Beim Windpark Wansleben Repowering zeigt der Jahresabschluss 2025 eine auffällige Entwicklung: Während Ende 2024 noch ein positives Eigenkapital von 160.548,60 Euro ausgewiesen wurde, ist dieses zum 31. Dezember 2025 vollständig aufgezehrt. Stattdessen steht nun ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten von 23.904,81 Euro in der Bilanz.
Das bedeutet zunächst einmal nicht automatisch, dass der Windpark zahlungsunfähig ist. Es zeigt aber, dass die den Kommanditisten bilanziell zugerechneten Verluste ihre entsprechenden Vermögenseinlagen übersteigen. Deshalb wird der Betrag von 23.904,81 Euro auf der Aktivseite gesondert ausgewiesen.
Die Veränderung innerhalb nur eines Jahres fällt deutlich aus: Aus 160.548,60 Euro positivem Eigenkapital Ende 2024 wurde bis Ende 2025 ein negativer Kapitalanteil von 23.904,81 Euro. Rechnerisch entspricht das einer Verschlechterung um 184.453,41 Euro.
Gleichzeitig steckt erhebliches Vermögen in dem Unternehmen.
Das Anlagevermögen beläuft sich zum Jahresende noch auf 11,29 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es 12,16 Millionen Euro. Die Differenz beträgt rund 874.000 Euro. Laut Anhang werden die Sachanlagen planmäßig linear über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben.
Daneben verfügt die Gesellschaft über ein Umlaufvermögen von gut 2,20 Millionen Euro. Besonders auffällig ist die Entwicklung der liquiden Mittel: Die Bank- und Kassenbestände erhöhten sich von rund 1,05 Millionen Euro auf 1,60 Millionen Euro.
Das ist für die Einordnung wichtig. Denn auf der einen Seite steht ein bilanziell aufgezehrtes Eigenkapital, auf der anderen Seite verfügt die Gesellschaft weiterhin über einen erheblichen Bestand an liquiden Mitteln.
Hinzu kommen Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von rund 600.000 Euro.
Allerdings ist nicht jedes ausgewiesene Guthaben ohne Weiteres frei verfügbar. Im Anhang werden Bankkonten mit einem Saldo von insgesamt 378.105,60 Euro genannt, für die aufgrund von Verpfändungen zugunsten von Kreditinstituten Verfügungsbeschränkungen bestehen.
Der entscheidende Block befindet sich jedoch auf der anderen Seite der Bilanz.
Die Windpark Wansleben Repowering GmbH & Co. KG weist zum Jahresende Verbindlichkeiten von 13,36 Millionen Euro aus.
Damit sind die Schulden zwar gegenüber dem Vorjahr gesunken – Ende 2024 standen noch 13,98 Millionen Euro in der Bilanz –, sie bewegen sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau.
Von den 13,36 Millionen Euro sind rund 920.000 Euro innerhalb eines Jahres fällig. Weitere 3,09 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit zwischen einem und fünf Jahren.
Der größte Teil läuft noch länger: 9,35 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Das zeigt die langfristige Finanzierungsstruktur des Windparks. Ein erheblicher Teil der Verbindlichkeiten muss nicht kurzfristig zurückgezahlt werden.
Interessant ist außerdem, wer einen beträchtlichen Teil des Geldes bereitgestellt hat.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern belaufen sich auf 4,86 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 4,70 Millionen Euro. Dieser Betrag besteht nach Angaben im Anhang vollständig aus einem langfristigen Gesellschafterdarlehen.
Während die Gesamtverbindlichkeiten also um rund 626.600 Euro zurückgegangen sind, sind die Schulden gegenüber den Gesellschaftern gleichzeitig um knapp 160.000 Euro gestiegen.
Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung.
Denn damit stammt inzwischen mehr als ein Drittel der gesamten ausgewiesenen Verbindlichkeiten aus der Finanzierung durch Gesellschafter. Was die konkreten Konditionen dieses Darlehens sind – beispielsweise Zinssatz, Tilgungsplan oder Sicherheiten –, lässt sich dem veröffentlichten Abschluss allerdings nicht entnehmen.
Auch die Bilanzsumme ist zurückgegangen.
Sie sank von 14,73 Millionen Euro auf 13,93 Millionen Euro, also um gut 805.000 Euro beziehungsweise rund 5,5 Prozent.
Dabei ist das Bild keineswegs einheitlich: Das Anlagevermögen schrumpft, Forderungen gehen deutlich zurück, gleichzeitig steigt der Kassen- und Bankbestand.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände reduzierten sich von rund 1,07 Millionen Euro auf etwa 600.000 Euro. Die unmittelbar ausgewiesenen liquiden Mittel stiegen dagegen um rund 554.000 Euro.
Die Rückstellungen erhöhten sich leicht von 185.772,70 Euro auf 214.093,79 Euro.
Daneben stehen passive latente Steuern von 229.333 Euro in der Bilanz. Im Vorjahr waren es 244.612 Euro.
Bemerkenswert ist außerdem, dass zum Bilanzstichtag nach Angaben des Unternehmens keine Haftungsverhältnisse im Sinne der entsprechenden HGB-Vorschriften bestanden.
Und trotz der Millionenbilanz beschäftigt die Gesellschaft keinen einzigen Arbeitnehmer. Das war sowohl 2025 als auch im Vorjahr der Fall.
