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Crowdfunding: So funktioniert die Schwarmfinanzierung – und diese Risiken sollten Verbraucher kennen

Tumisu (CC0), Pixabay

Viele Menschen geben kleine Beträge, damit gemeinsam ein Projekt finanziert werden kann: Dieses Prinzip nennt sich Crowdfunding oder Schwarmfinanzierung. Unterstützt werden beispielsweise Bücher, Filme, Musik, Software oder neue Produkte. Doch Verbraucher sollten genau unterscheiden: Crowdfunding ist grundsätzlich etwas anderes als Crowdinvesting. Bei letzterem handelt es sich um eine Geldanlage, bei der im schlimmsten Fall sogar der vollständige Einsatz verloren gehen kann.

Crowdfunding hat sich im Internet als alternative Finanzierungsmöglichkeit etabliert.

Statt einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen oder einen einzelnen großen Investor zu suchen, wenden sich Projektinitiatoren direkt an eine Vielzahl von Menschen.

Jeder gibt einen vergleichsweise kleinen Betrag – gemeinsam finanziert der „Schwarm“ das Projekt.

Doch bevor Geld überwiesen wird, sollten einige Punkte geklärt werden.

Was bedeutet Crowdfunding?

Beim klassischen Crowdfunding geht es darum, ein bestimmtes Vorhaben finanziell zu ermöglichen.

Das kann beispielsweise ein Film, ein Buch, ein Musikalbum, eine Software oder ein soziales Projekt sein.

Über eine Internetplattform stellen die Verantwortlichen ihre Idee vor und erklären, wie viel Geld sie benötigen.

Interessierte können anschließend einen Betrag beisteuern.

Der entscheidende Punkt:

Beim klassischen Crowdfunding steht normalerweise nicht die finanzielle Rendite im Vordergrund.

Wer Geld gibt, erwartet also nicht wie bei einer Geldanlage Zinsen oder Dividenden.

Was bekommen Unterstützer für ihr Geld?

Völlig ohne Gegenleistung muss Crowdfunding trotzdem nicht funktionieren.

Projektinitiatoren bieten häufig ein „Dankeschön“ an.

Bei einem Buchprojekt kann dies beispielsweise ein signiertes Exemplar sein. Bei einem Film können Unterstützer vorab Einblicke erhalten oder im Abspann erwähnt werden.

Bei Musikprojekten sind besondere Editionen, früher Zugang zu Veröffentlichungen oder andere Privilegien denkbar.

Häufig richtet sich die Gegenleistung nach der Höhe des gezahlten Betrags.

Wer mehr beiträgt, erhält dann möglicherweise ein höherwertiges Dankeschön.

Crowdfunding ist keine klassische Geldanlage

Genau hier liegt ein entscheidender Unterschied zu vielen Angeboten, die ebenfalls mit dem Begriff „Schwarmfinanzierung“ beworben werden.

Beim klassischen Crowdfunding steht die Unterstützung eines Projekts im Mittelpunkt.

Es geht nicht darum, das eingesetzte Geld mit Zinsen zurückzubekommen.

Verbraucher sollten deshalb einen Betrag nur dann einsetzen, wenn sie damit leben können, dass das Projekt möglicherweise nicht wie geplant umgesetzt wird.

Was passiert, wenn nicht genügend Geld zusammenkommt?

Diese Frage sollte unbedingt vor der Zahlung beantwortet werden.

Angenommen, für ein Projekt werden 100.000 Euro benötigt, am Ende kommen aber lediglich 40.000 Euro zusammen.

Wird das Geld dann zurückgezahlt?

Oder darf der Projektinitiator trotzdem darüber verfügen?

Das hängt von den Regeln der jeweiligen Plattform und des konkreten Projekts ab.

Verbraucher sollten deshalb prüfen, ob ein festes Finanzierungsziel existiert und was geschieht, wenn dieses nicht erreicht wird.

Die entsprechenden Regelungen finden sich häufig in den Projektbedingungen oder Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Plattform.

Was passiert, wenn das Projekt später scheitert?

Auch ein erfolgreich finanziertes Crowdfunding-Projekt kann anschließend scheitern.

Dass genügend Geld eingesammelt wurde, bedeutet nicht automatisch, dass beispielsweise ein Produkt tatsächlich hergestellt, ein Film fertiggestellt oder ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut wird.

