Ein Bundesgericht in New York hat Anklage gegen Luigi Mangione erhoben, der beschuldigt wird, im Dezember 2024 den CEO von UnitedHealthcare, Brian Thompson, erschossen zu haben. Die vier Anklagepunkte umfassen zwei Fälle von Stalking, einen wegen Waffenbesitzes sowie einen wegen Mordes mit einer Schusswaffe – letzterer könnte die Todesstrafe zur Folge haben. Zusätzlich laufen gegen Mangione Anklagen auf Bundesstaatsebene in New York (Mord und Terrorismus) sowie in Pennsylvania (Waffenbesitz und weitere Straftaten).
Mangione, ein 26-jähriger Absolvent einer Ivy-League-Universität aus wohlhabender Familie in Maryland, soll Thompson vor einem Hotel in New York erschossen haben. Der CEO befand sich dort zur jährlichen Investorenkonferenz von UnitedHealthcare. Nach einer großangelegten Fahndung wurde Mangione schließlich in einem McDonald’s in Altoona, Pennsylvania, festgenommen.
Die US-Justizministerin Pamela Bondi kündigte am 1. April an, dass sie die Bundesankläger beauftragt habe, die Todesstrafe zu fordern. Sie nannte die Tat eine „kaltblütige Hinrichtung, die Amerika erschüttert hat“ und verwies auf Präsident Trumps Agenda zur Bekämpfung gewalttätiger Kriminalität.
Verteidigung kritisiert Todesstrafen-Pläne
Mangiones Anwältin Karen Friedman Agnifilo bezeichnete die Forderung nach der Todesstrafe als „barbarisch“ und warf der Regierung vor, den Fall politisch zu instrumentalisieren. In einem Antrag vom 11. April forderte die Verteidigung, die Todesstrafe aus dem Verfahren zu streichen. Die Staatsanwaltschaft wolle „Mangione aus politischen Gründen töten“, hieß es in dem Schreiben.
Zudem argumentierte die Verteidigung, dass Bondis öffentliche Äußerungen – insbesondere ihre Aussage, sie fordere die Todesstrafe wegen der gesellschaftlichen Stellung des Opfers als CEO – eine faire Jury gefährdeten. Solche Motive seien nicht durch das US-Todesstrafenrecht gedeckt. Die Staatsanwaltschaft konterte, der Antrag sei verfrüht, da noch keine formelle Mitteilung über eine Todesstrafenforderung vorliege.
Symbolfall für Systemkritik
Der Fall hat landesweit für Aufsehen gesorgt – nicht nur wegen des prominenten Opfers, sondern auch wegen der Kritik am US-Gesundheitssystem, die sich mit Mangione verbindet. In sozialen Netzwerken äußerten viele Verständnis für seine Tat, da sie auf Missstände wie überhöhte Gesundheitskosten und abgelehnte Behandlungen aufmerksam mache. Inzwischen wurden über 900.000 Dollar an Spenden für Mangiones Verteidigung gesammelt, und er erhält laut Berichten Fanpost – darunter sogar Liebesbriefe.
Seit dem Mordfall verschärfen viele Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen, verzichten auf öffentliche Auftritte von Führungskräften und löschen deren Profile von Websites. Zuletzt wurde ein bewaffneter Mann vor dem UnitedHealthcare-Hauptsitz in Minnesota verhaftet, der Gewalt androhte. In einem anderen Fall wurden in Florida die Anklagen gegen eine Frau fallengelassen, die ähnliche Drohungen gegen einen Versicherer ausgesprochen hatte.
Ein Prozessbeginn auf Bundesebene steht noch aus, ein Termin für die Anklageverlesung wurde bislang nicht genannt.