Die Achtundzwanzigste Westwind Windpark GmbH & Co. KG aus Kirchdorf präsentiert sich im Jahresabschluss 2024 bilanziell vergleichsweise solide finanziert. Die Gesellschaft verfügt nur noch über geringe Verbindlichkeiten und weist bei einer Bilanzsumme von rund 685.000 Euro ein Eigenkapital von 600.000 Euro aus. Auffällig ist allerdings die Entwicklung der Forderungen gegenüber Gesellschaftern: Sie sind innerhalb eines Jahres um mehr als 75.000 Euro gestiegen und machen inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten Bilanzsumme aus.
Die Bilanzsumme verringerte sich zum 31. Dezember 2024 von 715.101,79 Euro auf 685.251,86 Euro. Das entspricht einem Rückgang um knapp 30.000 Euro beziehungsweise rund 4,2 Prozent. Im Gegensatz zu anderen fremdfinanzierten Windpark-Projektgesellschaften ist die Bilanz der Achtundzwanzigsten Westwind Windpark GmbH & Co. KG dabei nur noch in geringem Umfang von Finanzverbindlichkeiten geprägt.
Windkraftanlage bilanziell weitgehend abgeschrieben
Das Anlagevermögen sank von 42.205 Euro auf lediglich 33.334 Euro. Nach Angaben des Unternehmens wird das Sachanlagevermögen linear abgeschrieben.
Der niedrige Restbuchwert deutet darauf hin, dass wesentliche Teile des Anlagevermögens bereits weitgehend abgeschrieben sind. Wie hoch die ursprünglichen Anschaffungskosten waren und wie lange die Anlage bereits betrieben wird, lässt sich aus den hier veröffentlichten Bilanzzahlen allerdings nicht vollständig ableiten.
Bemerkenswert ist das Verhältnis zwischen Anlage- und Umlaufvermögen: Dem Anlagevermögen von nur gut 33.000 Euro steht ein Umlaufvermögen von knapp 649.678 Euro gegenüber. Damit befinden sich fast 95 Prozent der bilanzierten Vermögenswerte im Umlaufvermögen.
Forderungen an Gesellschafter wachsen auf fast 359.000 Euro
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Entwicklung der Forderungen gegenüber Gesellschaftern. Ende 2023 lagen diese bei 283.307 Euro. Ein Jahr später waren es bereits 358.740 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 75.433 Euro beziehungsweise 26,6 Prozent.
Damit entsprechen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern inzwischen mehr als 52 Prozent der gesamten Bilanzsumme. Innerhalb des Umlaufvermögens machen sie sogar rund 55 Prozent aus.
Was konkret hinter diesen Forderungen steht, wird im vorliegenden Anhang nicht näher erläutert. Deshalb lässt sich aus dem Jahresabschluss allein nicht beurteilen, ob es sich beispielsweise um Verrechnungskonten, Gewinnansprüche, Darlehensbeziehungen oder andere Vorgänge handelt.
Gerade für eine wirtschaftliche Bewertung wäre diese Information interessant. Denn Forderungen sind bilanziell zwar Vermögenswerte, sie sind jedoch nicht mit unmittelbar verfügbarem Bankguthaben gleichzusetzen.
Eigenkapitalquote von fast 88 Prozent
Auf der Finanzierungsseite fällt die hohe Eigenkapitalausstattung auf. Das Eigenkapital beträgt unverändert 600.000 Euro. Nach Angaben im Anhang handelt es sich um vollständig eingezahltes Haftungskapital.
Bei einer Bilanzsumme von 685.252 Euro ergibt sich daraus eine rechnerische Eigenkapitalquote von rund 87,6 Prozent. Im Vorjahr waren es bei gleicher Eigenkapitalhöhe und höherer Bilanzsumme rund 83,9 Prozent.
Die Gesellschaft weist damit eine außergewöhnlich hohe bilanzielle Eigenkapitalquote auf.
Gleichzeitig gingen die Verbindlichkeiten weiter zurück. Sie reduzierten sich von 64.749,79 Euro auf 40.339,86 Euro, also um knapp 24.410 Euro beziehungsweise rund 37,7 Prozent.
Sämtliche zum Bilanzstichtag ausgewiesenen Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr. Langfristige Verbindlichkeiten werden nicht ausgewiesen.
Gewinn wurde bereits den Gesellschafterkonten zugeordnet
Interessant ist zudem ein Hinweis im Anhang, der erklärt, warum sich aus der Bilanz kein gesonderter Jahresüberschuss ablesen lässt. Die Bilanz wurde nach Verwendung des Jahresergebnisses aufgestellt.
Der Gewinnanteil für 2024 wurde zum 31. Dezember entsprechend den Regelungen des Gesellschaftsvertrags dem variablen Kapitalkonto gutgeschrieben.
Das bedeutet: Die Gesellschaft hat 2024 offenbar einen Gewinn erwirtschaftet. Dessen konkrete Höhe wird in den hier vorliegenden Angaben allerdings nicht genannt. Damit ist eine genaue Berechnung der Umsatzrendite oder der Eigenkapitalrentabilität anhand der Veröffentlichung nicht möglich.
