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Immer mehr Eltern fürchten, dass das Geld nicht reicht: Finanzsorgen treffen Ostdeutschland besonders hart

Endho (CC0), Pixabay

Die finanziellen Sorgen vieler Familien in Deutschland nehmen deutlich zu. Eine neue repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Save the Children zeigt, dass inzwischen mehr als ein Viertel der Eltern mit großen oder sehr großen Sorgen in die finanzielle Zukunft blickt. Besonders angespannt ist die Lage in Ostdeutschland. Dort liegt der Anteil deutlich über dem westdeutschen Niveau.

Die Zahlen zeigen eine bemerkenswerte Verschlechterung innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit. Aktuell geben 27 Prozent der Eltern an, große oder sehr große finanzielle Zukunftssorgen zu haben. Ein Jahr zuvor waren es zwei Prozentpunkte weniger. Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Vergleich mit Januar 2025: Damals lag der Anteil erst bei 15 Prozent.

Damit hat sich der Anteil der stark besorgten Eltern seit Anfang 2025 um zwölf Prozentpunkte erhöht. Relativ betrachtet entspricht das einem Anstieg von 80 Prozent. Das bedeutet nicht, dass 80 Prozent aller Eltern betroffen sind – sondern dass die Gruppe der stark oder sehr stark Besorgten gegenüber dem damaligen Ausgangswert erheblich gewachsen ist.

Im Osten sorgt sich bereits rund jeder dritte Elternteil

Besonders deutlich fällt das Ergebnis in Ostdeutschland aus. Dort berichten 34 Prozent der befragten Eltern von großen oder sehr großen finanziellen Sorgen. In Westdeutschland sind es 26 Prozent.

Damit liegt der ostdeutsche Wert acht Prozentpunkte über dem westdeutschen. Anders formuliert: In Ostdeutschland gehört inzwischen ungefähr jeder dritte befragte Elternteil zu der Gruppe mit großen oder sehr großen finanziellen Zukunftssorgen.

Die Unterschiede zeigen sich auch bei der Frage, ob nach den notwendigen Ausgaben überhaupt noch finanzieller Spielraum bleibt. Nur 42 Prozent der Eltern im Osten erklären, dass sie sich auch einmal etwas leisten können, das über das Notwendige hinausgeht. Im Westen sind es 45 Prozent.

Dabei geht es nicht nur um große Anschaffungen. Die Sorgen reichen laut Bericht bis zu grundlegenden Dingen wie Essen und Kleidung sowie zu Freizeitaktivitäten der Kinder. Der MDR fasst die Entwicklung entsprechend als zunehmende Sorge zusammen, ob Familien ihre Grundbedürfnisse finanziell noch ausreichend decken können.

Möbel, Urlaub, Restaurant oder Kinderhobby werden zum Problem

Wie konkret der finanzielle Druck inzwischen im Familienalltag ankommt, zeigt eine weitere Zahl.

Rund 21 Prozent der Befragten erklären, dass Dinge wie neue Möbel, Ausflüge, Restaurantbesuche, Urlaube oder Hobbys der Kinder für sie „eher nicht“ oder „auf keinen Fall“ möglich seien.

Damit geht es längst nicht nur um die Frage, ob eine Familie noch eine größere Urlaubsreise finanzieren kann. Betroffen sind auch Aktivitäten, die zur normalen gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern gehören können – etwa Ausflüge oder Hobbys.

Noch deutlicher wird das bei den direkten Ausgaben für Kinder.

22 Prozent der Eltern gaben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate bei Ausgaben für ihr Kind bereits zurückgesteckt oder zumindest darüber nachgedacht zu haben.

Das entspricht mehr als jedem fünften befragten Elternteil.

Gleichzeitig schrumpft die Gruppe der finanziell Sorglosen

Die Entwicklung zeigt sich nicht nur daran, dass mehr Eltern große Sorgen äußern. Gleichzeitig wird die Gruppe kleiner, die ohne finanzielle Zukunftssorgen lebt.

