Die KMW Tower Bau GmbH aus Berlin ist in ein Insolvenzeröffnungsverfahren geraten. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am 4. September 2026 um 11.40 Uhr Rechtsanwalt Dr. Florian Kleinschmit zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt und umfangreiche Sicherungsmaßnahmen angeordnet.
Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 3609 IN 4562/26 geführt. Die Gesellschaft ist beim Amtsgericht Charlottenburg unter HRB 224760 eingetragen. Als Geschäftsanschrift wird die Franz-Stenzer-Straße 27, 12679 Berlin geführt.
Geschäftsführer ist Haris Ličina.
Die KMW Tower Bau GmbH war nach ihrem Unternehmensgegenstand breit im Baugewerbe aufgestellt. Zum Geschäft gehörten unter anderem die Vermittlung von Bauprojekten, Rohbau, Bautenschutz, Fassadenbau, Baudienstleistungen und Baustellenbetreuung sowie die Vermittlung und Vermietung von Baumaterialien und Baumaschinen.
Gericht ordnet weitreichende Sicherungsmaßnahmen an
Das Amtsgericht hat nicht lediglich einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Die wirtschaftliche Handlungsfreiheit der KMW Tower Bau GmbH wurde deutlich eingeschränkt.
Verfügungen über das Vermögen der Gesellschaft sind nur noch wirksam, wenn Dr. Florian Kleinschmit zustimmt. Damit handelt es sich um einen sogenannten Zustimmungsvorbehalt.
Der vorläufige Insolvenzverwalter ist allerdings nicht zum allgemeinen Vertreter der Gesellschaft geworden. Geschäftsführer Haris Ličina bleibt formal im Amt, kann über das Gesellschaftsvermögen jedoch nicht mehr uneingeschränkt verfügen.
Bankkonten und Forderungen unter Kontrolle des vorläufigen Verwalters
Dr. Kleinschmit wurde vom Gericht ausdrücklich ermächtigt, Bankguthaben und sonstige Forderungen der KMW Tower Bau GmbH einzuziehen und eingehende Gelder entgegenzunehmen.
Er darf zudem Sonderkonten für das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnen.
Die Banken der Gesellschaft müssen ihm Auskunft über die bestehenden Konten erteilen.
Noch weiter geht das gerichtlich angeordnete Zahlungsverbot für Drittschuldner.
Wer der KMW Tower Bau GmbH Geld schuldet, darf grundsätzlich nicht mehr unmittelbar an das Bauunternehmen zahlen. Entsprechende Leistungen sind unter Beachtung des Gerichtsbeschlusses an den vorläufigen Insolvenzverwalter zu erbringen.
Auch Zwangsvollstreckungen werden gestoppt
Gleichzeitig hat das Amtsgericht Charlottenburg Vollstreckungsmaßnahmen gegen die Gesellschaft grundsätzlich untersagt.
Bereits begonnene Maßnahmen werden einstweilen eingestellt, soweit nicht unbewegliche Gegenstände betroffen sind.
Der Sinn dieser Maßnahmen besteht darin, einen Wettlauf einzelner Gläubiger um noch vorhandene Vermögenswerte zu verhindern.
Der vorläufige Insolvenzverwalter soll zunächst feststellen, welche Vermögenswerte vorhanden sind und ob diese ausreichen, um die Kosten eines regulären Insolvenzverfahrens zu finanzieren.
Geschäftsräume, Bücher und Unterlagen dürfen geprüft werden
Dr. Kleinschmit erhält außerdem weitreichende Informations- und Kontrollrechte.
Er darf die Geschäftsräume und betrieblichen Einrichtungen der KMW Tower Bau GmbH einschließlich der Nebenräume betreten und dort Nachforschungen anstellen.
Die Geschäftsführung muss ihm Einsicht in Bücher und Geschäftspapiere gewähren und die Unterlagen auf Verlangen herausgeben.
