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KNE Windpark Nr. 12 in Liquidation: Anlagen verkauft – trotzdem noch 105.643 Euro Gewinn

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Die KNE Windpark Nr. 12 GmbH & Co. KG befindet sich in Liquidation – und weist für 2025 dennoch einen Jahresüberschuss von 105.642,90 Euro aus.

Das klingt zunächst nach einem ungewöhnlichen Ergebnis für eine Gesellschaft, deren wesentliche Geschäftsgrundlage bereits verschwunden ist. Denn die Photovoltaikanlagen des Unternehmens wurden schon im Geschäftsjahr 2024 verkauft. Anschließend beschlossen die Gesellschafter am 19. Dezember 2024 die Auflösung der Gesellschaft mit Ablauf des Jahres. Seit dem 1. Januar 2025 läuft damit die Abwicklung.

Der Jahresabschluss zeigt, was nach dem Verkauf der Anlagen noch übrig ist: vor allem liquide Mittel, Rückstellungen und ein erhebliches Eigenkapital.

Photovoltaikanlagen bereits 2024 verkauft

Der wichtigste Hinweis findet sich im Anhang des Jahresabschlusses.

Dort erklärt die Gesellschaft ausdrücklich, dass die Photovoltaikanlagen als wesentliche Geschäftsgrundlage im Jahr 2024 veräußert wurden.

Auf Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 19. Dezember 2024 wurde das Unternehmen anschließend mit Ablauf des 31. Dezember 2024 aufgelöst.

Diese Information verändert die Einordnung des gesamten Abschlusses.

Es handelt sich 2025 nicht mehr um die Bilanz eines normal fortgeführten Energieprojekts. Entsprechend wird der Abschluss auch nicht mehr unter der handelsrechtlichen Annahme einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufgestellt.

Die Abkürzung „i. L.“ im Firmennamen steht dementsprechend für „in Liquidation“.

Bilanz besteht fast vollständig aus Bankguthaben

Das zeigt sich eindrucksvoll auf der Aktivseite.

Die gesamte Bilanzsumme beträgt zum 31. Dezember 2025 nur noch rund 1,288 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es rund 1,292 Millionen Euro.

Davon entfallen rund 1,284 Millionen Euro auf Guthaben bei Kreditinstituten. Ende 2024 waren es rund 1,144 Millionen Euro.

Damit bestehen rechnerisch rund 99,7 Prozent der gesamten Aktiva aus Bankguthaben.

Sachanlagen werden in der vorliegenden Bilanz dagegen nicht mehr ausgewiesen.

Das passt zur bereits 2024 erfolgten Veräußerung der Photovoltaikanlagen.

Forderungen nahezu vollständig abgebaut

Auch bei den Forderungen ist die Abwicklung deutlich erkennbar.

Ende 2024 standen noch rund 148.103 Euro sonstige Vermögensgegenstände in der Bilanz. Ende 2025 waren es nur noch 95 Euro.

Neu beziehungsweise wieder ausgewiesen werden Forderungen gegen verbundene Unternehmen von rund 3.852 Euro. Insgesamt liegen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände damit nur noch bei knapp 3.947 Euro.

Der starke Rückgang der sonstigen Vermögensgegenstände hängt wesentlich mit Forderungen gegenüber dem Finanzamt zusammen.

Nach Angaben im Anhang waren darin Ende 2025 nur noch rund 100 Euro Forderungen gegen das Finanzamt enthalten. Im Vorjahr waren es noch rund 148.100 Euro.

Keine Verbindlichkeiten mehr ausgewiesen

Besonders bemerkenswert ist die Passivseite.

Dort werden Ende 2025 neben dem Eigenkapital nur noch Rückstellungen ausgewiesen. Verbindlichkeiten erscheinen in der dargestellten Bilanz nicht mehr.

Das Eigenkapital beträgt rund 1,177 Millionen Euro, hinzu kommen Rückstellungen von rund 110.232 Euro. Zusammen entsprechen diese Positionen der Bilanzsumme von rund 1,288 Millionen Euro.