Das ist bei einer Projektgesellschaft eines Windparks nicht zwangsläufig ungewöhnlich. Betrieb, technische Betreuung, kaufmännische Verwaltung und weitere Aufgaben können über andere Unternehmen oder Dienstleister abgewickelt werden. Welche Strukturen hier konkret bestehen, lässt sich aus dem vorliegenden Abschluss jedoch nicht ablesen.
Gerade an einer entscheidenden Stelle bleibt der veröffentlichte Jahresabschluss ausgesprochen schweigsam: Eine Gewinn- und Verlustrechnung mit Umsätzen, Stromerlösen, Betriebskosten, Zinsaufwendungen und Jahresergebnis ist in den vorliegenden Angaben nicht enthalten.
Deshalb lässt sich aus der Veröffentlichung allein nicht nachvollziehen, wodurch der Verlust entstanden ist, der letztlich zum vollständigen Verbrauch der ausgewiesenen Kapitalanteile geführt hat.
Aus der Veränderung der Kapitalposition lässt sich lediglich erkennen, dass sich diese erheblich verschlechtert hat. Ob beispielsweise schwächere Stromerträge, höhere Finanzierungskosten, Reparaturen, Abschreibungen oder andere Faktoren dafür verantwortlich waren, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Genau das wäre für die wirtschaftliche Bewertung des Windparks entscheidend.
Denn ein Windpark kann bilanziell aufgrund hoher Abschreibungen und Fremdfinanzierung ein schwaches oder negatives Eigenkapital aufweisen und dennoch ausreichend laufende Zahlungsüberschüsse erwirtschaften. Umgekehrt kann eine hohe Liquidität zum Bilanzstichtag allein nicht beweisen, dass das operative Geschäft dauerhaft genügend Geld erwirtschaftet.
Der Jahresabschluss liefert deshalb zwei sehr unterschiedliche Signale.
Auf der einen Seite stehen 1,60 Millionen Euro liquide Mittel, mehr als elf Millionen Euro Sachanlagevermögen und ein Rückgang der Gesamtverbindlichkeiten.
Auf der anderen Seite ist das Eigenkapital vollständig aufgezehrt. Die Kapitalanteile der Kommanditisten stehen rechnerisch bei minus 23.904,81 Euro, während weiterhin 13,36 Millionen Euro Verbindlichkeiten bestehen.
Hinzu kommt die erhebliche Gesellschafterfinanzierung von 4,86 Millionen Euro.
Eine Zahlungsunfähigkeit oder insolvenzrechtliche Überschuldung lässt sich daraus allein ausdrücklich nicht ableiten. Die handelsrechtliche Bilanzposition „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil“ ist nicht mit einer insolvenzrechtlichen Feststellung gleichzusetzen.
Dennoch ist die Entwicklung des Eigenkapitals eine Kennzahl, die beim nächsten Abschluss besonders aufmerksam verfolgt werden dürfte.
Interessant wird dann vor allem die Frage sein, ob sich die Kapitalposition wieder verbessert – und ob die Gesellschaft ihre langfristigen Verbindlichkeiten weiter reduzieren kann.
Der Windpark trägt schließlich einen bemerkenswerten Zusatz im Namen: „Repowering“.
Dabei geht es grundsätzlich darum, ältere Windenergieanlagen durch leistungsfähigere Anlagen zu ersetzen beziehungsweise einen bestehenden Standort technisch neu aufzustellen. Welche konkrete Repowering-Historie und Anlagenstruktur hinter der Gesellschaft in Wansleben steht, wird im vorliegenden Jahresabschluss allerdings nicht näher erläutert.
Die Gesellschaft sitzt in Bad Homburg vor der Höhe und wird beim Amtsgericht Bad Homburg unter HRA 6005 geführt. Vertreten wird sie durch die oekostrom Deutschland GmbH. Als Geschäftsführer werden Christoph Großsteiner und Roland Weyss genannt.
Der Jahresabschluss wurde am 13. Februar 2026 unterzeichnet und am selben Tag festgestellt beziehungsweise gebilligt. Die Veröffentlichung der vorliegenden Angaben datiert vom 3. September 2026.
Unterm Strich zeigt die Bilanz damit einen kapitalintensiven Windpark mit einem Sachanlagevermögen von mehr als elf Millionen Euro und weiterhin hohen langfristigen Finanzierungsverpflichtungen.
Die vielleicht auffälligste Zahl ist aber gerade einmal fünfstellig: 23.904,81 Euro.
Denn dieser Betrag markiert den Punkt, an dem die Kapitalanteile der Kommanditisten rechnerisch unter null gerutscht sind.
Ende 2024 standen dort noch positive 160.548,60 Euro.
Damit dürfte beim nächsten Jahresabschluss vor allem eine Frage interessant werden: War 2025 nur ein bilanziell schwaches Jahr – oder setzt sich der Verlust der Eigenkapitalbasis fort?
Die jetzt veröffentlichten Bilanzzahlen allein können diese Frage noch nicht beantworten. Dafür wären insbesondere die Gewinn- und Verlustrechnung, Angaben zu den laufenden Stromerlösen und Betriebskosten sowie zur Finanzierung und wirtschaftlichen Entwicklung des Windparks notwendig.