Kosten können höher ausfallen als erwartet.

Lieferketten können Probleme verursachen.

Ein junges Unternehmen kann zahlungsunfähig werden.

Oder die ursprüngliche Idee stellt sich als technisch nicht umsetzbar heraus.

Verbraucher sollten deshalb bereits vorher klären, welche Rechte sie besitzen, wenn das Projekt nicht wie versprochen realisiert wird.

Crowdfunding ist nicht dasselbe wie Crowdinvesting

Besonders wichtig ist die Abgrenzung zum Crowdinvesting.

Beide Begriffe werden häufig gemeinsam verwendet, obwohl dahinter unterschiedliche Modelle stehen.

Beim Crowdfunding lautet der Grundgedanke vereinfacht:

Ich unterstütze ein Projekt.

Beim Crowdinvesting lautet er dagegen:

Ich investiere Geld und erwarte eine finanzielle Gegenleistung.

Beim Crowdinvesting hoffen Anleger beispielsweise auf Zinsen oder andere Erträge.

Damit handelt es sich um eine Geldanlage – und Geldanlagen können Verluste verursachen.

Beim Crowdinvesting ist ein Totalverlust möglich

Dieser Punkt wird bei attraktiven Renditeversprechen leicht übersehen.

Wer Geld über Crowdinvesting in ein Unternehmen oder Projekt steckt, sollte damit rechnen, dass die Investition scheitern kann.

Im schlimmsten Fall kann das eingesetzte Kapital vollständig verloren gehen.

Deshalb sollte Crowdinvesting niemals mit Tagesgeld, Festgeld oder einem klassischen Sparkonto gleichgesetzt werden.

Eine beworbene hohe Verzinsung ist kein Geschenk.

Sie kann vielmehr Ausdruck eines entsprechend hohen Risikos sein.

Hohe Renditen sollten skeptisch machen

Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn ein Angebot gleichzeitig mit hoher Rendite und großer Sicherheit wirbt.

Anleger sollten sich immer fragen:

Warum muss der Anbieter so hohe Zinsen zahlen?

Wenn eine Finanzierung über klassische Banken oder den Kapitalmarkt zu wesentlich niedrigeren Kosten möglich wäre, muss es einen Grund geben, warum Anleger mit besonders hohen Renditeversprechen angelockt werden.

Eine hohe Rendite bedeutet nicht automatisch, dass ein Angebot unseriös ist.

Sie sollte aber Anlass sein, das Risiko besonders sorgfältig zu untersuchen.

Vorsicht vor Schneeballsystemen

Unter Begriffen wie Crowdfunding oder Online-Investment können im Internet auch unseriöse Angebote auftauchen.

Besonders gefährlich sind vermeintliche Geschäftsmodelle, die außergewöhnlich hohe und angeblich sichere Gewinne versprechen.

Im schlimmsten Fall kann dahinter ein Schneeballsystem stehen.

Dabei stammen Auszahlungen an frühere Teilnehmer nicht aus einem nachhaltig erwirtschafteten Gewinn, sondern zumindest teilweise aus dem Geld neuer Teilnehmer.

Solche Systeme können eine Zeit lang funktionieren.

Wenn jedoch nicht mehr genügend neues Geld hineinfließt, brechen sie zusammen.

Die später eingestiegenen Anleger können dann große Teile ihres Geldes verlieren.

Professionelle Internetseiten sind kein Beweis für Seriosität

Ein modernes Internetportal, ein professionelles Werbevideo oder zahlreiche positive Bewertungen sagen allein wenig darüber aus, ob ein Angebot wirtschaftlich solide ist.

Verbraucher sollten deshalb prüfen, wer tatsächlich hinter einem Projekt steht.

Wer ist der Vertragspartner?

Gibt es eine nachvollziehbare Anschrift?

Wer erhält das Geld?

Was soll damit konkret finanziert werden?

Welche Erfahrungen haben die Verantwortlichen?

Und welche Rechte besitzt der Geldgeber?

Je höher der eingesetzte Betrag, desto wichtiger wird diese Prüfung.

Auch die Crowdfunding-Plattform prüfen

Nicht nur der Projektanbieter verdient Aufmerksamkeit.

Auch die Plattform selbst sollte betrachtet werden.

