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Elbtower wird zum 595-Millionen-Euro-Poker: Investoren verlangen Zugeständnisse – Hamburg zieht rote Linie

AbsolutVision (CC0), Pixabay

Seit Oktober 2023 stehen die Bauarbeiten am Elbtower still. Nach dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko sucht der Insolvenzverwalter nach einer tragfähigen Lösung für den halbfertigen Hochhauskomplex. Ein Konsortium um den Hamburger Immobilieninvestor Dieter Becken verhandelt seit Dezember 2024 über Kauf und Fertigstellung.

Zu dem Konsortium gehören finanzstarke Namen: Neben Becken sind Klaus-Michael Kühne, die Versicherung Signal Iduna, das Bauunternehmen Adolf Lupp und Rossmann-Gründer Dirk Roßmann beteiligt.

Naturkundemuseum sollte Weiterbau ermöglichen

Ein wesentlicher Baustein der Rettungspläne ist das geplante Naturkundemuseum. Nach einer Eckpunktevereinbarung vom Oktober 2025 soll Hamburg dafür fast die Hälfte des Elbtowers zu einem Festpreis von 595 Millionen Euro übernehmen.

Damit würde die öffentliche Hand zwar nicht einfach Geld in das private Hochhausprojekt investieren, aber zu einem bedeutenden Käufer von Flächen werden. Genau diese Konstruktion macht die Verhandlungen politisch sensibel.

Ursprünglich sollte der Elbtower 245 Meter hoch werden und 64 Stockwerke erhalten. Die inzwischen veränderten Planungen sehen nur noch eine Höhe von 199 Metern vor.

Steigende Baukosten und Zinsen erschweren Rettung

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich offenbar weiter verschlechtert. Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein erklärte im Haushaltsausschuss, es gebe keinen neuen Verhandlungsstand. Finanzsenator Andreas Dressel verwies zudem auf die Entwicklung der Baukosten und Zinsen.

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Reicht die bisher ausgehandelte wirtschaftliche Grundlage überhaupt noch aus, damit private Investoren das Projekt übernehmen und fertigstellen?

Offenbar fordert das Konsortium angesichts der gestiegenen Kosten weitere Zugeständnisse.

SPD warnt vor „Nachschlag“

Hier zieht die Hamburger SPD zumindest öffentlich eine Grenze. Fraktionschef Dirk Kienscherf machte deutlich, dass die Stadt zwar über die Eigentumsstruktur rund um das Naturkundemuseum sprechen könne, zusätzliche finanzielle Zugeständnisse aber nicht vorgesehen seien.

Nach seiner Darstellung bleibt der Elbtower ein privates Bauprojekt. Steuerzahler sollten deshalb nicht für zusätzliche Kosten des Hochhauses aufkommen.

Bemerkenswert ist zugleich seine Einschätzung zum Naturkundemuseum: Die Wahrscheinlichkeit, dass das Museum tatsächlich in den Elbtower einzieht, bezeichnete Kienscherf derzeit als „sehr gering“.

Das ist politisch bedeutsam. Denn fällt das Museum als großer Abnehmer von Flächen weg, könnte auch ein wichtiger Bestandteil des bisherigen Rettungskonzepts entfallen.

Für Hamburg entsteht ein Dilemma

Die Stadt befindet sich damit in einer schwierigen Position. Ohne einen wirtschaftlich starken Ankermieter beziehungsweise Käufer könnte die Fertigstellung für private Investoren weniger attraktiv werden. Macht Hamburg dagegen immer größere Zugeständnisse, wächst das Risiko, dass aus der Rettung eines privaten Immobilienprojekts faktisch ein erhebliches finanzielles Engagement der öffentlichen Hand wird.

Gerade der Festpreis von 595 Millionen Euro dürfte deshalb genau geprüft werden müssen: Welche Flächen und Leistungen erhält Hamburg dafür? Wer trägt mögliche Baukostensteigerungen? Welche Risiken entstehen bei weiteren Verzögerungen? Und was passiert, wenn das Gesamtprojekt trotz eines Einstiegs der Stadt wirtschaftlich unter Druck gerät?

Aus Prestigeprojekt wurde ein jahrelanger Problemfall

Der Elbtower sollte einmal ein neues Wahrzeichen Hamburgs werden. Inzwischen steht ein rund 100 Meter hoher Rohbau am Eingang zur HafenCity. Statt der ursprünglich geplanten 245 Meter soll das Gebäude nach aktuellen Planungen nur noch 199 Meter erreichen.

Für Hamburg geht es daher längst um mehr als die Fertigstellung eines Hochhauses. Die entscheidende Frage lautet, wie weit eine Stadt gehen sollte, um ein gescheitertes privates Großprojekt zu retten.

Sollten die Investoren tatsächlich zusätzliche wirtschaftliche Zugeständnisse benötigen und Hamburg bei seiner bisherigen Linie bleiben, könnte der Baustopp noch lange dauern. Im ungünstigsten Fall droht aus dem einstigen Prestigeprojekt eine dauerhafte Investitionsruine an einer der prominentesten Stellen der Stadt.

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