Außerdem müssen sämtliche Informationen zur Verfügung gestellt werden, die für die Sicherung der möglichen Insolvenzmasse und die Aufklärung der Vermögensverhältnisse erforderlich sind.
Noch keine eröffnete Insolvenz
Trotz der umfangreichen Maßnahmen befindet sich die KMW Tower Bau GmbH rechtlich zunächst nur im Insolvenzeröffnungsverfahren.
Das eigentliche Insolvenzverfahren ist noch nicht eröffnet.
Der vorläufige Insolvenzverwalter wird nun insbesondere prüfen, ob ein Insolvenzgrund vorliegt und ob das Vermögen der Gesellschaft voraussichtlich ausreicht, die Verfahrenskosten zu decken.
Erst anschließend entscheidet das Amtsgericht über die Eröffnung.
Aus der veröffentlichten Entscheidung geht nicht hervor, wer den Insolvenzantrag gestellt hat. Deshalb lässt sich derzeit nicht feststellen, ob die Gesellschaft selbst oder ein Gläubiger das Verfahren angestoßen hat.
Auch zur konkreten Insolvenzursache und zur Höhe der Verbindlichkeiten enthält der Beschluss keine Angaben.
Unternehmen entstand Ende 2020 – zunächst unter anderem Namen
Die Geschichte der Gesellschaft ist vergleichsweise kurz, weist aber mehrere deutliche Veränderungen auf.
Der Gesellschaftsvertrag stammt vom 15. Dezember 2020. Die Eintragung in das Handelsregister erfolgte Anfang Januar 2021.
Das Stammkapital beträgt 25.000 Euro.
Interessant ist, dass das Unternehmen ursprünglich nicht als KMW Tower Bau GmbH gegründet wurde.
In der frühen Unternehmensgeschichte erscheint zunächst die Bezeichnung LOOPY GmbH.
Bereits wenige Monate später erfolgte eine grundlegende Neuausrichtung.
Aus LOOPY wurde zunächst KMW Holding
Im Frühjahr 2021 firmierte die Gesellschaft als KMW Holding GmbH.
Auch der damalige Unternehmensgegenstand unterschied sich grundlegend vom späteren Baugeschäft.
Die Gesellschaft sollte Beteiligungen an neu gegründeten oder bestehenden Unternehmen im eigenen Namen und auf eigene Rechnung halten und eigenes Vermögen verwalten.
Zu diesem Zeitpunkt handelte es sich damit gesellschaftsrechtlich noch um eine Beteiligungs- beziehungsweise Vermögensverwaltungsgesellschaft.
Im Oktober 2021 erfolgte der Wechsel ins Baugeschäft
Die entscheidende Veränderung fand im Oktober 2021 statt.
Die Gesellschafterversammlung änderte sowohl die Firma als auch den Unternehmensgegenstand.
Aus der KMW Holding GmbH wurde die heutige
KMW Tower Bau GmbH.
Gleichzeitig wurde das Baugeschäft zum offiziellen Unternehmenszweck.
Seitdem umfasst der Gegenstand die Vermittlung von Bauprojekten, Rohbau, Bautenschutz, Baudienstleistungen und Fassadenbau sowie die Begleitung und Betreuung von Bauvorhaben.
Hinzu kamen die Vermittlung und der Verleih von Baumaterialien und Baumaschinen, soweit dafür keine besondere behördliche Anzeige oder Genehmigung erforderlich ist.
Mehrfacher Wechsel der Geschäftsanschrift
Auch die Geschäftsanschrift wechselte während der jungen Unternehmensgeschichte mehrfach.
Zu den früheren Anschriften gehörten die Flottwellstraße 25, der Storkwinkel 19 und die Lehrter Straße 47 in Berlin.
Seit Anfang 2022 wird die heutige Anschrift in der Franz-Stenzer-Straße 27 in Berlin-Marzahn geführt.
Damit veränderte die Gesellschaft innerhalb weniger Jahre nicht nur Namen und Geschäftszweck, sondern auch mehrfach ihren Standort.
