Die Sonnenfinsternis hat Millionen Menschen zum Blick in den Himmel gelockt. Wer dabei ohne geeignete Schutzbrille direkt in die Sonne geschaut hat, sollte in den Stunden danach besonders auf sein Sehvermögen achten. Schäden an der Netzhaut verursachen häufig keine Schmerzen und können sich erst verzögert bemerkbar machen.
Auch wenn der Mond einen großen Teil der Sonne verdeckt, bleibt der direkte Blick in die verbliebene Sonnensichel gefährlich. Nach Angaben von Augenärzten können bereits wenige Sekunden ohne ausreichenden Schutz ausreichen, um die empfindlichen Zellen der Netzhaut zu schädigen.
Das Tückische daran: Betroffene bemerken die Verletzung möglicherweise zunächst überhaupt nicht. Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren. Ein Sonnenbrand der Haut macht sich durch Schmerzen bemerkbar – eine Schädigung des Auges dagegen nicht unbedingt.
Sonnenstrahlen werden im Auge gebündelt
Die Augenlinse bündelt einfallendes Sonnenlicht auf der Netzhaut ähnlich wie ein Brennglas. Dadurch trifft konzentrierte Strahlung auf die für das Sehen entscheidenden Zellen. Sowohl thermische als auch photochemische Prozesse können dort Schäden verursachen.
Mediziner sprechen bei einer solchen Verletzung von einer Sonnenretinopathie. Tritt sie im Zusammenhang mit einer Sonnenfinsternis auf, wird auch der Begriff Eclipse-Retinopathie verwendet.
Besonders problematisch ist, dass eine partielle Sonnenfinsternis subjektiv weniger gefährlich erscheinen kann. Weil ein großer Teil der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt wird, wirkt das Licht schwächer. Das kann dazu verleiten, länger hinzusehen.
Die verbleibende Sonnensichel ist jedoch weiterhin intensiv genug, um das Auge zu gefährden. Eine gewöhnliche Sonnenbrille bietet dafür keinen ausreichenden Schutz.
Diese Symptome sollten ernst genommen werden
Nach einem ungeschützten Blick in die Sonne sollten Betroffene vor allem Veränderungen im zentralen Gesichtsfeld beobachten. Zu den möglichen Warnzeichen gehören:
- verschwommenes oder unscharfes Sehen in der Mitte des Blickfeldes,
- eine ungewöhnlich starke Blendempfindlichkeit,
- verändert oder ausgewaschen wirkende Farben,
- gerade Linien, die plötzlich wellig oder verbogen erscheinen,
- ungewöhnlich lange anhaltende Nachbilder.
Die Beschwerden müssen nicht unmittelbar nach dem Blick in die Sonne auftreten. Nach Angaben der von BR24 zitierten Augenärzte können erste Veränderungen erst einige Stunden später oder sogar am folgenden Tag auffallen.
Wann sollte man zum Augenarzt?
Wer nach einem ungeschützten Blick während der Sonnenfinsternis schlechter, verschwommen oder verzerrt sieht, sollte seine Augen augenärztlich untersuchen lassen. Der Augenarzt kann feststellen, ob die Netzhaut geschädigt wurde und welches Ausmaß die Veränderungen haben.
Eine besondere Behandlung, mit der bereits geschädigte Netzhautzellen einfach wiederhergestellt werden könnten, gibt es laut den im BR24-Bericht zitierten Fachleuten nicht. Der weitere Verlauf muss deshalb beobachtet werden.
Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass jede Sehbeeinträchtigung dauerhaft bleibt. Das Sehvermögen kann sich im Laufe der Zeit wieder verbessern. Ob und in welchem Umfang das geschieht, lässt sich im Einzelfall jedoch nicht zuverlässig vorhersagen.
Normale Sonnenbrillen reichen nicht
Der Fall zeigt noch einmal, weshalb Augenärzte bei Sonnenfinsternissen so eindringlich vor improvisiertem Augenschutz warnen. Normale Sonnenbrillen oder selbst gebastelte Lösungen sind für den direkten Blick in die Sonne nicht geeignet.
Entscheidend ist eine dafür vorgesehene und zertifizierte Sonnenbeobachtungsbrille beziehungsweise ein geeigneter Sonnenfilter. Auch wenn nur noch eine schmale Sichel der Sonne sichtbar ist, darf beim direkten Beobachten nicht auf den entsprechenden Schutz verzichtet werden.
Wer nach der Sonnenfinsternis keine Beschwerden bemerkt, sollte dennoch auf mögliche Veränderungen seines Sehvermögens achten. Treten nach einem ungeschützten Blick Auffälligkeiten auf, ist eine augenärztliche Abklärung sinnvoll – gerade weil eine Netzhautschädigung selbst keine Schmerzen verursachen muss.