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Krypto-Falle statt Wettgewinn: So locken dubiose Prognoseplattformen Nutzer in die Falle

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

Wer wird Weltmeister? Wie entwickelt sich ein politisches Ereignis? Wann tritt ein bestimmtes Szenario ein? Sogenannte Prediction Markets und Prognoseplattformen machen aus solchen Fragen ein Geschäft: Nutzer setzen Geld oder Kryptowährungen auf den Ausgang zukünftiger Ereignisse.

Doch zwischen regulären Angeboten und professionell aufgemachten Internetseiten können sich hochriskante oder betrügerische Modelle verbergen.

Sicherheitsforscher von Malwarebytes haben entsprechende Angebote im Umfeld der Fußball-WM 2026 untersucht. Das Ergebnis zeigt, wie unterschiedlich die Methoden sein können: Bei manchen Modellen wird Kryptowährung eingezahlt und die Plattform verschwindet anschließend. In anderen Fällen erhalten Nutzer Token, die sich kaum oder gar nicht wieder verkaufen lassen. Wieder andere Konstruktionen können den Eindruck reger Handelsaktivität erwecken, obwohl die tatsächliche Nachfrage gering ist.

Für Nutzer kann am Ende dasselbe Ergebnis stehen: Das eingesetzte Geld ist weg.

Der Köder ist die Prognose

Das Prinzip wirkt zunächst einfach. Eine Website greift ein Ereignis auf, über das ohnehin Millionen Menschen sprechen. Rund um eine Fußball-Weltmeisterschaft bietet sich beispielsweise die Frage nach dem späteren Sieger an.

Der Nutzer gibt seinen Tipp ab und soll anschließend Kryptowährung einsetzen, einen bestimmten Token erwerben oder andere Voraussetzungen erfüllen, um teilnehmen zu können.

Genau hier lohnt sich ein genauer Blick.

Malwarebytes untersuchte beispielsweise Prognoseangebote rund um die WM 2026. Die Forscher betonen ausdrücklich, dass es sich nicht um eine einzige einheitliche Betrugsmasche handelt und nicht jede Website nach demselben Prinzip funktioniert.

Sie beschreiben jedoch mehrere wiederkehrende Risikomuster.

Masche Nummer eins: Geld einzahlen – Plattform verschwindet

Das einfachste Modell ist gleichzeitig eines der gefährlichsten.

Der Nutzer soll Kryptowährung einzahlen, um an einer Wette oder einem Prognosespiel teilnehmen zu können. Nach der Übertragung behält die Seite das Geld – und verschwindet beziehungsweise reagiert nicht mehr.

Das Problem: Krypto-Transaktionen lassen sich in aller Regel nicht so einfach zurückholen wie beispielsweise eine noch nicht endgültig ausgeführte klassische Banktransaktion.

Wer Kryptowährung selbst an eine bestimmte Adresse sendet, kann deshalb vor erheblichen Schwierigkeiten stehen, wenn sich das Angebot anschließend als unseriös herausstellt.

Masche Nummer zwei: Der angebliche Gewinn ist kaum etwas wert

Eine andere Variante ist subtiler.

Der Nutzer bekommt möglicherweise tatsächlich etwas ausgezahlt – allerdings in Form eines Tokens.

Das bedeutet noch lange nicht, dass daraus ein realisierbarer Gewinn entsteht. Malwarebytes weist darauf hin, dass ein solcher Token schwer oder sogar unmöglich zu verkaufen sein kann.

Auf dem Bildschirm kann damit zwar ein bestimmter Wert erscheinen. Entscheidend ist jedoch, ob es tatsächlich einen liquiden Markt und Käufer für den Token gibt.

Ein angezeigter Tokenbestand ist nicht automatisch dasselbe wie verfügbares Geld.

Masche Nummer drei: Das vermeintlich kostenlose Spiel

Auch das Wort „kostenlos“ kann täuschen.

Ein Prognosespiel wird beispielsweise zunächst als kostenlos beworben. Um tatsächlich teilnehmen zu können, müssen Nutzer dann aber einen bestimmten Token kaufen oder halten.

Das Spiel kann damit vor allem einen Zweck erfüllen: Nachfrage nach dem jeweiligen Token zu erzeugen.

Für Verbraucher ist deshalb entscheidend, nicht nur auf die eigentliche Prognose oder das Gewinnversprechen zu schauen, sondern sich zu fragen, womit die Betreiber tatsächlich Geld verdienen.

Masche Nummer vier: Bekannte Namen schaffen Vertrauen

Ein weiterer von Malwarebytes beschriebener Ansatz sind Bezeichnungen, die bereits bekannten Kryptowährungen ähneln.

Ein neuer Token kann dadurch auf den ersten Blick vertrauter wirken, als er tatsächlich ist.

Gerade bei Kryptowährungen sollten Nutzer deshalb nicht nur auf den Namen oder das Logo schauen. Entscheidend ist unter anderem, welcher konkrete Token beziehungsweise Smart Contract tatsächlich hinter dem Angebot steht.

Namensähnlichkeit bedeutet keine wirtschaftliche oder technische Verbindung.

Wenn Handelsaktivität größer aussieht, als sie ist

Besonders interessant ist eine weitere Beobachtung der Sicherheitsforscher.

Bei einem untersuchten Token stellte Malwarebytes wiederholte Transaktionen fest, bei denen identische Mengen über eine zentrale Wallet bewegt wurden. Die Forscher konnten entsprechende Muster über mehr als ein Dutzend Adressen nachvollziehen.

