Dark Mode Light Mode

Historische Dürre setzt Frankreichs Käse unter Druck: Regeln für Comté, Beaufort und Abondance werden gelockert

carole_view (CC0), Pixabay

Die außergewöhnliche Trockenheit in Frankreich hat nun auch Auswirkungen auf einige der traditionsreichsten Käsesorten des Landes. Wegen Futtermangels infolge der Dürre werden die strengen Herstellungsvorgaben für Abondance, Beaufort und Comté vorübergehend gelockert.

Normalerweise gelten für diese regional geschützten Spezialitäten detaillierte Vorschriften – nicht nur für die eigentliche Käseherstellung, sondern auch für die Haltung und Fütterung der Milchkühe. Ein bestimmter Anteil des Futters muss aus den jeweils vorgeschriebenen Herkunftsgebieten stammen. Genau diese Anforderungen werden angesichts der außergewöhnlichen Wetterlage für betroffene Betriebe erleichtert.

Landwirte dürfen ihren Kühen ausnahmsweise Futter aus weiter entfernten Regionen geben beziehungsweise den Anteil solchen Futters erhöhen. Damit soll verhindert werden, dass die Bauern aufgrund fehlender eigener Futterreserven die strengen Produktionsbedingungen nicht mehr einhalten können und dadurch die Herstellung der geschützten Käsesorten gefährdet wird.

Hinter der Ausnahme steht eine außergewöhnliche Wetterentwicklung. Nach Angaben des französischen Wetterdienstes Météo-France sind die Böden des Landes so trocken wie seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen im Jahr 1959 nicht mehr. Die Trockenheit hatte sich bereits seit Juni ausgebreitet und wurde durch erheblichen Niederschlagsmangel sowie hohe Temperaturen verschärft.

Für die Landwirtschaft entwickelt sich daraus ein doppeltes Problem: Nicht nur die unmittelbar von der Trockenheit betroffenen Kulturen leiden. Auch Wiesen und andere Flächen liefern weniger Futter für Rinder. Gerade für Käseproduzenten mit streng geregelter regionaler Futterversorgung kann das zum Problem werden.

Bei Comté, Beaufort und Abondance geht es schließlich nicht um beliebige industrielle Käseprodukte. Ihre Herkunft und Produktionsweise sind eng mit bestimmten französischen Regionen verbunden. Die Fütterung der Tiere gehört dabei zum jeweiligen Produktionssystem. Wenn regional erzeugtes Gras, Heu oder anderes zugelassenes Futter aufgrund einer extremen Dürre nicht ausreichend verfügbar ist, geraten die Produzenten in einen Zielkonflikt: Entweder sie halten an den normalen Vorgaben fest und riskieren Versorgungsprobleme – oder die Regeln müssen zeitweise an die außergewöhnlichen Bedingungen angepasst werden.

Genau diesen zweiten Weg geht Frankreich nun.

Die Lockerung bedeutet allerdings keine generelle Abschaffung der Qualitäts- oder Herkunftsvorschriften. Sie ist eine Reaktion auf eine außergewöhnliche Versorgungslage. Verbraucher müssen deshalb nicht davon ausgehen, dass Comté, Beaufort oder Abondance künftig grundsätzlich nach anderen Regeln produziert werden.

Der Vorgang zeigt vielmehr, wie unmittelbar extreme Wetterbedingungen inzwischen traditionelle Lebensmittelproduktionen treffen können. Eine Dürre wirkt sich nicht nur auf Getreide, Obst oder Gemüse aus. Wenn Weiden vertrocknen und die Heuernte geringer ausfällt, reicht die Wirkungskette bis zur Milchproduktion – und schließlich bis in die Käsetheke.

Für Frankreich besitzt das Thema darüber hinaus eine besondere Bedeutung: Bei regional geschützten Spezialitäten ist die Verbindung zwischen Landschaft, Tierhaltung, Fütterung und Lebensmittelherstellung Teil des Produktkonzepts. Wenn extreme Trockenheit dazu führt, dass regionales Futter nicht mehr ausreichend vorhanden ist, geraten genau diese über Jahrzehnte gewachsenen Produktionsmodelle unter Druck.

Die vorübergehenden Ausnahmen für Abondance, Beaufort und Comté sind damit auch ein deutliches Signal dafür, wie außergewöhnlich die Dürresituation ist. Frankreich lockert Regeln, die normalerweise gerade deshalb streng sind, um Herkunft und traditionelle Produktionsbedingungen seiner bekannten Käsespezialitäten zu schützen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Verbraucherwarnung: Wenn angebliche Regionalität zur Verkaufsfalle wird

Next Post

KaPeLe GmbH & Co. KG: Vermögensgesellschaft der Karl Lettl Brotfabrik unter vorläufiger Insolvenzverwaltung