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Jeder zehnte junge Mensch in Deutschland ohne Job oder Ausbildung

geralt (CC0), Pixabay

Immer mehr junge Menschen in Deutschland haben weder einen Arbeitsplatz noch einen Ausbildungs- oder Studienplatz. Im Jahr 2025 traf dies auf zehn Prozent der 20- bis 24-Jährigen zu. Damit gehört inzwischen jeder Zehnte dieser Altersgruppe zu den sogenannten NEETs.

Die Abkürzung NEET steht für „Not in Employment, Education or Training“. Gemeint sind junge Menschen, die weder arbeiten noch eine Schule, Hochschule, Ausbildung oder berufliche Weiterbildung besuchen.

Die Entwicklung geht seit einigen Jahren in die falsche Richtung. 2022 lag der Anteil noch bei 8,8 Prozent. Bis 2025 stieg er auf zehn Prozent.

Deutschland steht im EU-Vergleich noch relativ gut da

Trotz des Anstiegs schneidet Deutschland im europäischen Vergleich vergleichsweise gut ab. In den 27 Staaten der Europäischen Union lag der Anteil der 20- bis 24-Jährigen ohne Arbeit oder Ausbildung durchschnittlich bei 12,9 Prozent.

Besonders niedrig war die Quote in den Niederlanden mit 5,6 Prozent. Es folgten Schweden mit 7,3 Prozent und Tschechien mit 7,6 Prozent.

Deutlich größer ist das Problem dagegen in einigen anderen EU-Staaten. In Rumänien waren 22,8 Prozent der jungen Menschen betroffen, in Bulgarien 17,3 Prozent und in Frankreich 16,2 Prozent.

Eine Stärke Deutschlands ist weiterhin das duale Ausbildungssystem. Es ermöglicht vielen jungen Menschen einen vergleichsweise direkten Übergang von der Schule über eine Berufsausbildung in den Arbeitsmarkt.

In deutschen Städten ist das Problem größer

Auffällig sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land. In größeren deutschen Städten haben 10,6 Prozent der jungen Menschen weder Arbeit noch einen Ausbildungs- oder Bildungsplatz. In ländlichen Gebieten sind es dagegen nur 7,9 Prozent.

Im europäischen Durchschnitt sieht es genau umgekehrt aus. Dort sind junge Menschen auf dem Land mit 15,4 Prozent deutlich häufiger betroffen.

Auch zwischen Männern und Frauen gibt es Unterschiede. Bei jungen Frauen beträgt die Quote in Deutschland 10,5 Prozent, bei jungen Männern 9,6 Prozent.

Nicht alle Betroffenen suchen einen Arbeitsplatz

Die Zahlen dürfen allerdings nicht so verstanden werden, dass sämtliche Betroffenen arbeitslos sind und einen Arbeitsplatz suchen.

Nach Angaben aus dem nationalen Bildungsbericht waren rund 25 Prozent der betroffenen jungen Menschen auf Arbeitssuche. Etwa zehn Prozent standen kurz davor, ein Studium, eine Ausbildung oder eine Beschäftigung aufzunehmen.

Die große Mehrheit von rund 66 Prozent stand dem Arbeitsmarkt dagegen nicht zur Verfügung. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Bei 20 Prozent spielten Betreuungspflichten eine Rolle, beispielsweise die Versorgung eines Kindes oder eines Angehörigen. Bei 18 Prozent wurden gesundheitliche Einschränkungen genannt.

Damit ist die Gruppe sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Hinter der Statistik können sich junge Arbeitslose ebenso verbergen wie Menschen, die Angehörige betreuen, gesundheitliche Probleme haben oder sich in einer Übergangsphase befinden.

Entwicklung könnte Fachkräftemangel verschärfen

Problematisch wird die Entwicklung vor allem dann, wenn junge Menschen über längere Zeit weder eine Ausbildung absolvieren noch arbeiten. Je länger diese Phase dauert, desto schwieriger kann der spätere Einstieg ins Berufsleben werden.

Das betrifft nicht nur die jungen Menschen selbst. Auch für die Wirtschaft kann daraus ein Problem entstehen. Deutschland sucht bereits in zahlreichen Berufen Nachwuchs und qualifizierte Fachkräfte. Wenn ein wachsender Teil einer jungen Generation dauerhaft nicht in Ausbildung und Beschäftigung gelangt, geht dem Arbeitsmarkt zusätzliches Arbeitskräftepotenzial verloren.

Zugleich können längere Zeiten ohne Ausbildung oder Beschäftigung das Risiko von finanziellen und sozialen Problemen erhöhen.

Forderung nach besseren Ausbildungsmöglichkeiten

Fachleute fordern deshalb, jungen Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf stärker zu helfen. Dazu gehören ausreichend Ausbildungsplätze, eine bessere Berufsorientierung und gezielte Unterstützung für Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, selbstständig einen Ausbildungsplatz zu finden.

Diskutiert wird außerdem eine umfassendere Ausbildungsgarantie. Sie soll dafür sorgen, dass möglichst jeder junge Mensch, der eine Berufsausbildung beginnen möchte, tatsächlich eine entsprechende Möglichkeit erhält.

Denn obwohl Deutschland mit einer Quote von zehn Prozent noch unter dem europäischen Durchschnitt liegt, ist die Entwicklung deutlich: Der Anteil junger Menschen ohne Ausbildung, Studium oder Beschäftigung nimmt zu. Gerade angesichts des Fachkräftemangels dürfte es deshalb immer wichtiger werden, diese jungen Menschen frühzeitig zu erreichen und ihnen einen Weg in Ausbildung und Beruf zu ermöglichen.

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