Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Petjenburg GmbH & Co. KG aus Krummhörn-Pewsum vermittelt auf den ersten Blick ein vergleichsweise stabiles Bild. Die Bilanzsumme bleibt mit knapp neun Millionen Euro nahezu unverändert, das Eigenkapital beträgt 3,85 Millionen Euro und die liquiden Mittel sind innerhalb eines Jahres um mehr als eine Million Euro gestiegen.
Für Anleger lohnt sich dennoch ein genauer Blick. Denn hinter der komfortabel wirkenden Liquiditätsposition stehen hohe kurzfristige Verbindlichkeiten – ein großer Teil davon gegenüber Gesellschaftern. Gleichzeitig schrumpft das Sachanlagevermögen weiter.
Mehr als 3,5 Millionen Euro auf den Bankkonten
Besonders positiv fällt die Entwicklung der liquiden Mittel auf. Zum Jahresende 2025 verfügte die Gesellschaft über 3,51 Millionen Euro an Bank- und Kassenbeständen. Ein Jahr zuvor waren es 2,45 Millionen Euro.
Damit hat sich das Liquiditätspolster um rund 1,06 Millionen Euro beziehungsweise gut 43 Prozent erhöht.
Für eine Windparkgesellschaft ist eine hohe Liquiditätsreserve grundsätzlich erfreulich. Sie kann beispielsweise dazu beitragen, Wartungen, Reparaturen, Rückstellungen oder Ausschüttungen zu finanzieren und unerwartete Belastungen abzufedern.
Auch das gesamte Umlaufvermögen steigt von 5,36 Millionen auf 5,99 Millionen Euro.
Forderungen gehen deutlich zurück
Parallel dazu reduzieren sich die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände von 2,91 Millionen auf 2,47 Millionen Euro. Forderungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr bestanden laut Anhang zum Bilanzstichtag nicht.
Zusammengenommen verfügt die Gesellschaft damit über knapp sechs Millionen Euro Umlaufvermögen.
Das ist beachtlich, denn die gesamte Bilanzsumme beträgt lediglich 8,98 Millionen Euro. Rund zwei Drittel des bilanzierten Vermögens befinden sich somit im Umlaufvermögen.
Eigenkapitalquote von rund 43 Prozent
Auch die Eigenkapitalausstattung erscheint auf Basis der vorgelegten Bilanz solide.
Das Eigenkapital liegt unverändert bei 3,85 Millionen Euro. Bei einer Bilanzsumme von 8,98 Millionen Euro ergibt sich rechnerisch eine Eigenkapitalquote von rund 42,9 Prozent.
Davon entfallen 1,12 Millionen Euro auf Kapitalanteile der Kommanditisten und weitere 2,73 Millionen Euro auf Rücklagen.
Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird mit null Euro ausgewiesen. Daraus sollte allerdings nicht geschlossen werden, dass die Gesellschaft 2025 weder Gewinn noch Verlust erwirtschaftet hätte. Der vorliegende Abschluss enthält keine Gewinn- und Verlustrechnung und ermöglicht daher keine eigenständige Beurteilung des Jahresergebnisses.
Sachanlagen verlieren weiter an Buchwert
Deutlich rückläufig ist dagegen das Anlagevermögen. Es sinkt von 2,42 Millionen auf 1,88 Millionen Euro.
Die Sachanlagen reduzieren sich allein von 2,03 Millionen auf 1,49 Millionen Euro – ein Minus von rund 542.000 Euro beziehungsweise knapp 27 Prozent.
Das muss keineswegs auf eine wirtschaftliche Verschlechterung des Windparks hindeuten. Bei Windenergieanlagen führt die planmäßige Abschreibung naturgemäß dazu, dass ihre bilanziellen Buchwerte mit zunehmendem Alter sinken.
Für Anleger stellt sich dennoch eine wichtige langfristige Frage: Wie lange können die bestehenden Anlagen noch wirtschaftlich betrieben werden und wann werden größere Ersatz- oder Repowering-Investitionen erforderlich?
Diese strategische Perspektive lässt sich aus dem vorliegenden Jahresabschluss nicht beantworten.
3,95 Millionen Euro Verbindlichkeiten – überwiegend kurzfristig
Auf der Passivseite stehen insgesamt 3,95 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Gegenüber 3,99 Millionen Euro im Vorjahr hat sich der Gesamtbetrag kaum verändert.
Interessanter ist deren Laufzeitstruktur.
Von den 3,95 Millionen Euro sind 3,68 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig. Nur 269.600 Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Verbindlichkeiten mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit bestehen laut Anhang überhaupt nicht.
Eine kurzfristige Verschuldung dieser Größenordnung verdient grundsätzlich Aufmerksamkeit.