Einen weiteren Hinweis auf die Ertragslage liefert die Gewerbesteuer. Für das Geschäftsjahr 2024 werden 35.757 Euro Gewerbesteuer ausgewiesen. Zusammen mit Veränderungen bei den latenten Steuern beträgt der ausgewiesene Steueraufwand 36.471,45 Euro.
Rückbau der Windkraftanlage bereits berücksichtigt
Ein wichtiger Punkt bei älteren Windenergieanlagen sind die Kosten, die am Ende der Betriebszeit für Demontage und Rückbau entstehen können.
Die Gesellschaft berücksichtigt dieses Thema bereits in ihren Rückstellungen. Die sonstigen Rückstellungen enthalten neben den Kosten für den Jahresabschluss ausdrücklich auch Kosten für den Rückbau der Windkraftanlage.
Insgesamt gingen die Rückstellungen von 47.962 Euro auf 42.862 Euro zurück. Der für die Rückbaukosten vorgesehene Betrag wird nach den handelsrechtlichen Vorgaben abgezinst.
Wie hoch allein die Rückbauverpflichtung ist, wird allerdings nicht separat ausgewiesen. Deshalb lässt sich anhand der veröffentlichten Angaben nicht beurteilen, in welchem Umfang die vorhandene Rückstellung die später tatsächlich anfallenden Rückbaukosten abdecken könnte.
Beteiligung an Umspannwerk
Neben dem eigentlichen Windparkgeschäft besteht eine Beteiligung an der Umspannwerk Wedehorn GbR mit Sitz in Bassum. Die Achtundzwanzigste Westwind Windpark GmbH & Co. KG ist dort nach eigenen Angaben als vollhaftende Gesellschafterin ohne Einlage beteiligt.
Auch dieser Punkt verdient bei einer umfassenden Risikobetrachtung Aufmerksamkeit. Welche wirtschaftlichen Verpflichtungen oder Vorteile sich aus dieser Stellung ergeben, geht aus dem vorliegenden Jahresabschluss nicht näher hervor.
Persönlich haftende Gesellschafterin der Windparkgesellschaft selbst ist die Westwind Verwaltungs GmbH mit Sitz in Kirchdorf. Die Geschäftsführung erfolgt über Michaela-Johanne Meindertsma und Jörg Osterholz.
Auffällig andere Bilanzstruktur als bei den WestWind-Gesellschaften 86 und 87
Im Vergleich mit den zuvor betrachteten 86. und 87. WestWind Windpark GmbH & Co. KG fällt ein erheblicher Unterschied auf.
Während diese Gesellschaften Ende 2024 jeweils noch Verbindlichkeiten von rund 2,92 Millionen Euro und Eigenkapital von lediglich 420.000 Euro auswiesen, besitzt die Achtundzwanzigste Westwind Windpark GmbH & Co. KG nur rund 40.000 Euro Verbindlichkeiten bei 600.000 Euro Eigenkapital.
Auch das Anlagevermögen unterscheidet sich drastisch. Bei den Gesellschaften 86 und 87 lag es noch bei jeweils rund 2,8 Millionen Euro. Bei der Achtundzwanzigsten Westwind sind es nur noch rund 33.000 Euro.
Die Zahlen sprechen damit für Gesellschaften in deutlich unterschiedlichen wirtschaftlichen beziehungsweise bilanziellen Phasen.
Solide Bilanz – aber eine Frage bleibt
Insgesamt zeigt der Jahresabschluss eine Gesellschaft mit sehr geringer Verschuldung, vollständig eingezahltem Haftungskapital und einer Eigenkapitalquote von fast 88 Prozent. Zudem wurde 2024 ein Gewinn erzielt, auch wenn dessen konkrete Höhe aus den vorliegenden Angaben nicht hervorgeht.
Der auffälligste Punkt liegt deshalb weniger auf der Schuldenseite als bei der Struktur des Vermögens. Die Forderungen gegenüber Gesellschaftern sind auf fast 359.000 Euro angewachsen und repräsentieren inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten Bilanzsumme.
Das ist für sich genommen noch kein Hinweis auf ein wirtschaftliches Problem. Für eine vollständige Analyse wäre jedoch entscheidend zu wissen, warum diese Forderungen entstanden sind, wann sie fällig werden und wie werthaltig beziehungsweise kurzfristig realisierbar sie sind.
Gerade weil das Anlagevermögen inzwischen nur noch einen geringen Buchwert besitzt und Rückbaukosten bereits bilanziell berücksichtigt werden, wäre zudem interessant, in welcher Phase ihres wirtschaftlichen Lebenszyklus sich die Windkraftanlage befindet. Der Abschluss zeigt jedenfalls eine weitgehend entschuldete Gesellschaft – zugleich aber eine Bilanz, deren Vermögensseite inzwischen in erheblichem Umfang von Forderungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern geprägt wird.