Mit seiner sprunghaften, konfrontativen Handelspolitik gräbt sich US-Präsident Donald Trump zunehmend in ein wirtschaftliches und politisches Loch, das womöglich nicht mehr zu verlassen ist, meint CNN-Analyst David Goldman.
Tarife als politisches Spiel – mit realen Folgen
Am Mittwochmorgen ließ Trump erneut aufhorchen: Zölle auf alle Stahl- und Aluminiumimporte weltweit, inklusive auf Verbündete wie Kanada, wurden beschlossen. Europa reagierte prompt mit Gegenmaßnahmen, und an den Börsen ging es erneut bergab – der Nasdaq befindet sich offiziell in einer Korrekturphase (10 % Rückgang), der S&P 500 droht zu folgen.
Trump hatte zuvor bereits mehrfach sogenannte „Off-Ramps“ genutzt – Verzögerungen bei Kanada- und Mexiko-Tarifen, ein Aufschub bei Milch- und Holzzöllen –, doch jeder Schritt nach vorn wird von zwei rückwärts begleitet. Er scheint süchtig nach der Drohung mit Zöllen, weil sie kurzfristig politische Konzessionen erbringen: Ontario etwa verzichtete nach einem Trump-Post auf geplante Stromaufschläge.
Wirtschaftsexperten warnen: Das wird zum Bumerang
„Der Präsident steht mit dem Rücken zur Wand, und jeder neue Zoll verschärft seine Lage“, warnt Simon Johnson (MIT).
„Wenn das so weitergeht, steigen die Preise, und die Wirtschaft bremst ab.“
An der Wall Street wächst die Sorge, Trump könnte die Wirtschaft in eine selbstverschuldete Rezession führen. Verbraucher und Unternehmen reagieren bereits: Große Einzelhändler wie Walmart, Target und Kohl’s warnen vor einem Konsumrückgang, und Delta Airlines halbierte seine Gewinnprognose.
Das paradoxe Versprechen: Inflation durch… Abschwung?
Ironischerweise könnte Trumps Strategie in einem Punkt „funktionieren“: Eine durch Zölle provozierte Rezession könnte die Inflation senken, einfach weil die Nachfrage zusammenbricht. Sogar der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, nannte dies eine „notwendige wirtschaftliche Erschütterung“.
Doch das wäre ein hoher Preis, vor allem für genau jene Menschen, die Trump aus wirtschaftlicher Verzweiflung gewählt haben.
„Diejenigen, die auf niedrigere Preise gehofft haben, werden nun bitter feststellen, dass alles teurer wird“, sagt Scott Lincicome vom Cato Institute.
„Es gibt keinen wirtschaftlichen oder politischen Ausweg mehr – außer die Zölle verschwinden.“
Widerstand in der Wirtschaft – und auf der Straße
Während Trump und Beraterin Karoline Leavitt behaupten, Zölle seien ein „Steuerschnitt für die Amerikaner“, sprechen die Fakten eine andere Sprache: Produktionskosten steigen, Verbraucherpreise ziehen an, Investitionen stocken.
Larry Summers, früherer US-Finanzminister, bringt es auf den Punkt:
„Diese Stahl- und Aluminiumzölle sind die schlechteste Handelspolitik, die man sich vorstellen kann. Sie erhöhen die Preise zentraler Vorprodukte und gefährden Millionen Jobs. Das ist eine selbst zugefügte Wunde.“
Fazit: Der Preis der Widersprüchlichkeit
Trumps Zolldiplomatie wirkt zunehmend irrational, selbstzerstörerisch und politisch isolierend. Die kurzfristige Taktik, Druck aufzubauen, hat die Märkte destabilisiert, die Inflation angeheizt – und einen Teufelskreis in Gang gesetzt, aus dem selbst seine engsten Berater kaum mehr einen Ausweg sehen.