Die jüngste Drohung von US-Präsident Donald Trump, hohe Zölle auf kanadische Importe zu erheben, hat in Kanada eine Welle der Empörung ausgelöst. Obwohl die geplanten 25 % Strafzölle vorerst um 30 Tage verschoben wurden, fühlen sich viele Kanadier in ihrer wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit bedroht.
Für viele ist das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner nachhaltig beschädigt – und das zeigt sich nicht nur in politischen Umfragen, sondern auch in persönlichen Entscheidungen.
„Etwas ist in uns allen zerbrochen“ – Kanadier reagieren mit Boykott
Für Monika Morelli aus Montreal war Trumps Zollankündigung der letzte Tropfen:
„Da ist etwas in uns allen zerbrochen. Nach Jahrhunderten der Freundschaft ist unsere Beziehung zu den USA unwiderruflich beschädigt.“
Ihre Konsequenz? Sie kündigte ihre Netflix- und Amazon-Abos, stornierte eine geplante Reise nach New Orleans und beschloss, so wenig US-Produkte wie möglich zu kaufen.
Und sie ist nicht allein:
- Supermärkte, Spirituosenläden und Unternehmen werben mit „Buy Canadian“-Kampagnen.
- Politiker rufen dazu auf, die eigene Wirtschaft zu stärken und Abhängigkeiten von den USA zu reduzieren.
- Einige Kanadier canceln Urlaubsreisen in die USA, um ein Zeichen zu setzen.
Carole Chandler, eine pensionierte Lehrerin aus Halifax, hat ihren Florida-Urlaub abgesagt:
„Ich liebe Amerika und Amerikaner. Aber ich will keiner sein.“
Trump: „Dann werdet doch einfach der 51. US-Bundesstaat“
Was den Ärger vieler Kanadier noch verstärkt hat, ist Trumps wiederholte Bemerkung, Kanada solle sich doch einfach als 51. Bundesstaat den USA anschließen – womöglich als Scherz gemeint, aber dennoch für viele ein Affront.
Für viele Kanadier, die ihren eigenen Staat als weltoffen und unabhängig sehen, kommt das einer Provokation gleich. Trumps Äußerungen wurden als Angriff auf die Souveränität Kanadas gewertet.
Starke Ablehnung der USA in Umfragen
Die angespannte Lage spiegelt sich auch in aktuellen Umfragen wider:
- 91 % der Kanadier wünschen sich eine geringere wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA.
- Mehr als die Hälfte der Befragten glauben, dass die USA-Kanada-Beziehungen kaum noch zu reparieren sind.
- Das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl in Kanada ist so stark wie seit der COVID-19-Pandemie nicht mehr.
Shachi Kurl vom Angus Reid Institut sieht darin eine „seltene Einheit in der kanadischen Gesellschaft“.
„Selbst Menschen, die politisch sonst völlig entgegengesetzt denken, sind sich hier einig: Die USA haben eine Grenze überschritten.“
Die Wirtschaft als Leidtragende
Trotz des wachsenden Nationalstolzes bleibt die wirtschaftliche Realität besorgniserregend:
- Die USA sind der größte Handelspartner Kanadas.
- Kanadische Exporte in die USA sind existenziell für viele Branchen, insbesondere die Auto- und Landwirtschaftsindustrie.
- Experten warnen, dass die geplanten Zölle eine Rezession in Kanada auslösen könnten.
Einige kanadische Provinzen versuchen daher, wirtschaftliche Alternativen zu schaffen. Manitoba investiert 140.000 kanadische Dollar in eine „Buy Local“-Kampagne, um den Konsum innerhalb Kanadas zu stärken.
Premierminister Justin Trudeau hält sich bisher mit drastischen Gegenmaßnahmen zurück. Doch die Stimmen für eine stärkere Diversifizierung der kanadischen Handelsbeziehungen – weg von den USA, hin zu Europa oder Asien – werden immer lauter.
Fazit: Eine Beziehung auf der Kippe
Die USA und Kanada sind historisch eng verflochten – wirtschaftlich, kulturell und familiär. Doch Trumps neueste Zollpolitik könnte eine tiefere Kluft schaffen als je zuvor.
Ob die Krise zu einem langfristigen Bruch führt oder mit einem politischen Wechsel in den USA wieder entschärft wird, bleibt abzuwarten.
Bis dahin setzen viele Kanadier auf das, was sie am besten können: ruhigen, aber entschlossenen Widerstand.
„Wir hängen keine riesigen Flaggen auf wie die Amerikaner“, sagt Carole Chandler. „Aber unser Patriotismus ist tief verwurzelt.“