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Bombenfund legt Teile Wilhelmshavens lahm: 13.600 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen

succo (CC0), Pixabay

Ein Bombenfund aus dem Zweiten Weltkrieg sorgt in Wilhelmshaven für einen Großeinsatz. Rund 13.600 Menschen müssen am heutigen Dienstag ihre Wohnungen und Arbeitsplätze verlassen, damit eine im Marinearsenal entdeckte amerikanische Fliegerbombe entschärft werden kann. Rund um den Fundort wurde eine Evakuierungszone mit einem Radius von 1.000 Metern eingerichtet.

Bei dem Blindgänger handelt es sich nach Angaben der Stadt um eine US-amerikanische Fünf-Zentner-Bombe. Entdeckt wurde sie bei Arbeiten auf dem Gelände des Marinearsenals. Weil von dem Sprengkörper weiterhin eine Gefahr ausgehen kann, haben die Behörden eine umfangreiche Räumung des umliegenden Stadtgebietes angeordnet.

Die Evakuierung begann am Morgen um 8 Uhr. Bis spätestens 11 Uhr soll sich niemand mehr innerhalb des festgelegten Sicherheitsbereichs befinden. Erst wenn überprüft wurde, dass das Gebiet vollständig geräumt ist, kann die eigentliche Entschärfung beginnen.

Wie lange der Einsatz dauern wird, lässt sich bislang nicht abschätzen. Eine Sprecherin der Stadt erklärte, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine verlässliche Aussage über die Dauer der Maßnahme möglich sei.

Rund 700 Einsatzkräfte im Einsatz

Die Dimension der Evakuierung ist beträchtlich. Rund 700 Einsatzkräfte sind nach Angaben der Stadt beteiligt. Darunter befinden sich allein etwa 300 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.

Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin, den Bereich abzusichern. Bei einer Evakuierung dieser Größenordnung müssen Tausende Menschen informiert, Straßen kontrolliert und Gebäude beziehungsweise Straßenzüge überprüft werden. Hinzu kommt die Unterstützung von Personen, die ihre Wohnungen nicht ohne Hilfe verlassen können.

Betroffen sind Einwohner der Südstadt, der Innenstadt und von Heppens. Insgesamt müssen rund 13.600 Menschen den Gefahrenbereich verlassen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Alten- und Pflegeheimen. Der Krisenstab der Stadt kümmert sich nach den vorliegenden Angaben um die betroffenen Einrichtungen und soll sicherstellen, dass Bewohner und Beschäftigte bei Bedarf rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Unterstützung leisten dabei Rettungsdienste und die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke.

Bombe besitzt zwei Zünder

Für die Einsatzkräfte ist der Zustand des Blindgängers von besonderer Bedeutung. Die gefundene Fliegerbombe verfügt nach Angaben der Stadt über zwei Zünder.

Zwar handelt es sich demnach nicht um sogenannte Langzeitzünder. Dennoch besteht ein Restrisiko durch das Zündsystem. Genau deshalb kann die Entschärfung erst beginnen, wenn der vorgesehene Sicherheitsbereich vollständig geräumt und abgesperrt worden ist.

Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg bleiben auch mehr als acht Jahrzehnte nach Kriegsende gefährlich. Korrosion und Alterungsprozesse können den Zustand von Zündern und Sprengstoff beeinflussen. Wie schwierig die konkrete Entschärfung in Wilhelmshaven sein wird, lässt sich deshalb erst während des Einsatzes beurteilen.

Busverkehr wird eingestellt

Die Evakuierung hat erhebliche Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Seit 8 Uhr ist der reguläre Busverkehr eingestellt. Lediglich die Schülerbeförderung sollte zuvor noch regulär stattfinden.

Damit betrifft der Bombenfund nicht nur diejenigen, die unmittelbar innerhalb des Sicherheitsradius wohnen. Auch Menschen, die normalerweise mit dem öffentlichen Nahverkehr durch die betroffenen Stadtteile fahren, müssen sich auf Einschränkungen einstellen.

Wann Busse wieder regulär fahren können, hängt letztlich vom Verlauf der Entschärfung und der anschließenden Freigabe des Gebietes ab.

Schulen und Kitas bleiben geschlossen

Auch mehrere Bildungseinrichtungen sind unmittelbar betroffen. An Schulen innerhalb des Evakuierungsbereichs fällt am Vormittag der Unterricht aus.

Konkret betrifft dies die Grundschule Rheinstraße und die Schule an der Deichbrücke.

Darüber hinaus bleiben mehrere Kindertagesstätten zunächst geschlossen. Genannt werden Lüttje Oog, Arche Noah, Inselviertel, Christuskindergarten und das Kinderspielhaus.

Damit müssen zahlreiche Familien ihren Tagesablauf kurzfristig umorganisieren. Die Maßnahmen sind allerdings notwendig, weil sich während der Entschärfung keine Menschen innerhalb des festgelegten Gefahrenbereichs aufhalten sollen.

Drei Notunterkünfte für Evakuierte

Für Einwohner, die während der Evakuierung nicht bei Angehörigen, Freunden oder an einem anderen Ort unterkommen können, hat die Stadt drei Notunterkünfte eingerichtet.

Dafür stehen Sporthallen am Mühlenweg, an der Bremer Straße und am Gotthilf-Hagen-Platz zur Verfügung. Sie können seit Beginn der Evakuierung um 8 Uhr genutzt werden.

Gerade bei einer Räumung, von der mehr als 13.000 Menschen betroffen sind, sind solche Anlaufstellen wichtig. Nicht jeder Betroffene verfügt über ein Auto oder hat die Möglichkeit, für mehrere Stunden bei Freunden oder Verwandten unterzukommen.

Entschärfung kann erst nach vollständiger Räumung beginnen

Der Zeitplan ist deshalb klar vorgegeben: Seit 8 Uhr läuft die Evakuierung, bis 11 Uhr muss das gesamte betroffene Gebiet geräumt sein. Anschließend soll die Entschärfung der Fünf-Zentner-Bombe beginnen.

Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, hängt auch davon ab, wie schnell die Einsatzkräfte feststellen können, dass tatsächlich niemand mehr im Sicherheitsbereich zurückgeblieben ist.

Erst danach können sich die Spezialisten dem Blindgänger nähern und mit ihrer eigentlichen Arbeit beginnen. Wie lange diese dauert, ist offen. Ebenso lässt sich derzeit noch nicht sagen, wann die rund 13.600 Betroffenen in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Damit steht Wilhelmshaven vor einem außergewöhnlichen Tag: Ein Bombenfund im Marinearsenal führt zu einer kilometerweiten Sicherheitszone, legt Teile des öffentlichen Verkehrs lahm und zwingt Tausende Menschen zum vorübergehenden Verlassen ihrer Wohnungen.

Für die Einsatzkräfte zählt nun vor allem eines: Die amerikanische Fliegerbombe soll kontrolliert und ohne Zwischenfall entschärft werden. Bis dahin bleibt der 1.000-Meter-Radius rund um den Fundort gesperrt.

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