Im September 2025 hatten bundesweit noch 48 Prozent angegeben, keine finanziellen Zukunftssorgen zu haben.

In der aktuellen Erhebung sind es nur noch 40 Prozent.

Innerhalb dieses Vergleichszeitraums ist der Anteil also um acht Prozentpunkte gefallen.

Die beiden Entwicklungen laufen damit parallel: Die Gruppe mit erheblichen Sorgen wächst, während die Gruppe ohne entsprechende Sorgen deutlich kleiner wird.

Save the Children warnt vor Folgen für Kinder

Save the Children bewertet die Ergebnisse entsprechend kritisch. Nach Darstellung der Organisation verursachen inzwischen selbst alltägliche Ausgaben, beispielsweise für gesunde Ernährung oder Kleidung, Stress in Familien.

Die Organisation warnt insbesondere vor den Folgen für Kinder. Viele müssten auf Dinge verzichten, die für andere selbstverständlich seien – genannt werden unter anderem Hobbys, Restaurantbesuche und Urlaub. Save the Children sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf.

Gerade dieser Punkt macht die Umfrage gesellschaftspolitisch relevant. Finanzielle Belastung zeigt sich nicht ausschließlich auf dem Konto der Eltern. Sie kann unmittelbar beeinflussen, welche Möglichkeiten Kinder im Alltag haben.

Die Zahlen zeigen Sorgen – nicht automatisch tatsächliche Armut

Bei der Interpretation ist allerdings eine wichtige Unterscheidung notwendig.

Die Umfrage misst nach dem vorliegenden Bericht insbesondere finanzielle Sorgen, wahrgenommene Einschränkungen und Verzicht. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass beispielsweise 34 Prozent aller ostdeutschen Familien unterhalb einer statistischen Armutsgrenze leben.

Auch der Anstieg der Sorgen ist nicht automatisch identisch mit einem entsprechenden Anstieg der Kinderarmutsquote.

Die Befragung zeigt vielmehr, wie Eltern ihre eigene finanzielle Situation und Zukunft einschätzen und welche Einschränkungen sie erleben.

Gerade diese subjektive Wahrnehmung ist dennoch relevant: Wenn immer mehr Familien selbst alltägliche Ausgaben als Belastung empfinden und bei ihren Kindern über Einsparungen nachdenken müssen, weist das auf zunehmenden finanziellen Druck hin.

Besonders auffällig ist die Geschwindigkeit der Entwicklung

Der vielleicht bemerkenswerteste Wert ist deshalb nicht einmal der Ost-West-Unterschied, sondern die zeitliche Entwicklung.

Im Januar 2025 berichteten 15 Prozent der Eltern von großen oder sehr großen Zukunftssorgen.

Nun sind es 27 Prozent.

Das ist innerhalb von rund anderthalb Jahren eine erhebliche Verschiebung.

Gleichzeitig berichten 22 Prozent davon, bei Ausgaben für ihre Kinder bereits gespart oder zumindest über Einsparungen nachgedacht zu haben. Und nur noch 40 Prozent gehören bundesweit zur Gruppe ohne finanzielle Zukunftssorgen.

Damit entsteht ein deutliches Gesamtbild: Finanzielle Unsicherheit betrifft nicht mehr nur eine kleine Randgruppe von Familien. Sie reicht zunehmend in die gesellschaftliche Mitte hinein.

Besonders stark wird diese Entwicklung laut der Forsa-Erhebung in Ostdeutschland wahrgenommen. Dort blickt bereits rund jeder dritte befragte Elternteil mit großen oder sehr großen finanziellen Sorgen in die Zukunft.

Die entscheidende politische Frage dürfte deshalb weniger sein, ob Familien überhaupt sparen müssen. Die Umfrage deutet darauf hin, dass viele es längst tun. Entscheidend ist vielmehr, an welcher Stelle gespart wird – und wie häufig am Ende die Möglichkeiten der Kinder betroffen sind.

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