Die Landwirtschaft Birkenhof Jürgen Schirra bietet Investoren die Möglichkeit, sich über Genussrechte am Unternehmen zu beteiligen. Dabei wird eine Rendite ab 3,5 % p.a. in Aussicht gestellt. Doch wie sicher ist diese Investition wirklich? Wir haben mit Rechtsanwalt Jens Reime, Experte für Kapitalmarktrecht, über die Chancen und Risiken gesprochen.
Herr Reime, Genussrechte sind oft riskante Beteiligungsmodelle. Wie bewerten Sie das Angebot der Landwirtschaft Birkenhof?
Jens Reime:
Genussrechte sind eine unternehmerische Beteiligung mit allen damit verbundenen Risiken. Anleger sollten sich bewusst sein, dass sie nicht nur am Gewinn, sondern auch am Verlust des Unternehmens teilnehmen.
Einige kritische Punkte:
- Die Rückzahlung erfolgt nur zum Buchwert – wenn das Unternehmen Verluste macht, kann dieser deutlich unter dem Einzahlungsbetrag liegen.
- Dividendenzahlungen sind nicht garantiert und hängen vom Jahresüberschuss ab.
- Die Mindestlaufzeit beträgt fünf Jahre, mit einer Kündigungsfrist von zwei Jahren – ein schneller Ausstieg ist nicht möglich.
Zudem gibt es keine Prospektpflicht, da das Angebot unter eine gesetzliche Ausnahme fällt. Das bedeutet, dass keine BaFin-geprüfte Transparenz über die finanzielle Lage des Unternehmens besteht.
Welche Risiken sollten Anleger besonders beachten?
Jens Reime:
Landwirtschaftliche Betriebe unterliegen hohen wirtschaftlichen Schwankungen – Wetterextreme, Marktpreise für Agrarprodukte und politische Rahmenbedingungen können erhebliche Auswirkungen haben.
Dazu kommt:
- Die zugesagte Rendite von 3,5 % ist nicht garantiert.
- Überschussdividenden hängen von der Geschäftsentwicklung ab – bleibt der Jahresüberschuss aus, gibt es keine Ausschüttung.
- Ein Agio von 3 % schmälert die tatsächliche Rendite bereits bei der Einzahlung.
Ein weiteres Problem ist die begrenzte Handelbarkeit von Genussrechten: Sollte ein Anleger aussteigen wollen, gibt es keinen freien Markt, auf dem er seine Beteiligung verkaufen kann.
Wäre eine andere Anlageform sicherer?
Jens Reime:
Grundsätzlich sind Genussrechte für Privatanleger mit geringer Risikotoleranz eher ungeeignet. Wer dennoch in die Landwirtschaft investieren möchte, sollte prüfen, ob direkte Sachwerte, z. B. Ackerland, eine sicherere Alternative sind.
Ihr abschließender Rat für Anleger?
Jens Reime:
Anleger sollten sehr genau prüfen, ob sie bereit sind, dieses Risiko einzugehen. Wer investiert, muss damit rechnen, dass die versprochene Rendite nicht gezahlt wird oder das Kapital ganz verloren geht.
Ich empfehle:
✔ Nur investieren, wenn Sie den Totalverlust finanziell verkraften können.
✔ Unabhängige Beratung einholen, bevor Sie sich langfristig binden.
✔ Alternative Anlageformen mit mehr Sicherheit in Betracht ziehen.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Reime!
Jens Reime:
Sehr gerne! Anleger sollten immer genau hinsehen, bevor sie sich für eine Beteiligung entscheiden.