Wer derzeit einen vermeintlichen Anruf von Statistik Austria erhält, sollte genau hinschauen und vor allem keine sensiblen Daten leichtfertig preisgeben. Betrüger versuchen offenbar, den Namen der bekannten österreichischen Institution für Fake-Anrufe zu missbrauchen.
Die Masche ist besonders tückisch, weil Statistik Austria tatsächlich Befragungen durchführt und dabei auch Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern aufnimmt. Ein Anruf im Namen der Statistikbehörde wirkt deshalb zunächst keineswegs ungewöhnlich.
Genau dieses Vertrauen können Kriminelle ausnutzen.
Bei solchen Betrugsmaschen besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die Angerufenen zur Herausgabe persönlicher Informationen gebracht werden sollen. Denkbar sind dabei Fragen nach persönlichen Daten, finanziellen Verhältnissen oder anderen Informationen, die später für weitere Betrugsversuche verwendet werden können.
Entscheidend ist deshalb: Allein die Behauptung eines Anrufers, für Statistik Austria zu arbeiten, beweist noch nicht, dass der Anruf tatsächlich von dort stammt.
Auch die angezeigte Telefonnummer bietet keinen vollständigen Schutz.
Kriminelle arbeiten seit Jahren mit sogenanntem Caller-ID-Spoofing. Dabei wird die Rufnummernanzeige manipuliert, sodass beim Angerufenen eine andere Nummer erscheint als jene, von der das Gespräch tatsächlich ausgeht.
Die österreichische Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH RTR warnt ausdrücklich vor dieser Technik. Dabei können auch Telefonnummern vertrauenswürdiger und bekannter Institutionen missbraucht werden.
Österreich hat zwar technische Schutzmaßnahmen gegen das Spoofing österreichischer Rufnummern eingeführt. Vollständig verschwunden ist das Problem dadurch aber nicht.
Betrüger haben Möglichkeiten gefunden, bestimmte Schutzmaßnahmen beispielsweise durch Weiterleitungen und ausländische Telefonanbieter zu umgehen. Dadurch kann auf dem Display weiterhin eine scheinbar vertrauenswürdige österreichische Rufnummer erscheinen.
Für Verbraucher bedeutet das:
Eine bekannte Telefonnummer auf dem Display ist kein ausreichender Identitätsnachweis.
Wer Zweifel an einem Anruf hat, sollte deshalb keine sensiblen Informationen herausgeben und das Gespräch beenden.
Anschließend kann die betreffende Institution selbstständig über ihre offiziell veröffentlichten Kontaktdaten kontaktiert werden. Dabei sollte nicht einfach eine vom Anrufer genannte Telefonnummer zurückgerufen werden.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn während eines Gesprächs plötzlich Zeitdruck aufgebaut wird.
Typische Warnsignale sind Aufforderungen, sofort persönliche Daten zu bestätigen, Bankinformationen preiszugeben, Zugangsdaten zu nennen, Zahlungen vorzunehmen oder eine bestimmte Internetseite aufzurufen.
Das österreichische Bundeskriminalamt warnt generell vor gefälschten Anrufen, E-Mails und Nachrichten, die im Namen bekannter Behörden, Unternehmen oder Plattformen verschickt beziehungsweise durchgeführt werden.
Die Empfehlung der Ermittler ist eindeutig: Bei Zweifeln sollte man die behauptete Institution ausschließlich über selbst recherchierte beziehungsweise offiziell bekannte Kontaktdaten erreichen. Zugangsdaten und Passwörter sollten niemals aufgrund einer unaufgeforderten Kontaktaufnahme herausgegeben werden.
Dass diese Form der Kriminalität kein Randphänomen ist, zeigen aktuelle Zahlen.
Nach Angaben der RTR wurden 2025 insgesamt 19.564 betrügerische Anrufe gemeldet.
2024 waren es noch 15.555.
Das entspricht einem Anstieg um rund 26 Prozent innerhalb eines Jahres.
Auch betrügerische SMS nahmen deutlich zu: Ihre Zahl stieg von 6.365 gemeldeten Fällen im Jahr 2024 auf 10.205 im Jahr 2025.
Die Täter setzen dabei häufig auf einen entscheidenden psychologischen Faktor: Vertrauen.
Ein angeblicher Anruf einer bekannten Behörde, einer Bank, der Polizei oder eines großen Unternehmens besitzt zunächst eine höhere Glaubwürdigkeit als ein Anruf eines völlig unbekannten Absenders.
Deshalb werden bekannte Namen gezielt missbraucht.
Der aktuelle Fall rund um Statistik Austria passt in dieses Muster.
Auch bei anderen österreichischen Institutionen gibt es entsprechende Probleme. Die Wirtschaftskammer Österreich warnt beispielsweise aktuell vor gefälschten E-Mails im Namen von Statistik Austria sowie vor weiteren Betrugsversuchen, bei denen bekannte Institutionen als Absender vorgeschoben werden.
Für Betroffene gilt deshalb eine einfache Grundregel:
Nicht die Geschichte des Anrufers überprüfen – sondern zunächst seine Identität.
Wer tatsächlich an einer offiziellen statistischen Erhebung teilnimmt, kann im Zweifelsfall selbst Kontakt mit Statistik Austria aufnehmen und überprüfen, ob die Kontaktaufnahme authentisch ist.
Besonders wichtig ist das, wenn ein vermeintlicher Interviewer plötzlich Fragen stellt, die offensichtlich über den Zweck einer statistischen Erhebung hinausgehen.
Bankzugangsdaten, Passwörter oder andere Zugangscodes gehören grundsätzlich nicht in ein solches Telefongespräch.
Wer bereits sensible Daten weitergegeben hat, sollte schnell reagieren.
Sind Bank- oder Kreditkartendaten betroffen, sollte unverzüglich die eigene Bank kontaktiert werden. Zugangsdaten, die möglicherweise kompromittiert wurden, sollten geändert werden. Bei einem konkreten Betrugsversuch oder bereits entstandenem Schaden empfiehlt das Bundeskriminalamt außerdem eine Anzeige bei der Polizei.
Die aktuelle Warnung zeigt damit erneut, wie professionell moderne Telefonbetrüger vorgehen können.
Sie müssen ihre Opfer nicht mehr mit offensichtlich dubiosen Geschichten überzeugen.
Oft reicht es, sich den Namen einer Institution zu leihen, der die Menschen grundsätzlich vertrauen.