Sie muss allerdings der vorhandenen Liquidität gegenübergestellt werden: Allein die Bankguthaben von 3,51 Millionen Euro decken rechnerisch bereits rund 95 Prozent der ausgewiesenen kurzfristigen Verbindlichkeiten ab. Zusammen mit den kurzfristigen Forderungen erscheint die Situation auf Basis der Bilanz wesentlich komfortabler, als die reine Höhe der kurzfristigen Schulden vermuten lässt.
Millionenverbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern
Besonders auffällig ist die Struktur der Verbindlichkeiten.
In der Bilanz werden 3,19 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern ausgewiesen. Im Anhang ist dagegen von rund 3,296 Millionen Euro die Rede.
Diese Abweichung sollte bei einer vertieften Analyse geklärt werden.
Unabhängig davon entfällt damit der weit überwiegende Teil der Gesamtverbindlichkeiten auf Verpflichtungen gegenüber den Gesellschaftern.
Für Anleger wäre interessant zu wissen, wie diese Forderungen konkret ausgestaltet sind: Handelt es sich beispielsweise um Gesellschafterdarlehen, Verrechnungskonten, Ausschüttungsansprüche oder andere Verpflichtungen? Welche Verzinsung und Fälligkeiten gelten?
Diese Details ergeben sich aus den vorgelegten Angaben nicht.
Rückstellungen steigen auf 1,17 Millionen Euro
Die Rückstellungen erhöhen sich leicht von 1,14 Millionen auf 1,17 Millionen Euro.
Das entspricht einem Anstieg von rund 35.000 Euro.
Der Anhang erläutert lediglich allgemein, dass Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten unter Berücksichtigung erkennbarer Risiken gebildet wurden. Eine detaillierte Aufschlüsselung der mehr als eine Million Euro schweren Position fehlt in den vorliegenden Angaben.
Gerade für Windparks wären Informationen über mögliche Rückbau-, Wartungs-, Steuer- oder sonstige langfristige Verpflichtungen für Anleger interessant.
Eine Million Euro Rechnungsabgrenzung ist erklärbar
Auffällig hoch bleibt außerdem der aktive Rechnungsabgrenzungsposten von 1,11 Millionen Euro.
Anders als bei vielen verkürzten Jahresabschlüssen liefert der Anhang hierzu jedoch eine nachvollziehbare Erklärung.
Enthalten sind unter anderem vorausbezahlte Mietentgelte für ein Umspannwerk sowie Zahlungen im Zusammenhang mit dem Anschluss von Windenergieanlagen an das Umspannwerk Jennelt. Diese Beträge werden über die jeweiligen Vertragslaufzeiten verteilt.
Der Posten reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr von 1,20 Millionen auf 1,11 Millionen Euro.
Besicherte Schulden spielen nur noch eine begrenzte Rolle
Für Verbindlichkeiten wurden unter anderem Windenergieanlagen sicherungsübereignet sowie Rechte aus Kauf-, Wartungs- und Stromeinspeisungsverträgen abgetreten.
Der Gesamtbetrag der besicherten Verbindlichkeiten wird allerdings lediglich mit rund 367.600 Euro angegeben.
Angesichts von insgesamt knapp vier Millionen Euro Verbindlichkeiten ist das ein vergleichsweise überschaubarer Anteil.
Anlegerfazit: Solide Bilanz – aber entscheidende Ertragszahlen fehlen
Unter dem Strich hinterlässt die Windpark Petjenburg GmbH & Co. KG zum Jahresende 2025 bilanziell einen vergleichsweise robusten Eindruck.
Positiv sind insbesondere die hohe Eigenkapitalquote von rund 43 Prozent, die auf 3,51 Millionen Euro gestiegene Liquidität und der Umstand, dass den hohen kurzfristigen Verpflichtungen erhebliche kurzfristig verfügbare Vermögenswerte gegenüberstehen.
Kritischer betrachtet werden sollten dagegen die mehr als drei Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern, die Höhe der Rückstellungen sowie der kontinuierlich sinkende Buchwert der Windenergieanlagen.
Der entscheidende Schwachpunkt für eine Anlegeranalyse liegt jedoch in den veröffentlichten Informationen selbst: Umsatz, Stromerlöse, Jahresüberschuss, Abschreibungen, Zinsaufwand und operativer Cashflow sind aus den vorgelegten Daten nicht ersichtlich.
Damit lässt sich zwar die finanzielle Struktur beurteilen, nicht aber die tatsächliche Ertragskraft des Windparks.
Für Anleger lautet die entscheidende Frage deshalb weniger, ob Ende 2025 genügend Geld auf den Konten lag. Interessanter ist, wie nachhaltig der Windpark dieses Liquiditätspolster aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet – und welche Investitionen erforderlich werden, wenn die bestehenden Anlagen weiter altern.