Verbraucher sollten beispielsweise wissen, welche Aufgabe sie übernimmt und was mit eingezahltem Geld geschieht, solange die Finanzierung läuft.

Wichtig ist außerdem die Frage, ob die Plattform Projekte lediglich veröffentlicht oder darüber hinaus bestimmte Prüfungen vornimmt.

Eine Aufnahme auf einer Crowdfunding-Plattform sollte nicht automatisch als Qualitätssiegel verstanden werden.

Kein automatisches Mitspracherecht

Wer ein Projekt finanziell unterstützt, bekommt dadurch normalerweise nicht automatisch Einfluss auf dessen weitere Entwicklung.

Das gilt besonders beim klassischen Crowdfunding.

Ein Unterstützer kann sich emotional als Teil des Projekts fühlen, besitzt deshalb aber nicht automatisch Stimm- oder Mitspracherechte.

Auch beim Crowdinvesting hängen solche Rechte vollständig von der jeweiligen Vertragsgestaltung ab.

Deshalb sollten Anleger nicht mehr Einfluss erwarten, als ihnen tatsächlich vertraglich zugesichert wurde.

Ist Crowdfunding steuerlich eine Spende?

Auch hier ist Vorsicht bei den Begriffen angebracht.

Crowdfunding kann einer Spende ähneln.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Zahlung steuerlich als Spende abgesetzt werden kann.

Wer einen steuerlichen Vorteil erwartet, sollte vorher prüfen, ob der Empfänger überhaupt berechtigt ist, eine entsprechende Zuwendungsbestätigung auszustellen.

Die bloße Bezeichnung als „Spende“ reicht dafür nicht automatisch aus.

Produkt-Crowdfunding ist ebenfalls mit Risiken verbunden

Eine inzwischen verbreitete Variante ist die Vorfinanzierung neuer Produkte.

Ein Unternehmen präsentiert beispielsweise ein technisches Gerät, sammelt Geld für dessen Produktion ein und verspricht Unterstützern später ein Exemplar.

Das kann interessant sein, ist aber nicht mit dem Kauf eines bereits verfügbaren Produkts gleichzusetzen.

Zwischen einem funktionierenden Prototyp und einer erfolgreichen Serienproduktion können erhebliche Schwierigkeiten liegen.

Ein beeindruckendes Präsentationsvideo beweist deshalb nicht, dass das Produkt später tatsächlich in der gezeigten Form ausgeliefert werden kann.

Nicht vom Zeitdruck beeinflussen lassen

Auch beim Crowdfunding werden psychologische Verkaufsmethoden eingesetzt.

Ein Countdown, eine vermeintlich begrenzte Stückzahl oder Hinweise wie „fast vollständig finanziert“ können den Eindruck erzeugen, dass sofort gehandelt werden müsse.

Verbraucher sollten sich davon nicht unter Druck setzen lassen.

Vor allem bei größeren Beträgen gilt:

Erst Bedingungen lesen, dann bezahlen.

Diese Fragen sollten vor einer Beteiligung beantwortet sein

Vor einer Zahlung sollte klar sein, wer das Geld erhält, wofür es verwendet wird und welche Gegenleistung tatsächlich zugesagt wurde.

Ebenso wichtig ist zu wissen, was passiert, wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird oder das Projekt nach erfolgreicher Finanzierung scheitert.

Bei Crowdinvesting kommen weitere Fragen hinzu: Welche Rendite wird versprochen? Welche Laufzeit gilt? Wann erfolgt die Rückzahlung? Welche Risiken bestehen? Und was passiert bei einer Insolvenz?

Sind diese Punkte nicht verständlich erklärt, sollte kein Geld investiert werden.

Crowdfunding oder Crowdinvesting – der Unterschied auf einen Blick

Die wichtigste Unterscheidung lässt sich einfach zusammenfassen:

Crowdfunding: Viele Menschen unterstützen gemeinsam ein Projekt. Statt einer finanziellen Rendite gibt es häufig Sachleistungen, besondere Produkte oder Privilegien.

Crowdinvesting: Viele Anleger stellen Kapital zur Verfügung und erwarten dafür eine finanzielle Rendite. Dafür tragen sie ein entsprechendes Verlustrisiko – bis hin zum möglichen Totalverlust.

Wer diese beiden Modelle auseinanderhält, kann viele Missverständnisse bereits vor der Zahlung vermeiden.

 

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