Mehrere Geschäftsführer innerhalb kurzer Zeit
Auch in der Geschäftsführung gab es Veränderungen.
In einer frühen Phase wurde die Gesellschaft von Mustafa Aksu geführt.
Im April 2021 übernahm Max Klaus Warmuth die Geschäftsführung.
Zum Jahreswechsel 2021/2022 erfolgte ein weiterer Wechsel.
Max Klaus Warmuth schied aus, und Haris Ličina wurde Anfang Januar 2022 zum Geschäftsführer bestellt.
Seitdem wird Ličina in den öffentlich verfügbaren Registerinformationen als alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer geführt.
Auch der aktuelle Insolvenzbeschluss nennt ihn als gesetzlichen Vertreter.
Tatsächliche Geschäftstätigkeit schwerer nachzuvollziehen
Während sich die gesellschaftsrechtliche Entwicklung gut rekonstruieren lässt, ist die tatsächliche operative Tätigkeit der KMW Tower Bau GmbH öffentlich nur eingeschränkt dokumentiert.
Unternehmensdatenbanken ordnen die Gesellschaft dem Bau- und Ausbaugewerbe zu und beschreiben sie als Anbieter verschiedener Bau- und Handwerksleistungen.
Dabei werden unter anderem Arbeiten aus Bereichen wie Boden- und Ausbauarbeiten, Dämmung, Isolierung und Brandschutz genannt.
Ein Schwerpunkt soll außerdem darin bestanden haben, Aufträge zu akquirieren beziehungsweise zu vermitteln und für deren Ausführung Subunternehmen einzusetzen.
Eine eigene aussagekräftige Unternehmenswebsite mit detaillierten Referenzprojekten ließ sich dagegen nicht feststellen.
Keine belastbaren öffentlichen Angaben zu konkreten Bauprojekten
Insbesondere lassen sich öffentlich keine größeren Bauvorhaben zweifelsfrei identifizieren, bei denen die KMW Tower Bau GmbH nachweisbar als Generalunternehmer oder ausführendes Hauptunternehmen tätig war.
Auch Angaben zur aktuellen Mitarbeiterzahl, zum Umsatz oder zum Umfang des zuletzt betriebenen Baugeschäfts sind nicht frei verfügbar.
Deshalb sollte nicht allein aus dem umfangreichen Gesellschaftszweck geschlossen werden, dass sämtliche dort aufgeführten Bauleistungen tatsächlich mit eigenem Personal ausgeführt wurden.
Der Gegenstand erlaubte ausdrücklich auch die Vermittlung von Bauprojekten und Baustellenleistungen.
Damit konnte das Geschäftsmodell zumindest teilweise darin bestehen, Bauaufträge und ausführende Unternehmen beziehungsweise Subunternehmer zusammenzuführen.
Jahresabschlüsse bis 2023 vorhanden
Für die KMW Tower Bau GmbH sind Veröffentlichungen beziehungsweise Hinterlegungen von Jahresabschlüssen für mehrere Geschäftsjahre nachweisbar.
Dazu gehören die Jahre 2021, 2022 und 2023.
Der Jahresabschluss für 2023 wurde erst im Dezember 2025 veröffentlicht beziehungsweise hinterlegt.
Frei zugängliche Unternehmensinformationen liefern allerdings keine belastbaren aktuellen Umsatz- und Ergebniszahlen.
Aus den verfügbaren Daten lässt sich daher nicht ableiten, wann sich die wirtschaftliche Situation konkret verschlechtert hat.
Keine gesicherten Angaben zu Insolvenzursachen
Der Gerichtsbeschluss nennt keine Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Es ist daher derzeit nicht bekannt, ob beispielsweise Forderungsausfälle, gestiegene Baukosten, Probleme bei einzelnen Projekten, Auseinandersetzungen mit Auftraggebern oder Subunternehmern, Personalkosten oder andere Faktoren zum Insolvenzantrag geführt haben.
