopolitische Unterschiede in der KI-Entwicklung zuspitzen. Sie warnt vor übermäßiger Regulierung in den USA, während China rasch voranschreite. „Die eigentliche Konkurrenz im KI-Wettlauf ist nicht zwischen Firmen, sondern zwischen Ländern“, so Mayer. Die Frage, welches Land künftig die Standards setzt – etwa bei Datenschutz oder Überwachung – könne die digitale Zukunft weltweit prägen.
Was kommt als Nächstes?
Trotz aller Herausforderungen bleibt Mayer optimistisch: „Ich denke, KI wird unsere Erwartungen schon bald übertreffen – nicht nur in zehn Jahren, sondern vielleicht schon nächstes Jahr.“ Sie vergleicht die Entwicklung mit der frühen Internetzeit: damals schwer vorstellbar, heute unverzichtbar.
Ihr Ziel bleibt klar: „Weniger Zeit mit Tippen verbringen – und mehr Zeit für das, was wirklich zählt.“