Rechnerisch ergibt sich damit eine Eigenkapitalquote von rund 91,4 Prozent.

Für eine Gesellschaft in Liquidation ist allerdings weniger eine klassische Eigenkapitalquote entscheidend als die Frage, welche Verpflichtungen noch abgewickelt werden müssen und welcher Vermögenswert am Ende tatsächlich für die Gesellschafter verbleibt.

105.643 Euro Gewinn trotz Liquidation

Interessant ist insbesondere das Jahresergebnis.

Die Gesellschaft weist für 2025 einen Jahresüberschuss von 105.642,90 Euro aus.

Im Vorjahr lag der ausgewiesene Jahresüberschuss noch bei rund 1,221 Millionen Euro.

Ein unmittelbarer Vergleich der beiden Jahre ist wirtschaftlich allerdings nur eingeschränkt sinnvoll, weil 2024 der Verkauf der wesentlichen Geschäftsgrundlage erfolgte und die Gesellschaft seit 2025 abgewickelt wird.

Die Liquidatoren schlagen vor, den Gewinn von 105.642,90 Euro auf neue Rechnung vorzutragen.

Eine Ausschüttung dieses Jahresüberschusses wird im vorliegenden Abschluss damit nicht vorgeschlagen.

Steuerauflösung trägt erheblich zum Ergebnis bei

Woher kommt der Gewinn einer Gesellschaft, deren Photovoltaikanlagen bereits verkauft wurden?

Der Anhang liefert zumindest einen wichtigen Hinweis.

In den Steuern vom Einkommen und vom Ertrag sind periodenfremde Erträge von rund 107.700 Euro enthalten. Sie resultieren aus der Auflösung einer Gewerbesteuerrückstellung.

Dieser Betrag liegt sogar geringfügig über dem gesamten Jahresüberschuss von rund 105.643 Euro.

Das ist für die Interpretation des Ergebnisses entscheidend.

Der Gewinn 2025 sollte deshalb nicht als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Gesellschaft mit ihren früheren Photovoltaikanlagen weiterhin operativ Geld verdient hätte. Diese Anlagen waren bereits verkauft.

Vielmehr wird das Ergebnis der Liquidationsphase unter anderem erheblich durch die Auflösung der Gewerbesteuerrückstellung beeinflusst.

Steuerrückstellungen halbieren sich

Passend dazu sind die Steuerrückstellungen deutlich zurückgegangen.

Ende 2024 lagen sie noch bei 211.000 Euro. Zum 31. Dezember 2025 waren es nur noch 103.320 Euro.

Die sonstigen Rückstellungen reduzierten sich ebenfalls, allerdings wesentlich moderater: von rund 9.087 auf rund 6.912 Euro.

Diese setzen sich hauptsächlich aus Rückstellungen für Jahresabschlussprüfung, Steuererklärungen, IHK-Beiträge und Aufwandserstattungen zusammen.

Die verbleibenden Positionen passen damit weitgehend zu den administrativen Aufgaben einer Gesellschaft, die sich in der Abwicklung befindet.

Mehr als eine Million Euro Gewinn aus dem Vorjahr vorgetragen

Auch die Eigenkapitalstruktur hat sich stark verändert.

Das eigentliche Kommanditkapital beträgt lediglich 10.000 Euro und ist vollständig eingezahlt.

Hinzu kommt Ende 2025 allerdings ein Gewinnvortrag von rund 1,062 Millionen Euro sowie der Jahresüberschuss von rund 105.643 Euro.

Damit summiert sich das ausgewiesene Eigenkapital auf rund 1,177 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Für das Vorjahr zeigt die angepasste Darstellung ein Kapitalkonto von 10.000 Euro, einen Verlustvortrag von rund 159.232 Euro und einen Jahresüberschuss von rund 1,221 Millionen Euro.

Der Abschluss weist ausdrücklich darauf hin, dass 2025 die Darstellung des Eigenkapitals an die Regelungen des Gesellschaftsvertrages angepasst und das Vorjahr entsprechend geändert wurde.