Auch eine möglicherweise schwierige allgemeine Lage der Baubranche reicht nicht aus, um daraus die konkrete Insolvenzursache dieses Unternehmens abzuleiten.
Hier bleibt die weitere Prüfung des vorläufigen Insolvenzverwalters abzuwarten.
Bedeutung für Auftraggeber und Subunternehmer
Bei einer Insolvenz im Baugewerbe können zahlreiche unterschiedliche Vertragspartner betroffen sein.
Dazu gehören beispielsweise Bauherren und Auftraggeber, Lieferanten, Baumaschinenvermieter sowie ausführende Subunternehmen.
Ob und in welchem Umfang solche Vertragspartner bei der KMW Tower Bau GmbH betroffen sind, ist derzeit nicht öffentlich bekannt.
Besonders wichtig ist für Geschäftspartner nun das vom Gericht ausgesprochene Zahlungsverbot.
Wer der KMW Tower Bau GmbH noch Geld schuldet, muss die Anordnungen des Insolvenzgerichts und des vorläufigen Insolvenzverwalters beachten.
Laufende Baustellen müssen einzeln geprüft werden
Ob derzeit noch Baustellen oder Bauaufträge der KMW Tower Bau GmbH laufen, lässt sich anhand der öffentlichen Informationen nicht feststellen.
Die Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters bedeutet auch nicht automatisch, dass sämtliche Arbeiten sofort eingestellt werden.
Grundsätzlich kann ein Geschäftsbetrieb während eines Insolvenzeröffnungsverfahrens fortgesetzt werden, wenn dies wirtschaftlich sinnvoll und mit der Sicherung der Insolvenzmasse vereinbar ist.
Ob Dr. Kleinschmit eine Fortführung des Geschäftsbetriebs anstrebt und welche laufenden Projekte vorhanden sind, ist dem Gerichtsbeschluss nicht zu entnehmen.
Aktuelle Sicherungsmaßnahme vom 4. September 2026
Für die tägliche Auswertung der Insolvenzbekanntmachungen ist die zeitliche Einordnung eindeutig.
Die Entscheidung wurde vom Amtsgericht Charlottenburg am 4. September 2026 um 11.40 Uhr getroffen.
Die KMW Tower Bau GmbH gehört damit zu den aktuellen Sicherungsmaßnahmen vom 4. September 2026.
Sie ist jedoch nicht unter „eröffnete Insolvenzverfahren“ oder „Abweisungen mangels Masse“ einzuordnen, sondern unter:
Insolvenzeröffnungsverfahren – vorläufige Insolvenzverwaltung/Sicherungsmaßnahmen.
Vom Beteiligungsunternehmen zum Bauunternehmen – nach knapp sechs Jahren folgt das Insolvenzeröffnungsverfahren
Die Unternehmensgeschichte der KMW Tower Bau GmbH ist von mehreren Veränderungen geprägt.
Ende 2020 gegründet, wurde die Gesellschaft zunächst als LOOPY GmbH und anschließend als KMW Holding GmbH geführt. Ursprünglich sollte sie Beteiligungen halten und eigenes Vermögen verwalten.
Erst im Oktober 2021 erfolgte die Neuausrichtung zum Bauunternehmen unter dem Namen KMW Tower Bau GmbH.
Seit Anfang 2022 führt Haris Ličina die Gesellschaft.
Nun steht das Unternehmen unter insolvenzrechtlicher Kontrolle.
Das Amtsgericht Charlottenburg hat am 4. September 2026 Rechtsanwalt Dr. Florian Kleinschmit zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er kontrolliert wesentliche Verfügungen, Bankguthaben und Forderungseinzüge und soll prüfen, ob das vorhandene Vermögen die Kosten eines Insolvenzverfahrens deckt.
Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 3609 IN 4562/26 geführt.
Ob die KMW Tower Bau GmbH fortgeführt oder saniert werden kann oder ob anschließend ein reguläres Insolvenzverfahren eröffnet wird, ist derzeit noch offen.