Der insolvente Wohn- und Dekorationsartikelhändler Depot steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt. Das Unternehmen, das in den letzten Jahren als feste Größe im deutschen Einzelhandel galt, kündigt weitreichende Filialschließungen an. Mindestens ein Drittel der verbleibenden Geschäfte in Deutschland soll in den kommenden Wochen dichtmachen. Bereits im ersten Quartal 2025 wurden 45 Filialen geschlossen – im April und Mai sollen nun weitere 54 folgen. Das bestätigte Eigentümer Christian Gries, der das Unternehmen durch ein Eigenverwaltungsverfahren sanieren will. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Zahl noch weiter steigt.
Mit den Schließungen gehen massive Arbeitsplatzverluste einher: Schätzungen zufolge werden etwa 2.000 der rund 3.300 Mitarbeitenden betroffen sein. Für viele von ihnen kommt die Nachricht überraschend, obwohl sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens bereits seit längerer Zeit zuspitzte. Besonders in strukturschwachen Regionen, wo Depot-Filialen auch als lokale Arbeitgeber eine wichtige Rolle spielen, wiegt der Verlust schwer.
Depot ist Teil der Gries Deco Company, die sich über Jahrzehnte hinweg im Bereich Wohnaccessoires, Geschenkartikel und saisonale Dekoration etabliert hat. Die Filialen, oft in gut frequentierten Innenstadtlagen oder Einkaufszentren, galten lange Zeit als Inbegriff stilvoller Einrichtungsideen zu erschwinglichen Preisen. Doch der anhaltende Strukturwandel im Einzelhandel – verstärkt durch die Folgen der Corona-Pandemie, steigende Betriebskosten, Lieferkettenprobleme sowie ein verändertes Konsumverhalten – hat auch Depot schwer getroffen.
Schon im Jahr 2024 hatte sich das Unternehmen von 43 Standorten getrennt. Ende des Jahres zählte das Filialnetz in Deutschland nur noch 285 Geschäfte – ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Jahren. Mit den nun angekündigten zusätzlichen Schließungen wird der Filialbestand deutlich unter die 200er-Marke sinken. Beobachter sprechen von einer der einschneidendsten Restrukturierungsmaßnahmen im deutschen Einzelhandel seit Jahren.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung, die Depot im Januar 2025 beim Amtsgericht beantragt hatte, soll dem Unternehmen laut Gries die Möglichkeit geben, sich ohne externen Insolvenzverwalter selbst neu aufzustellen. Ziel sei es, das Geschäftsmodell grundlegend zu überarbeiten. Im Fokus steht dabei eine Fokussierung auf wirtschaftlich tragfähige Standorte und möglicherweise eine Stärkung des Onlinegeschäfts. Ob dieser Wandel gelingt, ist ungewiss – zumal die Konkurrenz im digitalen Raum groß ist, insbesondere durch Plattformen wie Amazon, H&M Home oder Zara Home, die ebenfalls im Segment „Wohnen & Dekorieren“ stark aufgestellt sind.
Neben den wirtschaftlichen Fragen stellt sich auch eine sozialpolitische: Wie kann der drohende Verlust tausender Arbeitsplätze abgefedert werden? Gewerkschaften und Sozialverbände fordern bereits Unterstützungsmaßnahmen für die Betroffenen, darunter Transfergesellschaften, Qualifizierungsangebote oder Auffanglösungen für ältere Beschäftigte.
Depot selbst kündigte an, die Mitarbeitenden „sozialverträglich“ in den Sanierungsprozess einzubeziehen. Doch bei vielen Betroffenen überwiegen derzeit Unsicherheit und Sorge – zumal es sich bei den Arbeitsplätzen vielfach um Stellen im Verkauf handelt, die vor Ort nur schwer zu ersetzen sind.
Auch für Kundinnen und Kunden bedeutet die Neuausrichtung einen tiefen Einschnitt: Viele beliebte Filialen werden verschwinden, das Einkaufserlebnis vor Ort geht verloren. Ob das Unternehmen diese Verluste durch ein stärkeres Online-Angebot kompensieren kann, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Der Fall Depot ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich der Einzelhandel in Deutschland derzeit im Wandel befindet. Stationäre Anbieter geraten zunehmend unter Druck, vor allem, wenn sie nicht schnell genug auf veränderte Kundenbedürfnisse und digitale Entwicklungen reagieren. Wie konsequent Depot diesen Wandel nun vollzieht – und ob der Spagat zwischen Erhalt der Marke und wirtschaftlicher Neuaufstellung gelingt – wird sich in den kommenden Monaten zeigen.