Kaum noch finanzielle Verpflichtungen

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Liquidation sind Verpflichtungen, die nicht direkt in der Bilanz erscheinen.

Auch hier ist der Umfang inzwischen überschaubar.

Zum Bilanzstichtag bestanden laut Anhang nicht bilanzierte beziehungsweise nicht vermerkte finanzielle Verpflichtungen gegenüber Dritten von lediglich 4.400 Euro.

Haftungsverhältnisse bestanden nicht.

Auf Grundlage dieser veröffentlichten Zahlen erscheint die Bilanz damit weitgehend auf liquide Mittel und die noch abzuwickelnden Steuer- und Verwaltungssachverhalte reduziert.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der gesamte Bankbestand an die Gesellschafter verteilt werden könnte. Vor einer endgültigen Liquidationsauskehr müssen sämtliche noch bestehenden Verpflichtungen berücksichtigt und die gesetzlichen Voraussetzungen der Abwicklung erfüllt werden.

1,28 Millionen Euro auf dem Konto – aber wem gehört das Geld am Ende?

Genau hier liegt die interessanteste Frage des Abschlusses.

Auf der Aktivseite stehen rund 1,284 Millionen Euro Bankguthaben. Auf der Passivseite stehen dem vor allem rund 1,177 Millionen Euro Eigenkapital und rund 110.000 Euro Rückstellungen gegenüber.

Die Bilanz vermittelt damit das Bild einer Gesellschaft, deren operatives Vermögen bereits verkauft und deren verbleibendes Vermögen inzwischen nahezu vollständig liquide ist.

Wie viel davon nach vollständiger Abwicklung tatsächlich an die Gesellschafter ausgekehrt wird, lässt sich aus dem Jahresabschluss jedoch nicht bestimmen.

Dafür ist entscheidend, welche Steuerzahlungen, Abwicklungskosten und sonstigen Verpflichtungen noch entstehen beziehungsweise endgültig feststehen.

WEMAG-Tochter übernimmt die Liquidation

Die Gesellschaft gehört zum Konsolidierungskreis der WEMAG AG.

Bis Ende 2024 lag die Geschäftsführung bei der WEMAG Wind Energie GmbH.

Seit dem 1. Januar 2025 ist diese Gesellschaft als alleinige Liquidatorin bestellt.

Eigene Beschäftigte hat die KNE Windpark Nr. 12 GmbH & Co. KG nicht.

Fazit: Der Windpark ist Geschichte – jetzt geht es um die Verteilung des Restvermögens

Der Jahresabschluss 2025 der KNE Windpark Nr. 12 GmbH & Co. KG i. L. unterscheidet sich fundamental von einem gewöhnlichen Windparkabschluss.

Die Photovoltaikanlagen als wesentliche Geschäftsgrundlage wurden bereits 2024 verkauft. Seit Anfang 2025 befindet sich die Gesellschaft in Liquidation.

Trotzdem entstand 2025 noch ein Jahresüberschuss von 105.642,90 Euro. Dieser sollte jedoch nicht mit einem laufenden operativen Windparkergebnis verwechselt werden. Allein rund 107.700 Euro periodenfremde Erträge stammen aus der Auflösung einer Gewerbesteuerrückstellung.

Am Jahresende stehen rund 1,284 Millionen Euro Bankguthaben in der Bilanz. Gleichzeitig werden keine Verbindlichkeiten mehr ausgewiesen; vorhanden sind insbesondere noch rund 110.000 Euro Rückstellungen.

Damit rückt nun eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie hoch wird das Vermögen sein, das nach Abschluss sämtlicher Abwicklungsarbeiten tatsächlich zur Verteilung verbleibt?

Darauf gibt der Jahresabschluss 2025 noch keine abschließende Antwort. Er zeigt aber deutlich, dass die Gesellschaft wirtschaftlich nicht mehr vom Betrieb ihrer früheren Energieanlagen geprägt wird. Es geht inzwischen vor allem um die geordnete Abwicklung des verbliebenen Vermögens.

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