Dadurch kann auf Charts der Eindruck eines aktiven Marktes entstehen.

Für Nutzer ist das gefährlich: Ein hohes dargestelltes Handelsvolumen kann Vertrauen erzeugen und suggerieren, dass viele andere Marktteilnehmer den betreffenden Token kaufen und verkaufen.

Genau deshalb empfehlen die Forscher, nicht ausschließlich auf das angezeigte Handelsvolumen zu achten, sondern auch die Transferhistorie und die Zahl der tatsächlichen Tokenhalter zu betrachten.

Die WM 2026 als perfekter Köder

Dass ausgerechnet eine Fußball-Weltmeisterschaft für solche Modelle interessant ist, überrascht kaum.

Großereignisse erzeugen Aufmerksamkeit, Emotionen und Zeitdruck. Millionen Menschen suchen gleichzeitig nach Tickets, Fanartikeln, Streams, Gewinnspielen, Wetten und Prognosen.

Malwarebytes beobachtete rund um die WM 2026 eine ganze Reihe entsprechender Risiken.

Bereits in einer früheren Untersuchung hatten die Sicherheitsforscher vor Websites gewarnt, die WM-Marken und vermeintliche Verbindungen zum Turnier nutzen. Bei untersuchten Krypto-Angeboten bestand laut Malwarebytes unter anderem das Risiko, nichts zu erhalten, einen kaum handelbaren Token zu bekommen oder eine Transaktion zu bestätigen, die problematische Wallet-Berechtigungen beinhaltet.

Auch bei Prognose- und Preispool-Seiten stellten die Forscher teilweise fehlende Transparenz fest – beispielsweise keine sichtbare Lizenz, keine eindeutig erkennbare Zuständigkeit und keine von außen überprüfbare Garantie, dass angekündigte Auszahlungen tatsächlich erfolgen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jede derartige Prognoseplattform betrügerisch ist. Es zeigt aber, warum Nutzer den Betreiber und das konkrete Geschäftsmodell überprüfen sollten, bevor sie Kryptowährung einsetzen.

Vorsicht beim Verbinden der Wallet

Ein zusätzlicher Risikofaktor bei Krypto-Websites sind Wallet-Verbindungen und Berechtigungen.

Das bloße Verbinden einer Wallet ist dabei von einer tatsächlichen Freigabe oder signierten Transaktion zu unterscheiden. Entscheidend ist, welche Berechtigungen ein Nutzer anschließend bestätigt.

Problematisch können insbesondere sogenannte Spending Approvals sein. Damit kann einem Smart Contract die Berechtigung eingeräumt werden, bestimmte Token zu übertragen.

Deshalb sollte niemals ungeprüft bestätigt werden, was eine unbekannte Website im Wallet-Fenster verlangt.

Auch das spätere Trennen einer Website von der Wallet muss nicht automatisch bedeuten, dass zuvor erteilte Ausgabeberechtigungen ebenfalls widerrufen wurden.

Diese Warnzeichen sollten Nutzer ernst nehmen

Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn mehrere Auffälligkeiten zusammenkommen: Vor der eigentlichen Nutzung muss bereits Kryptowährung gekauft oder eingezahlt werden, der Betreiber bleibt unklar, angebliche offizielle Partnerschaften lassen sich nicht unabhängig bestätigen oder Countdown-Timer und angeblich begrenzte Plätze erzeugen künstlichen Zeitdruck.

Auch außergewöhnliche Gewinnversprechen sollten nicht dazu führen, grundlegende Prüfungen zu überspringen.

Bei einem Token lohnt zudem der Blick darauf, wie viele unterschiedliche Wallets ihn tatsächlich halten und wie die Transferhistorie aussieht.

Bereits Kryptowährung überwiesen? Nicht noch mehr hinterherschicken

Besonders wichtig ist ein Hinweis der Malwarebytes-Forscher für Menschen, die möglicherweise bereits auf ein problematisches Angebot hereingefallen sind.

Fordert die Plattform plötzlich eine weitere Zahlung, um einen angeblichen Gewinn, eine Auszahlung oder Rückerstattung freizuschalten, sollte nicht einfach weiteres Geld überwiesen werden.

Denn gerade die Hoffnung, das bereits eingesetzte Kapital noch retten zu können, kann Betroffene zu weiteren Zahlungen bewegen.

Wer einer unbekannten Anwendung Wallet-Berechtigungen erteilt hat, sollte außerdem prüfen, welche Freigaben noch bestehen, und nicht mehr benötigte Berechtigungen widerrufen. Malwarebytes weist darauf hin, dass das reine Trennen einer Anwendung von der Wallet bereits erteilte Spending Approvals nicht zwangsläufig beseitigt.

Professionelles Design ist kein Sicherheitsnachweis

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Eine moderne Website sagt wenig darüber aus, wer tatsächlich dahintersteht.

Krypto-Angebote können professionell gestaltet sein, Charts anzeigen, Tokenkurse präsentieren und mit vermeintlichen Nutzerzahlen oder großen Gewinnpools werben.

Entscheidend sind andere Fragen: Wer betreibt die Plattform? In welchem Land sitzt der Betreiber? Welche Regeln gelten? Gibt es eine überprüfbare Lizenz, falls eine solche für das Angebot erforderlich ist? Wie funktioniert die Auszahlung? Welchen wirtschaftlichen Zweck hat der verwendete Token? Und welche Rechte erhält ein Smart Contract auf die eigene Wallet?

Wer diese Fragen nicht beantworten kann, sollte sehr genau überlegen, ob er Kryptowährung an eine unbekannte Plattform überträgt.

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